Angkor und Watte

Siem Reap, Cambodia, 16. bis 21. Januar 2008

Um acht Uhr morgens stiegen wir in den Airport Express, der uns erstaunlich schnell (offenbar weniger Verkehr als sonst..) in rund 50 Minuten zum Flughafen von Bangkok brachte. Der neue Flughafen wurde vor ca. einem Jahr eingeweiht und ist topmodern. Er wirkt zwar ein bisschen steril, ist durch die moderne Konstruktion aber recht eindrücklich. Bangkok brauchte auf jeden Fall mal einen neuen Flughafen, der alte war fürchterlich chaotisch und konnte die 40 Millionen Passagiere im Jahr kaum noch fassen.

Die Warteschlange vor dem Zoll war trotz ca. 20 Schaltern sehr gross. Wir hatten unser 30-Tage-Visa um zwei Tage überzogen, aber nachdem wir gelesen hatten, dass dies eigentlich kein allzu grosses Problem ist und die Überschreitung der maximalen Aufenthaltsdauer um ein paar Tage mit einer Gebühr beglichen werden kann, machten wir uns keine allzu grossen Sorgen. Wir waren trotzdem ein wenig überrascht, als einerseits die Gebühr ziemlich hoch ausfiel (rund Fr. 30.- pro Person pro zusätzlichem Tag) und andererseits ein solcher Fall als kriminelles Vergehen gilt…
Wir wurden an eine Kasse geführt, wo in umständlichster Weise, ohne Worte und mit strafenden Blicken der drei Beamten mehrere Formulare ausgefüllt wurden. Diese mussten wir sofort unterschreiben, ohne recht verstanden zu haben, was uns da unter die Nase gehalten wurde. Flüchtig bekamen wir noch mit, dass dies sozusagen einen Gerichtsfall darstellt und wir den Richter mit unserer Bezahlung darum bitten, dass er uns gnädigerweise begnadigt. Sachen gibts!!

Der Flug mit Bangkok Airways nach Siem Reap, Cambodia, dauerte ca. 45 Minuten. Die Maschine wurde übrigens von einem Schweizer geflogen. Der Flughafen Siem Reap ist ein niedliches Gebäude so im Vergleich zu Bangkok, machte auf uns aber gleich einen einladenden Eindruck.

Als wir im Flughafengebäude die riesige Warteschlange vor den Zollschaltern sahen, waren wir sehr froh, dass wir unser Kambodscha-Visa bereits in Chiang Mai auf relativ einfache Weise via Internet organisiert hatten. Wir konnten also gleich zur Passkontrolle schreiten. Die gestrengen Zöllner nahmens sehr genau, sogar fotografiert wird man.

Draussen wartete bereits jemand mit einem Schild vom „Bou Savy Guesthouse“. Yung begrüsste uns sehr nett und fuhr uns mit seinem „Motocycle“ zum Guesthouse. Ein Motocycle ist eine Vespa mit einem kleinen, gedeckten Wägelchen hinten angehängt, grad bequem für zwei Fahrgäste.

Im Hotel wurden wir für die erste Nacht in einem Zimmer ohne Aircondition und Warmwasser einquartiert, da sie die Reservationen irgendwie vermischt hatten. War aber auch okay. Am Abend assen wir gleich im Guesthouse. Eine Hundemutter schaute uns dabei zu. Rundherum watschelten ihre drei Hundebabies, ca. einen Monat alt und noch ziemlich tapsig und extrem putzig :-)

Yung war für die nächsten drei Tage unserer Fahrer für die Erkundung von Angkor, unserem grossen Ziel in Siem Reap. Angkor, oder v.a. bekannt als „Angkor Wat“, gehört zum UNESCO Weltkulturerbe und ist ein weiteres Highlight auf unserer Reise. Mit Yung und seinem Tuktuk fuhren wir am ersten Morgen zum Eingang und kauften gleich ein Dreitagesbillett. Wir wurden fotografiert und bekamen einen persönlichen Pass für 40 Dollar, was für eine so berühmte Sehenswürdigkeit noch sehr im Rahmen ist.

Zurzeit ist hier Hochsaison und dementsprechend hatte es sehr, sehr viele Reisegruppen aus allen möglichen Ecken der Welt. Diese konnte man ein wenig umgehen, wenn man vorallem um die Mittagszeit in den Ruinen herumwanderte, wenn alle am Essen waren. Zu Spitzenzeiten und bei sehr populären Foto-Spots musste man schon fast Schlange stehen, um ein Bild machen zu können und musste sich in Geduld üben, wenn man ein „Tourist-freies“ Föteli schiessen wollte :-o

Wir genossen es sehr, diese drei Tage mit Yung herumzufahren und uns nicht darum kümmern zu müssen, wie wir jetzt weiter- oder irgendwohin kommen und alles selber organisieren zu müssen. Er fuhr uns jeweils zu einer Site, erklärte uns ein wenig, um was es ging und wartete auf uns, bis wir wieder rauskamen.

Der Besuch hat sich voll gelohnt. Angkor ist wirklich eine Reise wert und es gibt unglaublich viel zu sehen. Da es zuviel wäre, um hier alles aufzuschreiben und es aussserdem gute, ausführliche Bücher darüber gibt, verzichten wir darauf. Aber Föteli haben wir ziemlich viele gemacht.

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Vor den verschiedenen Tempeln und Ruinen hat es jeweils zahlreiche Verkaufsstände mit eifrigen Händlern, bzw. Händlerinnen, die einem schon von weitem entgegenrufen, was sie feilzubieten haben – ..“want cold drink, sir? – want nice scarf, madame? – want history book, sir?“
Es sind auch viele Kinder unterwegs, die ziemlich hartnäckig bis penetrant ihre Postkarten, Souvenirs oder Bücher verkaufen möchten. Hin und wieder kauften wir was, weil die Kinder schliesslich auch dafür arbeiten und manchmal recht gewitzt und schlagfertig sind. Zum Beispiel liefen vor uns mal ein paar Franzosen in einen Tempel rein; sobald ein wartendes Kind das hörte, wechselte es von englisch auf französisch und belagerte die Touris in ihrer Muttersprache. Auch fragen die Kids jeweils, woher man denn komme und rattern dann wie aus der Pistole geschossen die Hauptstadt und die Landessprache(n) runter. Nach drei Tagen schüttelten auch wir nur noch den Kopf und sagten, „no thank you“. Wir machten einmal den Fehler, dass wir nicht „no“sondern „maybe later“ sagten. Als wir später dann doch nichts kauften, meinte ein Kindchen, wir erzählten Lügen und wollte uns so ein schlechtes Gewissen verpassen. Die werden schon früh auf verschiedenste Verkaufsstrategien getrimmt – wir konnten manchmal nur staunen!. An diesen Ständen gibt es auch jede Menge Bücherkopien (Bücher, die buchstäblich fotokopiert wurden) zu kaufen. Wir kauften zwei über die Geschichte von Kambodscha und einen Lonely Planet. Wo kriegt man sonst schon einen Lonely Planet für fünf Franken ;-o

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Am dritten Tag gingen wir ungemütlich knapp einem Unfall vorbei. Die Kambodschaner sind echte Kamikaze-Fahrer – das haben wir weder in Malaysien noch in Thailand so erlebt. Die Verkehrsregeln sind für uns nicht nachvollziehbar, aber es ist auf jeden Fall gefährlich. Yung tuckerte gemütlich dahin, als ihn ein Auto überholte, obwohl auf der Gegenfahrbahn ein Auto entgegenkam. Als der Autofahrer auf unserer Seite realisierte, dass er nicht so einfach vorbeikam, schnitt er uns einfach den Weg ab. Yung konnte mit seinem Mofa keine Vollbremsung machen, da das angehängte Wägelchen zu schwer ist (er fuhr ja schon megalangsam). Um einen Zusammenstoss zu vermeiden, musste er nach rechts ausweichen, wo Gebüsch war und probierte so gut wie möglich das Gleichgewicht zu behalten. Wir sahen das Wägelchen mit uns drin schon umgekehrt im Strassengraben liegen; doch nach unendlich dauernden Sekunden konnte Yung das Moped zum Stillstand bringen. Wir sprangen aus dem Tuk-Tuk raus, da das Moped immer noch gefährliche Schieflage hatte und zogen das ganze Gefährt in den Schatten. Yung zitterte und entschuldigte sich fortlaufend bei uns. Wir beruhigten ihn und versicherten ihm, dass es nicht seine Schuld gewesen sei. Nachdem er seine (allerdings jetzt kaputte) Sandale gefunden hatte und wir ihm versicherten, er habe richtig reagiert, beruhigte er sich wieder und konnte wieder lachen. …die spinnen echt, die kambodschanischen Autofahrer!

Bei unserer ersten Fahrt zu den Tempeln von Angkor fuhren wir am Kinderspital von Beat Richner (Beatocello) vorbei und sahen dort ein Schild, das darauf hinwies, dass Blutspenden im Kampf gegen die herrschende Dengue-Fieber Epidemie sehr gefragt sind. Später erhielten wir auch noch einen Flyer, dass am heutigen Abend ein Konzert mit „Beatocello“ (Beat Richners Künstlername als Music-Clown) stattfand. Diese Konzerte gibt er regelmässig jeden Samstag und in der Touristen-Hochsaison auch noch am Donnerstag, um Geld sammeln zu können.

Um 7.15 fanden wir uns im Konzertsaal beim Kinderspital-Komplex ein. Es wirkte alles sehr modern und sauber. Hätte auch irgendwo in der Schweiz sein können. Beat Richner spielte während den nächsten eineinhalb Stunden Cello-Stücke von Bach, eigene Kompositionen und informierte uns vorallem über die desolate Situation des kambodschanischen Gesundheitswesens. Er tönte (verständlicherweise) ein wenig desillusioniert. Einige Beispiele seinerseits:

Während der Sars-Welle in 2003 blieben die Touristen Kambodscha fern, obwohl es hier keinen einzigen Sars-Fall gab, was für den kambodschanischen Tourismus verheerend war. Im 2007 begann eine schlimme Dengue-Epidemie, die aber „lediglich“ die einheimischen Kinder trifft. Deshalb erfuhr davon der Rest der Welt nichts, weil es die Touristen nicht trifft. Oder als mehr oder weniger direkte Folge des langandauernden Bürgerkriegs sind 65% der kambodschanischen Bevölkerung mit Tuberkulose infiziert, was sich auch ziemlich direkt auf die wirtschaftliche Lage auswirkt. Von der WHO und den anderen Gesundheitsorganisationen scheint Beat Richner etwas alleingelassen zu sein, da diese kritisieren, dass seine dem westlichen Standard entsprechenden Einrichtungen nicht die „wirtschaftliche Realität des Landes wiederspiegeln“ – jedenfalls war das für uns sehr informativ und auch schockierend..

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Nach unserem ersten Angkor-Besichtigungstag hielten wir auf dem Rückweg beim Kinderspital an, um Blut spenden. Dafür gab’s auch ein kleines Geschenk-Säckli mit Guetzli und einem T-Shirt, über das sich unser Fahrer, Yung, sehr freute.

An unserem letzten Abend besuchten wir eine traditionelle Tanzshow in einem der grossen Hotels. Inbegriffen war ein Buffet mit verschiedenen Spezialitäten. Die Tänze waren sehr beeindruckend und speziell Aber auch das Drumherum war interessant: Das Openair-Restaurant fasste etwa 600 Gäste, hauptsächlich asiatische. Die Asiaten kamen um 7.15 rein, stürmten das Buffet, schauten den Tänzen zu, stürmten am Schluss die Bühne für das obligate Föteli mit den Tänzerinnen (eine Touristin wischte doch tatsächlich einer Tänzerin noch etwas den Schweiss rund ums Dekollete ab, damit es auf dem Föteli schöner aussah!), und waren weg, wieder in ihrem Bus zu ihrem nächsten Domizil. Unglaublich. Zurück blieben noch ein paar erstaunte Europäer:-))

Am Abreisetag ging unser Flug erst um 18.00 Uhr. Diesen Tag nahmen wir noch gemütlich mit Ausschlafen, lesen, Diary schreiben und internetlen. Kambodscha hat uns auch in dieser kurzen Zeit einen sehr positiven Eindruck hinterlassen. Man merkt den Unterschied zu Thailand sehr gut. Die Kambodschaner sind scheuer und zurückhaltender und vorallem ernster. Das Trauma der vergangenen 30 Kriegsjahre merkt man deutlich. Am vorherigen Tag hatten wir noch das Landminenmuseum besucht. Kambodscha hat eine unglaublich traurige und brutale Zeit hinter sich, und bis sich das Land davon erholt hat, werden wohl Jahrzehnte vergehen. Wir hoffen, sie finden den Rank. Auch wenn hier jeder probiert, noch einen Extradollar zu verdienen, war das für uns völlig okay (solange eine Leistung dahinter ist), weil sie es wirklich brauchen können. Wir sind auch froh, dass wir hier individuell unterwegs sind, in einem Guesthouse übernachten, das von einer kambodschanischen Familie gemanagt wird und auch einen privaten Fahrer hatten. Yung ist der älteste Sohn einer Familie mit fünf Kindern. Er war Lehrer und verdiente 50 Dollar im Monat. Er kam nach Siem Reap, um mit Touristen zu arbeiten, weil er so wesentlich mehr Geld verdienen und seine ganze Familie unterstützen kann, vorallem auch seine jüngeren Geschwister, die noch in die Highschool gehen. Die Gruppentouristen steigen meistens in grossen, ausländischen Hotels ab, bei denen der Profit ins Ausland wandert.

Ach ja, und dann feierten wir am 18. Januar noch „Sechs-Monate-Unterwegs“! Ein Moment, bei dem wir eine einmalige Zeit mit vielen unglaublich spannenden, faszinierenden, schönen und weniger schönen Momenten wieder mal Revue passieren liessen :-o.

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