El Paraiso Verde

Corcovado Jungle Ecolodge, 9. bis 12. September 2007

Um 11.30 wurden wir gleich vor dem Hotel mit einem Passagierboot abgeholt. Der Transport hat uns sehr an ein Postauto erinnert, das in irgendeine entlegene Ecke des Landes fährt. Jeder kennt jeden, der Kapitän hält mit vielen ein Schwätzchen während der Fahrt und die Atmosphäre ist lustig und entspannt. Wir fuhren von Sierpe auf dem Fluss Richtung Meer. Kurz vor dem Meer mussten wir alle Schwimmwesten anziehen, weil das Boot über ein paar heftige Wellen hinaus aufs Meer fahren musste. Es ging aber ganz gut und bald schipperten wir den Stränden von Bahia Drake entlang. Die Strände sehen richtig tropisch aus, gehören alle bereits zum Nationalpark und sind deshalb praktisch unberührt.
Wir wurden in Agujitas mit einer Nasslandung abgesetzt, das heisst, wir mussten im Wasser aussteigen und an Land waten. Agujitas ist sowas wie ein Dörfchen. Die verschiedenen Lodges sind in dieser Gegend, der sogenannten „Bahia Drake“ und weiter Richtung Westen der Küste entlang angesiedelt. Der Name kommt offenbar von Sir Francis Drake, der im 16. Jahrhundert hier gelandet ist.
Wir hatten eine Lodge ausgesucht, die nicht am Beach, sondern im Inland in unmittelbarer Nähe des Corcovado Nationalparks liegt. Am Strand in Agujitas wartete bereits ein 2.5Liter Diesel Suzukijeep auf uns. Unsere Rucksäcke wurden eingeladen, wir nahmen hinten Platz und auf der hinteren Stossstange stehend, klammerte sich noch einer am Jeep fest und fuhr mit uns ein Stückchen mit.
Für die Fahrt zur Lodge war ein Jeep definitiv die richtige Fahrzeugwahl. Die Strasse war extrem holprig und glitschig und wir wurden gehörig durcheinandergeschüttelt. Plötzlich lag vor uns ein Fluss, der nach unserer (zugegebenermassen laienhaften) Meinung viel zu viel Wasser führte, um durchfahren zu können. Doch es sah nicht so aus, als ob es eine Alternativroute gäbe. Fahrer und Beifahrer diskutierten kurz, wo die beste Stelle für die Überquerung war und schon fuhren wir in den Fluss hinein. Wir hätten gerne noch gefragt, ob wir vielleicht aussteigen und rüberschwimmen könnten, das erschien uns sicherer als hier auf den hinteren Sitzen in einem zweitürigen Jeep zu sitzen, der bald abgesoffen sein würde. ;-o
Das Wasser kam beinahe bis zu den Fenstern hoch und unter unseren Füssen hob sich durch den Wasserdruck der Autoboden und schliesslich floss auch Wasser ins Auto. Damit beschäftigt, unsere Rucksäcke zu retten, bekamen wir den Rest der Flussfahrt nicht mehr richtig mit und fuhren bereits wieder auf’s Festland.
Wir haben zwar auch einen 4WD gemietet und schon ein paar Flussüberquerungen hinter uns gebracht und waren ganz schön stolz darauf, aber gegen diese Überquerung hier war das alles ein „Nüüteli“. Hier wären wir nie im Leben alleine rübergefahren.
Fahrer und Beifahrer meinten einfach, der Fluss sei halt jetzt in der Regenzeit etwas hoch!!!!!!, machten die Türen auf und fuhren kurz ein paarmal vor und zurück, damit das Wasser im Auto wieder rausschwappte..

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Nach noch ziemlich rumpliger Weiterfahrt, aber ohne weitere Flussdurchquerung kamen wir in der Lodge an und sogleich gab es Mittagessen.
Nach dem Mittagessen zeigte uns CarlosII (der Besitzer, wie auch ein Angestellter der Lodge, heissen beide „Carlos“), welche Ausflüge wir von hier aus machen könnten. Jedoch zeigte er uns nur die üblichen Gruppenausflüge, bei denen wir zum Strand zurück hätten fahren müssen, um mit dem Boot entweder nach San Pedrillo oder Sirena im Nationalpark Corcovado zu gelangen. Das wollten wir aber gerade eben nicht, weil diese Lodge ganz in der Nähe des Nationalparks liegt und wir von hier aus direkt hineinlaufen wollten. Auf diese Weise war zwar die Chance, gewisse Tiere, wie etwa den Tapir zu sehen, nicht so gross wie in Sirena, das eher das touristische Zentrum darstellt, dafür wären wir aber alleine unterwegs und konnten so auch selber bestimmen, wann wir loslaufen wollten. Die Touren sind meistens erst lange nach Sonnenaufgang im Park, wenn die Tiere schon wieder verschwunden sind. Wir wollten deshalb lieber früher los..
Hier spürten wir die Sprachbarriere sehr stark. CarlosII wäre uns gerne behilflich gewesen, aber sein Verständnis von Nationalparkbesuchen beschränkte sich auf die üblichen Angebote. Er holte aber Hilfe, nämlich CarlosI, den Besitzer der Lodge, der mit einer Kanadierin verheiratet ist und dementsprechend ganz gut englisch sprach. Er machte uns einen Vorschlag, welche Wanderroute wir wählen könnten. Er würde uns als Guide begleiten. Damit sehr einverstanden machten wir noch einen Preis aus und wir hatten unsere Tour für den nächsten Tag.
CarlosI war sehr gesprächig, meinte, wir sollten doch am Nachmittag noch die Strasse rauflaufen, da sähe man sehr viele Vögel, unter anderem Aras und Toucans. Er zeigte uns vom „Treehouse“ aus  (ein Zimmer, das auf einer Art Aussichtsplattform auf ca. 15m liegt) einen Baum, auf dem gerade ein Ara gelandet war und wir sollten immer auf diese Mandelbäume schauen, das sei ihre bevorzugte Nahrung.
So liefen wir los, bewaffnet mit Kameras, Hut und Sonnenbrille. In dem kleinen Dörfchen weiter vorne war gerade ein Fussballspiel im Gange, es war ja Sonntag. Wie können die bloss rumrennen in dieser Hitze?? Beim Fötelen machte R Bekanntschaft mit Ameisen, die auf ihren Zeh bieselten. Das brannte wie verrückt.
Und plötzlich hörten wir ein Krächzen in einem Baum ganz in der Nähe. Erst sah man gar nichts, wir schauten und schauten und dann tauchte plötzlich ein Papageienkopf aus den Blättern auf, der seelenruhig Mandeln futterte, auf uns herunterschaute und leise und ganz zufrieden vor sich hinkrächzte. Es hörte sich an wie: mmh, das ist aber eine gute Nuss, die genehmige ich mir:-). Weiter hinten turnte die oder der Angetraute zwischen den Ästen herum. Sooo cool. Später hörten und sahen wir andere Papageien, die meistens als Pärchen rumfliegen. Wenn sie anzufliegen kommen, machen sie einen ziemlichen und unüberhörbaren Krach mit ihrem Gekrächze.
Wir kehrten um und wollten nun noch auf die andere Seite spazieren, da kam uns ein hombre aus der Lodge entgegen. Er fragte uns, ob er uns ein wenig den Dschungel zeigen sollte. Nein, eigentlich nicht, es war total friedlich, hier rumzuspazieren, aber, gutmütig wie wir sind, konnten wir fast nicht nein sagen. So liefen wir halt mit, und sahen Spider Monkeys, aber die finden wir inzwischen auch alleine. Eine Stunde später kamen wir zurück. Als er uns fragte, ob wir ihm etwas Trinkgeld geben könnten, ging uns ein bisschen der Laden runter. Schliesslich hatte er sich uns ziemlich aufgedrängt und wir hatten dann halt ja gesagt, aber nun noch Geld dafür wollen?
Aber wir mussten uns auch wieder sagen, das ist eben Costa Rica und es gibt verschiedene Arten von Geldverdienen. Drum nehmen wir uns auch an der Nase und müssen das nächste Mal wieder strikter sein und nein sagen, wenn wir etwas nicht wollen.
Danach liefen wir wieder alleine noch ein Stück die Strasse hinauf, sahen viele verschiedene bunte Vögel, Schmetterlinge und entdeckten noch Weissgesichtsaffen. Diese hier waren im Gegensatz zu den Affen in Manuel Antonio NP sehr viel scheuer.
Um 18.30 gab’s Abendessen in der Lodge, sehr fein mit Yucas und Fisch. In einer Ecolodge gibt es anschliessend nichts mehr zu tun ausser Schlafengehen. Das war auch ganz okay für uns, schliesslich wollten wir am nächsten Morgen um 7 Uhr los.

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Die Nacht war ungewohnt mit vielen, nicht identifizerbaren Geräuschen. Wir haben aber trotzdem gut geschlafen in unserem „Hüttli“. Ein solches Urwald-Hüttli nennt sich „Rancho“, ist sehr rustikal, wie es sich gehört im Dschungel, hat aber sogar eine Dusche und WC. Das ist sehr praktisch für die Nacht, man muss nicht jedesmal hinaus in die stockdunkle Nacht, um auf’s Klo zu gehen..
Um 6.30 gab’s reichlich Frühstück mit Wassermelone und Ananas und „Gallo Pinto“, ein tico-typisches Frühstück mit Reis und Bohnen, Eier und Toastbrot. Für unterwegs bekamen wir ein Lunchpaket.
Gerüstet mit Rucksack, Regensachen, Wasser, Wanderschuhen und Kamera fuhren wir um 7 Uhr mit CarlosI im Jeep ca. eine halbe Stunde zur Rangerstation des Corcovado NP’s. Die Fahrt war sehr rutschig, etwa so wie mit frischem Schnee auf der Strasse. Wir parkierten in der Nähe der Ranger Station und liefen kreuz und quer durch den Dschungel, sahen schon bald eine Spider Monkey Mutter mit Kind, die sich während der Zeit mit dem Baby von der Gruppe trennt, damit die Gruppe das Kind nicht auffrisst.
Inmitten des Dschungels sahen wir ein Hüttchen auf Stelzen. CarlosI erklärte uns, dass hier ein Spanier für drei Monate gelebt habe, um von seiner Drogensucht loszukommen. Er habe während der ganzen Zeit von Honig, Brot und Wasser gelebt und sei nach drei Monaten sehr mager, dafür aber suchtbefreit wieder aufgetaucht. In der Nähe des Hüttchens hatte ein Freund von CarlosI ein Haus gebaut. Er war Mitglied einer sehr bekannten Musikgruppe und hatte sich vor 14 Jahren entschieden, dieses Leben gegen ein neues im Dschungel zu tauschen. Tönt ziemlich bizarr, doch er scheint dies zu geniessen. Leider war er nicht zuhause. Da der NP nur wenige Angestellte hat und diese sich kaum um den ganzen NP kümmern können, schaut der „Aussteiger“ rund um sein Haus selber zum rechten. Leider gibt es in Corcovado immer noch Wilderer. Die klauen kleine Tukane aus den Nestern und verkaufen sie für viel Geld. Oder schiessen Pecariis, die Hauptnahrungsquelle für Jaguare. Wenn die Jaguare hungern, kommen sie zu den Häusern und jagen die Hunde und wohl auch anderes, was wiederum die Bewohner sauer macht und diese die Jaguare abschiessen wollen. Und auch die Tapire werden gejagt und für viel Geld verkauft. Dabei sind dies alles hochgefährdete Tierarten.
Gegen Mittag kamen wir zu zwei grossen Hütten, die offenbar als Lodge für Biologiestudenten dienen. Die kommen hierher, um Pflanzen und Viecher zu studieren. Die Lodge machte allerdings einen ziemlich heruntergekommenen und verlassenen Eindruck und gemäss CarlosI ist sie im Moment das Nachtlager eines Pumas mit Jungem, der vorallem in einem der Zimmer seine Spuren hinterlassen hatte. Dort verzehrten wir unseren Lunch und löcherten CarlosI mit vielen Fragen. Obwohl erst Mittag, waren wir schon recht erschöpft von der „Wanderung“.
Was nach einfacher Wanderung tönt, ist ganz und gar nicht einfach. Die Regenzeit hinterlässt Spuren und der Dschungel arbeitet immer. Das heisst, dass die Trails häufig sehr glitschig sind, sich in Bäche verwandeln, umgestürzte Bäume im Weg liegen und man sich andere Wege suchen muss und man häufig auch mit den Armen und bis zum Kopf in Büschen drinhängt. In der Sommerzeit ist es offenbar ein bisschen einfacher. Die Ranger machen die Wege zurecht, es laufen mehr Guides mit Touristen rum, weshalb die Wege auch einigermassen passabel bleiben. Aber ab und zu regnet es auch in der Sommerzeit und auch dann arbeitet der Urwald. Das sieht man auch in der Lodge: Durch die Feuchtigkeit verzieht sich das Holz, Türen gehen nicht mehr richtig zu und die Gebäude sehen nach kurzer Zeit schon viel älter aus, als sie eigentlich sind.
Nach dem Lunch liefen wir in ca. einer Stunde zu einem kleinen Wasserfall. Mehrere Male mussten wir den Fluss durchqueren. Nachdem wir bei der ersten Flussdurchquerung noch die Schuhe ausgezogen hatten und barfuss durch’s Wasser gelaufen sind und T sich eine Prellung geholt hatte, behielten wir nun die Schuhe an. Sie waren nachher zwar total nass, aber wir kamen so viel schneller voran. Beim Wasserfall hatte es einen kleinen „Swimmingpool“. Das war herrlich! – für einen kurzen Moment konnten wir im erfrischenden Wasser all den Schweiss und Dreck loswerden.

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Als wir weiterlaufen wollten, entdeckte CarlosI eine Schlange und hielt sie mit seinem Stock fest, damit wir auch anständige Föteli machen konnten. Er erklärte uns, dass es eine „fer-de-lance“ sei, eine Schlange, deren Biss tödlich ist! Diese Schlange ist auch in unserem Guidebook erwähnt, als eine der zwei Schlangenarten, vor denen man sich in Costa Rica wirklich in acht nehmen muss.Wir begutachteten das Exemplar dann auch mit gebührender Vorsicht und entsprechendem Respekt. CarlosI hielt die Schlange weiterhin mit dem Stock fest, bis wir an ihr vorbei waren – offenbar können einen die Viecher anspringen. Aber kaum losgelassen, wollte sie nur noch so schnell wie möglich davon. Giftige Schlangen sind eigentlich nachtaktiv, aber es kann manchmal sein, dass man eine aufschreckt, wenn sie auf oder neben dem Trail schläft.
Nun mussten wir noch etwa eine halbe Stunde ein sehr steiles und glitschiges Stück hinaufkraxeln bevor der Trail zum Schluss hin wieder breiter und breiter wurde und zum Dschungel hinausführte,. und wir gemütlich den letzten Teil zurückspazieren konnten. Hier sahen wir nochmal wellensittichähnliche Vögel und Tukane. Unterwegs hatten wir auch Eichhörnchen, Flughörnchen, Adler, Geier und viele weitere interessante und sehr farbige Vögel gesehen.Wir sahen auch Spuren von Tapiren, bekamen aber keinen zu Gesicht.
Im Dschungel Viecher zu entdecken, ist ungleich schwieriger als etwa auf Safari. Man muss sich immer gut umschauen und viel rumlaufen. Fotos zu machen ist noch viel schwieriger, weil die Tiere meistens nur hinter Blättern und Ästen zu sehen oder auch einfach zu weit weg sind. Deshalb haben wir jeweils auch ein Fernglas dabei. Aber die Vögel sind so wunderbar farbig und die Tiere so interessant, dass auch alleine das Beobachten sich lohnt und ein Erlebnis ist. Die Wanderung war sehr anstrengend, sehr heiß und feucht und wir waren pflotschnass und ziemlich dreckig. Dennoch haben wir sie total genossen – es ist einfach sehr interessant, durch einen Urwald zu wandern, in dem einem ständig unbekannte Pflanzen und Tiere begegnen. Wir hatten auch unglaubliches Glück mit dem Wetter. Es nieselte zweimal ganz leicht. Ansonsten blieb es trocken. Das ist äusserst selten im Corcovadogebiet und zu dieser Jahreszeit. Zurück in der Lodge kam zuerst mal die langersehnte Dusche und nach einem feinen Dreigangmenu gingen wir schon bald schlafen.

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Der folgende Tag war unser Erholungstag. Vor dem Frühstück gingen wir in der Nähe der Lodge im Alleingang auf eine kurze Dschungeltour, um „Morphos“, die sehr grossen blauen Schmetterlingezu suchen. Leider fanden wir keine, obwohl es hiess, am Morgen sollte man sie am ehesten sehen können. Nach dem Frühstück  legten wir unsere Schuhe, Socken und Rucksäcke zum Trocknen in die Sonne, – allerdings unter Aufsicht, da man nie so genau wusste, wann wieder ein paar Tropfen runterkommen könnten.
Wir spazierten ein paarmal das Strässchen vor der Lodge rauf und runter, in der Hoffnung, nochmals Aras oder Toucans sehen zu können. Allerdings blieb es vogelmässig an diesem Tag ziemlich ruhig – abgesehen von den zwei Aras, die im Lodge-Garten vor unserer Nase ihr Nachtessen einnahmen! Dann stand noch Tagebuch schreiben und Föteli sortieren auf dem Programm.
Während den ganzen drei Tage waren wir die einzigen Gäste in der Lodge, in der es Platz für etwa 30 – 40 Gäste gehabt hätte – so hatten wir natürlich den totalen Frieden und die volle „VIP-Betreuung“. Allerdings fragten wir uns auch, wie das bei Vollbesetzung funktionieren würde, da es nur gerade für ca.  15 – 20 Personen ein Essgelegenheit hatte und die Küche, in der zwei Signoras aus der Gegend für uns kochten, ziemlich klein war.. Aber wir nehmen an, in der Hauptsaison sieht die ganze Organisationen ziemlich anders aus.

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