Wellen, Wind und Wein

XXL-Wellen in Nazaré, eindrückliche Küstenlandschaften in der Algarve und Insel-Feeling kombiniert mit Levada-Wandern auf Madeira. Das waren ganz grob die geplanten Etappen unserer Best-of-Portugal-Reise diesen Februar. Für die Reiseplanung hiess dies:

  • Zürich-Lissabon (Flug)
  • Lissabon-Nazaré-Lagos-Lissabon (Mietauto)
  • Lissabon-Funchal (Flug)
  • Verschiedene Stationen Madeira (Mietauto)
  • Funchal-Lissabon-Zürich (Flug)

 

Als wir so gegen 18:00 bei leichtem Nieselregen im Küstenörtchen Nazaré eintrafen und in den kleinen einspurigen Strandboulevard einbogen, standen zahlreiche Leute herum und schauten intensiv und diskutierend aufs Meer hinaus. Wir fragten uns, ob möglicherweise irgendein Anlass in Gang sein könnte bis wir merkten, dass der Grund für die Aufregung tatsächlich das aufgewühlte Meer und die hohen Wellen waren. Cool! Deswegen waren wir ja genau hierher gekommen. Eigentlich war das Nazaré-Wellenprojekt ein bisschen Lotterie, da die wirklich grossen Wellen von über 30 Metern, die wir gerne mal live bestaunen wollten, vor allem im Herbst und auch dann nur unter bestimmten Voraussetzungen entstehen. Offenbar hatten wir Glück gehabt und das stürmische Winterwetter liess die Wellenkämme während unseres zweitägigen Aufenthalts doch immerhin auf etwa 10-15 Meter anschwellen. Da waren wir natürlich zusätzlich froh, dass wir uns ein Zimmer mit ausgezeichnetem Meerblick ausgesucht hatten. Nach dem Einchecken und der Unterbringung des Autos in der etwas entfernten (externen) Tiefgarage war es an diesem Abend leider schon zu spät bzw. zu dunkel, um das Wellenschauspiel noch ausgiebig verfolgen zu können.  Das unüberhörbare Tosen der Brecher war jedoch vielversprechend für eine ausgiebige Erkundungstour am nächsten Tag.

An der Küste von Nazaré

Tatsächlich rollten die Wellen am Morgen weiterhin – zwar leicht vermindert – an. Um die wirklich grossen Wasserberge bestaunen zu können, muss man allerdings auf den etwas höher gelegenen Teil von Nazaré steigen oder sich von einer kleinen Standseilbahn hochfahren lassen und dann dort noch ein paar hunder Meter bis zum Leuchtturm, dem Farol de Nazaré laufen. Der Farol sieht ein wenig aus wie eine kleine Festung und befindet sich auf einer ins Meer hinausragenden Klippe. Er dient zugleich als eine Art Mini-Museum rund um die Monsterwellen von Nazaré und die dort jährlich stattfindenden XXL-Surfevents. An diesem Ort stellte Garrett McNamara 2011 mit einem Ritt auf einer 23.8 Meter-Welle den Weltrekord im Wellenreiten auf.  Dort zu stehen und diesem Naturschauspiel zuzusehen ist schon recht eindrücklich – auch bei Wellen, die nur  gerade etwa halb so gross sind.

Der untere Stadtteil von Nazaré
Farol de Nazaré
Auf dem Dach des Farol de Nazaré
Kunstprojekt …
Im Surf-Museum
Das Tor zu den XXL-Wellen

Zufrieden mit dem Besuch in der Hauptstadt der grossen Wellen – und dem Wunsch, mal bei einem richtigen XXL-Surfevent dabeizusein – traten wir am nächsten Tag die rund vierstündige Autofahrt nach Lagos in der Algarve an. Wir waren überrascht von der Qualität des Autobahnnetzes in Portugal. Tiptop ausgebaute Schnellstrassen mit einem sehr modernen Mautsystem. Mit dem entsprechenden Empfangsgerät im Auto läuft alles vollelektronisch und man kann sich die Bezahlung an den Kassenhäuschen an den Zahlstellen jeweils sparen. Abgerechnet wird dann am Schluss – sehr praktisch. So kamen wir flott voran und nachdem wir Lissabon mit der modernen Hängebrücke „Ponte Vasco da Gama“ hinter uns gelassen hatten, wurde die Kulisse um einiges ländlicher und immer wieder waren ganze Wälder von abgeschälten Korkeichen zu sehen, aus deren Rinde nicht nur Korkzapfen, sondern alle möglichen Sachen, von Schuhen über Taschen bis hin zu Hüten hergestellt und in den Souvenirshops angeboten werden. Auf dieser Strecke merkten wir auch, dass Portugal, und im Speziellen die Algarve, in den Wintermonaten nicht nur ein angenehmes Reiseziel für wärmesuchende Touristen, sondern auch für Störche und viele andere Zugvögel ist. Immer wieder waren auf Kaminen und Strommasten entlang der Autobahn grosse Storchennester zu  sehen  und auf den Feldern staksten die Störche zahlreich zwischen Schafen und Kühen umher.

Vögel mit Migrationshintergrund

Unser Hotel in Lagos lag etwas ausserhalb, rund einen Kilometer vom Stadtzentrum entfernt, dafür mit fantastischer Aussicht und nur rund zwei Gehminuten von der felsigen Küste entfernt. Das Cascade Wellness & Lifestyle Resort war für uns perfekt als Ausgangsort für Ausflüge in der Algarve und natürlich auch für komfortables Auspannen vom Feinsten – dank Vorsaison auch noch zu sehr erschwinglichen Preisen. Im Internet hatten wir vorgängig einen sehr informativen Wanderführer für verschiedenste Hiking-Touren in der Algarve gefunden. Damit konnten wir ein paar kleinere Wanderungen planen, die gut von Lagos aus erreichbar waren. Die erste Route startete bei der etwa 30 Autominuten entfernten Bahnstation „Mexilhoeira Grande“. Der Zusatz „Grande“ ist in diesem Fall vielleicht ein wenig irreführend, da dass pittoreske Bahnhofshäuschens nicht wirklich in die Kategorie Hauptbahnhof fällt, sondern dies einfach der Name der Haltestelle bzw. des dazugehörigen Ortes ist. Die ca. zweistündige Wanderung führt zuerst durch Wiesen und Felder mit einzelnen  Mandelbäumen, die zu dieser Jahreszeit gerade sehr schön in Blüte sind. Nach etwa der Hälfte der Strecke gelangt man an die Küste zu einer Art Sumpfgebiet mit verschiedenen kleineren und grösseren Tümpeln, in denen verschiedene Zugvögelarten, darunter auch Flamingos anzutreffen sind. Wunderbar! Zudem hatten wir einen herrlichen Tag erwischt mit blauem Himmel und idealen Temperaturen. Im Sommer wäre uns das wohl zu heiss und auch zu bevölkert. Das zweite Highlight unseres Aufenthalts in der Algarve war der Besuch der „Grutas de Benagil“ – der Felsenhöhlen von Benagil. Der Praia de Benagil ist in rund 40 Minuten von Lagos aus zu erreichen und ist wahrscheinlich der beste Ausgangsort für Bootstouren zu den Grutas. Die Tour kostet 20 Euro und beinhaltet die Besichtigung von 20 kleineren und grösseren Felsenhöhlen, die ausschliesslich vom Wasser aus zugänglich sind.  Obwohl wir sonst eigentlich nicht grosse Fans solcher Ausflugstouren sind, ist das durchaus zu empfehlen. Danach spazierten wir der Küste entlang weiter bis zum offiziell schönsten Strand Portugals, der „Praia da Marinha“.

Mexilhoeira Grande
Blumenwiese am Wegesrand
…. und immer wieder Mandelblüten
Ein Paradies für Zugvögel
Algar – die berühmteste der Grotten
Höhlenbesichtigung by boat
Praia da Marinha
Typisch Algarve

 

Etwa ähnlich weit weg von Lagos liegt das „Cabo de São Vicente“, das zusammen mit der benachbarten „Ponta de Sagres“ die Südwestspitze des europäischen Festlands bildet. Zudem soll dort der lichtstärkste Leuchtturm Europas stehen … was man nicht so alles lernt hier in Portugal. Normalerweise geht es an dieser äussersten Ecke Portugals eher rauh und stürmisch zu. Bei unserem Besuch freuten wir uns jedoch über wolkenlosen Himmel, laue Temperaturen und ein angenehmes Säuseln – perfekt! Auf der Rückfahrt besuchten wir auch gleich noch das nahegelegene „Fortaleza de Sagres“. Eine weitläufige, auf einer Landzunge gelegene Verteidigungsanlage aus dem 15. Jahrhundert. Sehr schön für einen ausgedehnten Spaziergang mit tollem Ausblick aufs Meer.

Wellen gibts auch in der Algarve
Blick vom Fortaleza de Sagres

Mit weiteren kleineren Ausflügen und Küstenwanderungen gingen die fünf Tage in der Algarve sehr schnell vorbei. Wir haben v.a. auch dank sehr schönem Wetter und nur geringem Touristenandrang die Zeit hier sehr genossen. Trotzdem freuten wir uns nun gespannt auf unser letztes Etappenziel, Madeira. Im Vorfeld der Reise wurden wir bei der Erwähnung von Madeira manchmal ein wenig mit dem hohen Durchschnittsalter der dortigen Touri-Gemeinde geneckt. Dem wollten wir natürlich auf den Grund gehen. Zuerst aber mussten wir ja den vermeintlich sehr problematischen Landeanflug des Flughafens in Funchal schadlos überstehen – hat aber alles reibungslos geklappt. Leider wurden wir aber von einem leichten Regen und eher kühleren Temperaturen als erwartet empfangen. Da Madeira etwa auf der Höhe von Marokko liegt und im Jahresdurchschnitt auf etwa 16 Grad kommen soll, hatten wir eigentlich mit einem recht  milden Klima gerechnet. Allgemein erwies sich das Wetter während unseres fünftägigen Aufenthaltes als sehr launisch und wechselte fast innert Minuten von Sonnenschein zu sinnflutartigem Regen, der in den ganz hohen Lagen sogar als Schnee oder Graupel runterkam. Aufgrund dieses nicht gerade optimalen Wanderwetters verzichteten wir auf ausgedehntere Levada-Wanderungen und konzentrierten uns mehr auf die Erkundung der Insel mit unserem Mietwägelchen. „Levadas“ sind übrigens künstliche Bewässerungskanäle, entlang denen ein weitverzweigtes Netz von Wanderwegen entstanden ist – sehr beliebt bei (v.a. deutschen und schweizerischen) Madeira-Besuchern. Als Basisstation auf Madeira hatten wir uns das Aqua Natura Madeira Hotel in Porto Moniz in der nordwestlichen Ecke der Insel ausgesucht. Klein, fein und direkt am Meer mit atemberaubender Aussicht auf die herandonnernden Wellen und die berühmten Naturschwimmbecken, die einerseits wegen den hohen Wellen und andererseits den recht kühlen Wassertemperaturen für uns leider Off Limits waren.

Die Naturschwimmbecken vor dem Hotel
Blick aus dem Zimmer
Dorfbesichtigung
Spezielle Blickwinkel und …
… malerische Sujets
Schnee auf der Passhöhe

Da wir den doch eher abgelegenen Ort im Norden ursprünglich als Ausgangsort für die geplanten Wanderungen ausgewählt hatten, die nun jedoch mehr oder weniger ins Wasser gefallen waren, entschieden wir uns, für die letzten zwei Tage auf Madeira die Unterkunft zu wechseln und in die Inselhauptstadt zu dislozieren. Klappte alles bestens und so schlossen wir unsere Best-of-Portugal-Reise mit zwei gemütlichen City-Trip-Tagen in Funchal ab. Übrigens die einzige Stadt, in der man sich vom örtlichen Aussichtsberg mit einem von zwei Männern gestossenen und gezogenen Holzschlitten runterbringen kann. Hier in Funchal fiel uns nun zum ersten mal auf, dass sich in der Touristenschar tatsächlich auffallend viele ältere Semester tummelten (ein erheblicher Anteil davon wohl auch von den riesigen deutschen Kreuzfahrtschiffen, die im Hafen vor Anker lagen). Wenn auch der Rest der Insel mit seinen teilweise haarsträubend engen Strassen, beängstigend steil abfallenden Klippen und einem manchmal mehr als launischen Wetter nicht unbedingt was für Weichbecher ist, scheint Funchal für viele ältere Menschen der ideale Ort zu sein, um dort die Ferien, den Winter oder gar den Lebensabend zu verbringen.

Mit dem Funiculare auf den Aussichtsberg
Funchal von oben
die Holzschlitten-Taxi
Blumeninsel …

Unser Trip durch Portugal hat uns sehr gut gefallen. Das abwechslungsreiche Programm und die verschiedenen Gegenden waren spannend und liessen uns zahlreiche neue Eindrücke gewinnen. Nicht ganz unbeteiligt an unserem positiven Eindruck war der bei uns eigentlich nicht so bekannte portugiesische Wein, den es in weisser, roter und grüner Ausführung gibt. Wobei der meist ein wenig Prosecco-ähnlich sprudelnde „Vinho Verde“ natürlich nicht wirklich grün ist, sondern aufgrund der Herkunftsregion und Herstellungsmethode so heisst. Da die Weinpreise sehr erschwinglich waren, gehörte ein feines Fläschchen oder eine Karaffe „Vinho da Casa“ zum festen Bestandteil eines guten Znacht.
Den eher ungemütlichen Februar einmal ganz im Westen Europas zu verbringen, war sicherlich keine schlechte Entscheidung und obwohl die Temperaturen, gerade bei stürmischem Wetter, manchmal etwas grenzwertig waren, überwiegten für uns doch die Vorteile eines Besuchs ausserhalb der Hauptsaison.

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