
Mountain High and Valley Low
June 29, 2023
Entschleunigungskur
June 30, 2023Der nahe Osten war auf unserer gemeinsamen Reiseweltkarte bisher noch ein leerer Fleck. Von der Schweiz aus ist diese Region aber sehr gut geeignet für einen knapp zweiwöchigen Kurzurlaub. Da “Petra” und Jordanien überhaupt auch schon länger auf unserer Reise-wunschliste stehen, war die Destination für unsere ersten Ferien von 2011 recht schnell klar. Kaum hatten wir ernsthaft mit der Reiseplanung begonnen, spitzte sich die Lage in Ägypten immer mehr zu. Nachdem sogar von kleineren Demonstrationen in Jordanien die Rede war, fragten wir via der Reiseplattform “Thorntree” eine Dame in Jordanien an, wie sie wohl die Lage für einen Jordanienbesuch einschätzen würde. Jordanien könne in keiner Weise mit Ägypten verglichen werden und ein Besuch in Jordanien sei völlig unbedenklich.
Also machten wir uns mit Volldampf an die Organisation unserer rund 10-tägigen Jordanienreise. 1. Flug 2. Routenplanung 3. Buchung der Hotels 4. Buchung des Mietwagens – klappte soweit alles bestens, wahrscheinlich auch, weil wir uns in der Zwischensaison befanden und die Hotels nicht gerade stark belegt waren. Die geplante Route sah in etwa so aus:
– Ankunft in Amman
– Übernachtung in Madaba
– Ausflug nach Amman
– Übernachtung in Madaba
– Fahrt über Mount Nebo/Bethanien nach Jarash
– Übernachtung bei Jarash
– Fahrt über Amman nach Madaba
– Übernachtung in Madaba
– Fahrt nach Petra
– Zwei Übernachtungen in Petra
– Fahrt über Wadi Rum ans Rote Meer nach Aqaba
– Zwei Übernachtungen in Aqaba
– Fahrt zum Toten Meer
– Zwei Übernachtungen am Toten Meer
– Transfer nach Amman und Rückflug
Am 5.2.11 gegen Abend flogen wir mit Lufthansa über Frankfurt nach Amman, wo wir um ca. Mitternacht ankamen. Am Flughafen erwartete uns bereits Jihad, und brachte uns in etwa 20 Min. nach Madaba ins Hotel Mariam. Nach dem für uns etwas ungewöhnlichen Frühstücksbuffet mit Fladenbrot und dem allgegenwärtigen Hummus, buchten wir gleich im Hotel einen Ausflug nach Amman. Die Übernahme unseres Mietautos erfolgte erst am Abend und zudem hatten wir keine grosse Lust, uns mit dem eigenen Auto in das Getümmel der Millionenstadt zu stürzen. Wieder mit Jihad am Steuer genossen wir so einen gemütlichen Tag mit der Besichtigung der Zitadelle und des Roman Theater in Amman.
Wieder zurück in Amman spazierten wir noch in das rund 10 Minuten entfernte Stadtzentrum und schauten uns da die berühmte Mosaik-Landkarte an. Später gab es Nachtessen im Hotel, wo wir dann auch unseren Mietwagen, einen leicht ramponierten Hyundai, übernahmen.
Am nächsten Morgen packten wir unsere Sachen in den Wagen und fuhren über Mount Nebo Richtung Totes Meer. Unser Ziel: Bethanien – der Ort an dem Jesus von Johannes dem Täufer am Jordan getauft wurde. (Fast) ohne Verirrungen erreichten wir nach knapp einer Stunde unser Ziel.
Der Verkehr in Jordanien rollt zwar relativ gemütlich (ausser in Amman) und die Jordanier verhalten sich auch ziemlich geduldig. Von daher ist es recht angenehm in Jordanien rumzukurven. Allerdings ist es nicht immer ganz einfach auch den richtigen Weg, bzw. die richtige Strasse zu finden. Mit der Beschilderung und der jordanischen Logik, was die Verkehrsführung anbelangt hatten wir doch ein paarmal ein wenig Probleme. Mit ein paar Umwegen und den sehr hilfsbereiten Einheimischen, fanden wir jedoch immer ans richtige Ziel.
Bethanien ist ein von der Regierung geführtes Touristikprojekt und dementsprechend organisiert. Beim Tickethäuschen erhält man gleich einen elektronischen Guide und wird dann als Gruppe in einem Bus zur Taufstätte gekarrt. Zusätzlich zum elektronischen Guide begleitete uns auch ein mehr oder weniger motivierter “echter” Guide. Er führte unsere Gruppe dann auf gut ausgebauten Wegen durch den sogenannten Jordan-Jungle zur Taufstätte und schliesslich zum inzwischen sehr kümmerlichen Jordan. Entgegen unseren Erwartungen ist der stolze Grenzfluss zwischen Jordanien und Israel nur noch ein kleines Flüsschen von vielleicht 3-5 m Breite. Auf der anderen Flussseite passten israelische Soldaten auf, dass auch ja niemand rüberschwimmen würde.
Nach Beendigung der etwa 2-stündigen Tour setzten wir unsere Reise fort in Richtung Jarash, das gleichzeitig auch unser Tagesziel war. Die Strecke führte uns durch das ziemlich stark besiedelte und befahrene Jordan-Tal. Auf beiden Seiten der Strasse sah man sehr weitläufige Treibhaus-Anlagen, in denen verschiedenste Gemüsesorten angepflanzt wurden. Wir merkten auch bald, warum es hier so fruchtbar war. Nach einer Weile gerieten wir in ein kräftiges Unwetter, das die Strassen teilweise in kleine Bäche verwandelte.
Als wir in Jarash eintrafen, schüttete es immer noch wie aus Kübeln. Das Hotel, das wir für eine Nacht gebucht hatten, befand sich zwar gleich neben den Ruinen des historischen Jarash. Aber sonst machte es einen enttäuschenden Eindruck, so dass wir uns gleich vor Ort bei einem anderen, etwas ausserhalb gelegenen Hotel anmeldeten. Der zuständige Mann in dem von uns verschmähten Hotel war sehr verständnisvoll und wollte nur, dass wir uns auch wohl fühlten – er leihte uns sogar sein Handy, damit wir uns bei einer anderen Unterkunft anmelden konnten.
Das andere Hotel befand sich ca. 10 Minuten weg von Jerash auf einem Hügel. Die Aussicht war dementsprechend auch sehr schön und beeindruckend. Da es nicht Haupsaison war und die Ereignisse in Ägypten sich auch nicht gerade positiv auf die Touristenzahlen auswirkten, waren wir die einzigen Gäste im doch ziemlich grossen Hotel. So ungestört zu sein war zwar ganz angenehm – auf der anderen Seite hatte es zuwenig Gäste, damit die Heizung eingeschaltet wurde. So spürten wir sehr direkt, dass die Temperaturen im jordanischen Winter recht kühl sein können.
Das Hotelteam setzte sich zusammen aus ca. 5-6 Männern, die in erster Linie damit beschäftigt waren das Hotel für die kommende Hauptsaison herzurichten. Daneben sorgten sie aber auch für unser leibliches Wohl und waren bemüht, dass wir durch Heizpilze, elektrische Öfchen oder Cheminée-Feuerchen nicht allzu stark frieren mussten.
Am nächsten Morgen fuhren wir nach einem eher dürftigen Frühstück im kühlen Speisesaal zurück nach Jarash, um dort die alte Römerstadt ausgiebig zu besichtigen.
Wir hatten ein Riesenglück mit dem Wetter. Am Vortag schüttete es noch wie aus Kübeln – und heute hatte es zwar noch ein paar Wolken, aber zumindest regnete es nicht mehr und zwischendurch zeigte sich sogar die Sonne. So konnten wir den Tag in den Ruinen von Jarash voll geniessen und erkundeten die verschiedenen Tempel, Amphitheater, Triumphbögen etc. etc. ausgiebig. Wiederum ausgerüstet mit Kamera und dem informativen “Digital Guide” um den Hals. Jarash ist neben Petra die zweitgrösste historische Touristenattraktion. Das können wir eigentlich nur bestätigen. Sicher eines der Highlights unserer Jordanienreise.
So um die Mittagszeit herum stärkten wir uns noch in einem Restaurant gleich ausserhalb der Anlage. Es machte zwar einen etwas sehr touristischen Eindruck auf uns und in der Hochsaison ist das sicher eine beliebte Wahl für all die grossen Reisegruppen. Jetzt, in der Vorsaison war es jedoch sehr angenehm: Ziemlich günstig, ein reichhaltiges Buffet und nur ganz wenige Gäste.
Danach fuhren wir wieder los vorbei an Amman nach Madaba. Da fast die ganze Strecke aus Autobahn bestand und wir sogar die richtige Transferstrasse um Amman herum erwischten, kamen wir bereits am späteren Nachmittag wieder in Madaba an, wo wir erneut im Hotel Mariam abstiegen..
Nach einer weiteren Nacht in Madaba – diesesmal mit kuschlig geheizten Zimmer – machten wir uns am nächsten Tag auf Richtung Süden. Der Tagesaplan:
– Fahrt nach Petra, bereits reserviertes Hotel suchen, einchecken und dann Nachtessen gehen
hat eigentlich auch alles gut geklappt, so dass wir zu einer anständigen Zeit in dem Städtchen bei Petra ankamen und auch unser Hotel sofort fanden. Allerdings waren wir sehr ausgehungert, da wir unterwegs nichts passendes gefunden hatten für einen Zmittaghalt. Sowas wie Raststätten oder “Roadside” Restaurants hat es nicht allzu viele – oder zumindest waren sie für uns nicht als solche erkennbar. Beim Einchecken, reservierten wir auch gleich zwei Plätze für den Event “Petra by Night” – das ist ein Event, der 1-2 wöchentlich stattfindet und bei dem man am Abend durch die mit Kerzen gesäumte Felsenstrasse zum (u.a. durch Indiana Jones) berühmten Grabmahl spaziert. Dort angekommen gibt es dann ein Täschen Tee und ein paar Einheimische spielen auf ihren traditionellen Instrumenten alte Weisen.. – ein netter Anlass, bei dem man einen etwas mystischeren Eindruck von Petra erhält, als während des Tages.
Während des ganzen nächsten Tages erkundeten wir ‘Petra’ und seine Tempel und Grabstätten sehr ausführlich. Gemäss Reiseführer könnte, bzw. sollte man dafür 2-3 Tage einrechnen. Von der Grösse der ehemaligen Felsenstadt ist das sicher gerechtfertigt und es gäbe auch genügend zu entdecken. Allerdings bekommt man aber auch in einem Tag einen sehr guten Eindruck von diesem Weltwunder – vorausgesetzt man scheut sich nicht davor doch einige Kilometer durch die steinige und oft auch recht steile Landschaft zu wandern. Die Anstrengungen lohnen sich aber definitiv. Die Felsenbauten und die ganze Gegend sind wirklich eindrücklich und in dieser Art weltweit wohl ziemlich einmalig
‘Al-Siq’ ..der lange Canyon, der in die Felsenstadt führt.
‘The Treasury’ – das v.a. aus ‘Indiana Jones’ bekannte Grabmal
Eine sehr nette Steinverkäuferin
Al-Deir (The Monastery) – zu erreichen durch anstrengenden Aufstieg
‘The Royal Tombs’
Für Interessierte gibt es auf dieser Seite noch ausführliche Informationen zu den einzelnen Sehenswürdigkeiten in Petra..
Am nächsten Morgen fuhren wir weiter zum Wadi Rum, das ca. 2 Autostunden weiter südlich Richtung Aqaba liegt. Das Wadi Rum ist eine sehr spezielle Berg-/Wüstenlandschaft. Auch das Wadi Rum erlangte eine gewisse Berühmtheit durch einen Hollywood-Streifen. Und zwar wurden grosse Teile von ‘Laurence of Arabia’ mit Peter O’Toole dort gedreht.
Wir hatten uns nicht besonders intensiv damit beschäftigt, wie man das Wadi Rum eigentlich am besten besichtigt. Allerdings löste sich das Problem relativ schnell, als wir am Visitor Center eintrafen. Kaum parkiert, boten auch schon verschiedene Guides an, uns dieses Reiseziel ausgiebig zu zeigen.
Wir entschieden uns nach kurzer Beratung für einen authentisch gekleideten jungen ‘Wüstensohn’. In seinem uralten Jeep fuhr er uns dann in teilweise halsbrecherischer Fahrweise (hat er natürlich extra gemacht, um uns ein wenig Schrecken einzujagen..) zu den bekanntesten und schönsten Orten in dieser einmaligen Wüstenlandschaft. Wir waren jedenfalls zufrieden mit unserem Guide. Denn er war nicht nur sehr nett, sondern er war auch sehr geschickt, als es darum ging unterwegs schnell einen platten Reifen auszuwechseln oder bei unserem Auto (bei dem wir das Licht nicht ausgeschaltet hatten), die Batterie zu überbrücken (wohlverstanden ohne Kabel und nur mit zwei Schraubenschlüsseln.)
Noch am gleichen Tag ging es weiter nach Aqaba. Die Stadt mit etwas über 80’000 Einwohnern liegt am Golf von Aqaba, einem Seitenarm des Roten Meeres. Relativ gut und schnell fanden wir unser Ziel, das Mövenpick 5-Sterne Resort. Da wir in der Nebensaison in Jordanien waren, ergriffen wir die Gelegenheit, am Roten Meer und auch am Toten Meer in Mövenpick 5-Sterne Hotels zu residieren. Sehr schöne Anlagen und ausgiebiges Frühstücksbuffet zu einem ausgesprochen günstigen Preis.
So genossen wir ein paar Tage faulenzen und bädelen im Roten Meer, bevor es wieder zurückging Richtung Norden zu unserem letzten Ziel, dem Toten Meer. Die Strasse der israelischen Grenze ist ziemlich verlassen, so dass wir gut vorankamen und schon nach wenigen Stunden am Ufer des Toten Meers standen.
Eigentlich sieht es wie ein riesiger See aus, auf dem es aber keine Schiffe hat und in dem keinerlei Fische oder andere Lebewesen existieren. Ist schon ein etwas spezielles Gefühl, wenn man daran denkt, dass dieses friedliche Gewässer eigentlich eine tödliche Salzbrühe ist..
Die letzten paar Tage genossen wir im Mövenpick Dead Sea Resort. Natürlich mussten wir auch ausprobieren, ob man im Toten Meer wirklich Zeitung lesen kann während dem Baden. Das wäre also wirklich möglich, denn der Auftrieb ist sehr aussergewöhnlich. Man treibt wie ein Korken an der Oberfläche, so dass es gar nicht so gut möglich ist, richtig zu schwimmen. Von daher ist es wohl am besten im Wasser einfach Zeitung zu lesen. Allerdings sollte man das auch nicht allzu lange machen, da der hohe Salzgehalt sonst langsam unanangenehm wird..
Am Schluss der Reise brachte uns ein Taxi vom Toten Meer zum Flughafen in Amman, von wo es wieder zurück nach Zürich ging.
Die Reise durch Jordanien hat uns sehr gut gefallen. Vor allem auch, weil wir recht unproblematisch das Land auf eigene Faust erkunden konnten. Die Leute sind sehr freundlich und hilfsbereit – auch wenn die Verständigung manchmal nicht ganz so einfach war. In der Nebensaison war es einerseits teilweise etwas kalt und ungemütlich, andererseits konnten wir dafür auch 5-Sterne-Komfort zu einem erschwinglichen Preis geniessen..
Alles in allem, sehr zu empfehlen und ‘two thumbs up’..