Stadtgeschichten – Teil 2

Hongkong, 19. bis 25. Februar 2007

Zweiter und letzter Teil der Hongkonger Stadtgeschichten:

Nach einem weiteren Versuch, ein nettes, kleines gemütliches Restaurant zu finden, an dem wir kläglich scheiterten, verpflegten wir uns mehr schlecht als recht in einem Shoppingcenter-Café.
Eigentlich würde es hier ja nicht an Restaurants und kulinarischen Erlebnissen mangeln – aber entweder sind es riesige Hochpreis-Edelbeizen, für die man für den Einlass zuerst mal anstehen muss – oder dann ganz kleine, schlauchartige Beizli, in denen alles nur auf chinesisch angeschrieben ist und sich die Gäste dichtgedrängt um winzig kleine Tischchen rotten, was für uns bei dem ganzen Trubel rundherum auch nicht gerade der Idealvorstellung eines gemütlichen Essens entspricht.

Um uns ein bisschen entspannen zu können, zogen wir uns an einen der wenigen Orte zurück, wo wir gemütlich sitzen konnten und unsere Ruhe hatten – nein, nicht auf’s Klo ;-) ..sondern wir sahen uns im Kino einen Film an..

Danach shipperten wir mit der Fähre der „Star Ferry“ wieder zurück auf Hongkong Island und fanden auf dem Weg zum Guesthouse glatt ein paar kleinere und einigermassen gemütliche Restaurants mit schön viel Platz ..und Happy hour ;-o Erleichtert liessen wir uns in die Polster sinken und genossen ein, bzw zwei Bierchen..

Die Suche nach einem Happen für’s Nachtessen verlief ähnlich frustrierend wie am Mittag.
Nach einigen Fehlversuchen und leicht gestresst vom Leute-ausweichen, endeten wir – man möge uns verzeihen – im „Mc“ ;-o ..war halt wieder nichts mit Chinesischer Küche ..aber trotzdem wieder mal fein.!

Der folgende Tag war wiederum regnerisch. Wir starteten deshalb gemütlich mit einem Frühstück in einem typischen Hongkonger Café, einem „Starbucks“ ;-) Nun ja, allerdings erst im zweiten Starbucks, den wir fanden, der erste war bereits wieder voll. In den komfortablen Polstersesseln schrieben wir gleich den ersten Teil des Hongkongbeitrags fertig. Mit gratis „Surfen“ war allerdings nix – denn obwohl die Honkonger ziemlich technologieverückt sind, tun sie sich etwas schwer mit gratis WLAN. Jedenfalls war Starbucks bis jetzt immer ein sicherer Wert, was das anbelangt.

Anschliessend ratterten wir mit einem der doppelstöckigen Trams (empfehlenswert für Sightseeing) ins „Happy Valley“. Das Happy Valley ist nicht wirklich ein Tal, wie man anhand des Namens meinen könnte, sondern ein grüner Fleck, der immer noch mitten in der Stadt liegt und aus einer 3 km langen Pferderennbahn und etlichen Fussball-, Rugby- und Unihockey-Plätzen besteht.
Die Rennbahntribüne fasst rund 55000 Leute, die den zahlreich stattfindenden Rennen begeistert zuschauen (..die Hongkonger sind offenbar passionierte Pferde-Wetter). Wir spazierten der ganzen Rennbahn entlang und schauten den Hongkongern und vielen „Expats“ bei ihren samstäglichen Fussball-, Rugby-, oder Hockeyspielen zu.

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Gleich bei der Tramhaltestelle entdeckten wir ein Restaurant, das nach chinesischen Köstlichkeiten aussah. Leider täuschte der Schein – Food nix gut :-( Die Gourmet-Erlebnisse müssen eindeutig wieder besser werden.. ..nach SOA haben wir da natürlich schon gewisse Vorstellungen.

Danach stiegen wir wieder ins Tram und liessen uns Richtung „Western Market“ durch die ganzen Hochhaus-Viertel von Hongkong Island (Causeway Bay, Wanchai, Central) kutschieren. ….Das war total interessant. Ein Luxusladen am anderen, dazwischen grosse Shoppingcenter, überall Autos, Busse, Trams, und natürlich massenhaft Leute. Am Western Market stiegen wir aus und gönnten uns in der Bäckerei „Das Gute“ (..nicht ganz unwahrscheinlich, dass die von einem Deutschen gegründet wurde;-) ein paar Leckereien – als Kompensation zum enttäuschenden Mittagessen.
Irgendwie scheint Hong Kong (zumindest nicht für uns) der ideale Ort zu sein, um die chinesische Küche zu geniessen.

Für den vierten Tag hatten wir uns vorgenommen, dem Stadtgewimmel ein wenig zu entfliehen und die „Ten Thousand Buddhas Monastery“ (Das Kloster der zehntausend Buddhas) zu besuchen. Nach 40 Min. Metro-Fahrt und zweimal umsteigen erreichten wir die entsprechende Station „Sha Tin“. Von dort verpassten wir irgendwie den richtigen Weg und landeten zuerst mal auf einem Friedhof. Da wir zuerst mal auf mehreren Rolltreppen einen Hügel hinaufgleiten mussten, wo in verschiedenen kleinen Kapellchen hunderte von Urnenfächer zu finden waren, merkten wir zuerst gar nicht, dass dies nicht das Kloster, sondern eben ein Urnenfriedhof war. Jedenfalls war dort dann auch für uns „Dead End“ und wir mussten wieder umkehren- war aber auch sehr interessant. Auch, weil es grad Sonntag war und viele Hongkonger den Tag für einen Grabbesuch nutzten.

Beim zweiten Anlauf fanden wir den richtigen Weg zum Kloster. Um dorthin zu gelangen, mussten wir, zusammen mit vielen chinesischen Touristen, zunächst mal einen steilen Weg hinaufsteigen, der gesäumt war von Hunderten von fast-lebensgrossen, goldenen Buddhas – alle sehr individuell gestaltet.

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Beim Kloster selber hatte es eine hübsche Pagoda, selbstverständlich verschiedenste Tempel, wo man Räucherstäbchen und anderes als Opfer darbringen konnte und wie der Name schon versprach, Tausende von grossen und kleinen Buddhas. Es machte Spass, hier ein wenig rumzuspazieren, einerseits um die vielen teilweise sehr originellen Buddha-Statuen zu beäugen und andererseits den chinesischen Besuchern bei der Darbietung ihrer Opfergaben zuzusehen.

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Auf dem Rückweg zur Metro kamen wir – einmal mehr – durch ein grösseres Shoppingcenter. Immer eine Gelegenheit, die man nicht ungenutzt lassen sollte, um die meist schönen Klos zu benutzen. Zudem fiel uns dort ein ganz neu eröffneter und ziemlich grosser “IKEA“ auf. Da es uns wunder nahm, ob die Hongkonger Einrichtungsvorstellungen in etwa den unseren entsprechen, schlenderten wir gleich ein bisschen durch die verschiedenen Abteilungen. Zum Einen stellten wir zwar fest, dass die Möbel und Accessoirs mehr oder weniger dem entsprichen, was man im IKEA Dietlikon so findet. Zum Anderen war es aber interessant zu sehen, dass die Musterräume, wie Küche, Schlafzimmer, Bad etc. den engen Wohnverhältnissen in Hong Kong nachempfunden waren: Praktische Effizienz auf engstem Raum…:-)

Eine Metrostation weiter Richtung Stadtzentrum, in „Kowloong Tong“ stiegen wir gleich nochmals aus, um den angeblich grössten Shoppingkomplex, bzw. das sich darin befindliche Multiplex-Kino zu besuchen. Tatsächlich war dies der wohl grösste und auch einer der schönsten Konsum-Tempel, die wir in Asien bisher gesehen hatten. Das Ding ist riiiesig – voll von kleineren und grösseren Geschäften, allerdings wiederum meist des Typs „Edelmarke“ , sprich tabu für uns.. ;-o Zudem hat es verschiedenste Restaurants und Cafés und – man staune – ein ausgewachsenes Eisfeld, auf dem Anfänger und Fastprofis ihre Runden drehten. Aber wir waren ja nicht des Shoppens wegen hier, sondern um uns ein Kinofilm anzusehen. Wer unsere Reise verfolgt hat, dem ist sicher aufgefallen, dass wir gerne ab und zu wieder mal ins Kino gehen. Ein Kinobesuch ist v.a. in grossen Städten immer wieder eine gute Gelegenheit, um für ein, zwei Stunden dem ganzen Trubel zu entgehen ..und das meist zu einem sehr günstigen Preis (bisheriger Rekord: ca. 3 Fr. pro Nase). Hong Kong schneidet in Sachen Kino leider nicht ganz so gut ab. Hier ist dermassen alles auf Shopping und Konsum ausgelegt, dass es für schön grosse Kinokomplexe mit 6 bis 20 Kinosälen irgendwie keinen Platz mehr hatte.

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Was aber noch störender ist: Man kann sich hier NIRGENDS einfach hinsitzen. Wenn schlechtes Wetter ist, und man gezwungen ist, sich Drinnen aufzuhalten, findet man an öffentlichen Plätzen kaum eine Sitzgelegenheit. All die riesigen Shoppingkomplexe sind nur auf flinke Kunden ausgerichtet, die von einem Geschäft ins andere flitzen. Selbst beim Warten auf die Metro – keine Bänke, nada. Und die Metro selber ist meistens so voll, dass Sitzplätze auch dort selten sind.;-(
Da kommen einem Kinos und Starbucks und Co. natürlich gelegen…

Hong Kong ist zwar schon sehr eindrücklich und faszinierend, doch nach ein paar Tagen mitten im Gewimmel, in dem einem die geschäftigen Hongkonger wie Bienen um die Ohren schiessen, man sich immer und überall seinen Weg durch die Massen bahnen, sich bei fast allen Aktivitäten in die Schlange einreihen muss oder man im Restaurant kaum Platz hat und dem Nachbarn quasi in den Teller schauen kann, freuen wir uns auch wieder auf geruhsamere Zeiten und Orte…

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