Zu Besuch beim Sultan

Kuala Kangsar, 9. bis 10. Dezember 2007

Nach dem Frühstück liefen wir zur Busstation und suchten dort den nächsten Bus nach „Kuala Kangsar“. Die Fahrt dauerte ca 1 1/2 Stunden mit vielen Stops. Per Zufall war es wieder der gleiche Bus wie vor zwei Tagen zu einem der Höhlentempel. Wir hatten den Eindruck, dass der Busbegleiter sich gefreut hat, ausländische „Stammgäste“ an Bord zu haben. Der Buschauffeur hatte uns wohl nicht mehr erkannt – wollte er uns doch wieder beim Höhlentempel absetzen. Der Kondukteur erklärte  ihm jedoch etwa dreimal, dass wir wirklich bis Kangsar wollten – schien eine eher ungewöhnliche Destination zu sein für Touris. Die Fahrt war sehr interessant. Laufend stiegen Leute ein und aus: Islami, Inder, Chinesen, und unterwegs sahen wir sogar auch ein paar der ganz speziellen Felsformationen, die für diese Gegend so typisch sind.

Der Chauffeur hielt sich irgendwie für einen Formel-1-Rennfahrer – bretterte mit seinem uralten Brummi die Strasse dahin und schnitt todesmutig die Kurven. Als er hinter einem etwas langsameren PW fahren musste, bekam das Ganze leicht irre Züge: Er führte Selbstgespräche, bzw. redete offenbar mit dem Fahrer im PW vor sich. Wir verstanden ja nicht wirklich was – aber es klang wie: „Gib scho Gas“, „“Putz di furt“!..oder so ähnlich

In Kuala Kangsar fragten wir an der Busstation, ob es in der Nähe ein Hotel gäbe. Alle zeigten uns den Weg zum  „Double Lion Inn“, das wirklich nur ca. 5 Min. entfernt war. Und es hatte sogar ein Zimmer für 17 Franken – war eigentlich ganz okay, aber der Geruch! Die  Klimaanlage verbreitete irgendwie einen ziemlich unangenehmen chemischen Geruch ;-( Aber mangels anderer Alternativen quartierten wir uns für die eine Nacht dort ein..

Unten im Hotel befand sich eine Art Bäckerei, wo wir uns gleich verpflegten. Danach liefen wir zurück zur Busstation, um die morgige Weiterreise nach „Alor Setar“ weiter im Norden zu organisieren und erlebten eine Überraschung: Von Kuala Kangsar aus gibt es offenbar keine direkte Verbindung nach Alor Setar, sondern nur bis Butterworth (etwa die Hälfte der Strecke). Der erste Bus nach Butterworth um 11.45 Uhr war allerdings bereits voll und der zweite Bus um 16.15 war reichlich spät. Wohl oder übel kauften wir zwei Tickets für 16.15.

Den Rest des Nachmittags nutzten wir, um die Ubudiah Mosque (Moschee) – unser eigentliches Ziel in Kuala Kangsar – zu besichtigen.Nach einer kurzen Taxifahrt tauchte die angeblich schönste Moschee in Malaysia auch schon vor uns auf: und war wirklich wunderschön, ganz in weiss mit goldigen Kuppeln.Wir hatten noch in der Stadt gefragt, ob wir wohl reindürften als „Ungläubige“. Der eine sagte ja, der andere sagte nein, aber drumherumrumlaufen dürften wir sicher. Gleich beim Eingang stand aber schon ein Schild, dass Besucher am Morgen bis 12.00 Uhr und dann wieder ab 15.00 bis 17.00 Uhr reindürften. Da es 13.00 Uhr war, stellte sich also die Frage gar nicht. Ein Moscheehüter kam aber gleich auch noch raus und sagte uns, dass Besucher (also auch wir „Ungläubigen) leider erst um 15.00 reindürften. R müsste sich einfach noch ein Kopftuch überziehen.

Wir wanderten also rund um die Moschee, bewunderten die Architektur, hörten dem Muezzin zu, der zum Gebet rief und schauten den Gläubigen zu, die in die Moschee liefen (und selbstverständlich vorher die Schuhe auszogen). Das war sehr interessant.

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Der Taxifahrer hatte uns erklärt, dass ca. 200m weiter die Strasse hinauf der Palast des Sultans und vis-a-vis das Museum wäre, das wir auch besuchen wollten. Wir wanderten ganz langsam dahin und schwitzten dabei so vor uns hin. Ausnahmsweise hatte es angenehm wenig Verkehr. Als wir ca. einen Kilometer gelaufen waren und zwar der Palast des Sultans, aber kein Museum in Sicht war, kehrten wir wieder zur Moschee zurück, wo wir auf ein Taxi warteten. Da wir die einzigen Touris waren und irgendwie das Gefühl hatten, dass sich die Taxis nicht bis zur Moschee verirrten, liefen wir noch etwas weiter, um an eine belebtere Strasse zu kommen. Da fiel uns plötzlich ein schönes, grosses, weisses Gebäude auf, dass öffentlich-offiziell aussah. Auf Nachfrage erklärte uns die Dame am Schalter, dass dies die „Galerie des Sultans“ sei. Das Museum auf der anderen Seite wurde offenbar gerade renoviert, deshalb waren die Sachen hierhergezügelt worden. Das hätten wir gerne zwei schweisstreibende Kilometer früher gewusst!! ;-o

Der Sultan ist der König der islamischen Gemeinschaft der Provinz Perak und eigentlich von fast ganz Malaysien, aber nicht von Sarawak usw. So ganz genau haben wir nicht rausgefunden, worüber er eigentlich herrscht, aber dem Museum zu entnehmen ist er das repräsentative Staatsoberhaupt von Malaysien. Das Museum war sehr interessant, leider durften wir keine Fotos machen. ..und das es eine Galerie des Königs der islamischen Gemeinschaft ist, merkten wir u.a. auch daran, dass wir für den Museumsbesuch die Schuhe ausziehen mussten :-o.

Nach diesem Besuch fragten wir an der Kasse, ob sie uns wohl ein Taxi organisieren könnten. Kein Problem: 5 Minuten später war es da. Der Taxichauffeur hiess uns Willkommen in Malaysia und erzählte uns unterwegs noch so einiges über Kuala Kangsar, seine geliebte Heimatstadt.

Zurück im Städtchen gab uns die morgige Busfahrt nach Butterworth immer noch zu denken. Da wir nirgends genau herausgefunden hatten, ob es von Butterworth am Abend auch wirklich noch eine Verbindung nach Alor Setar gibt, wollten wir das Risiko nicht eingehen, dort hängen zu bleiben. Vor allem weil wir ab dem 11. Dezember bereits eine Unterkunft auf Langkawi reserviert hatten. Dann fanden wir doch noch einen Ticketverkäufer, der uns etwas genauer Auskunft geben konnte und unsere Ahnung bestätigte, dass es besser wäre, wir würden zurück nach Ipoh, dort zur Express-Busstation und von dort mit einem Direktbus direkt nach Alor Setar fahren.
Das war zwar nicht, was wir geplant hatten, doch es schien die beste und einfachste Variante zu sein.

So marschierten wir wieder zum Ticketschalter, wo wir ja schon die Tickets nach Butterworth gekauft hatten und fragten, ob wir sie zurückgeben könnten. Man sah dem Ticketverkäufer buchstäblich an, wie es in seinem Kopf zu rattern begann, wie er hier wohl zu einem guten Deal kommen könnte ;-)) – schlussendlich einigten wir uns auf 10 der ursprünglich von uns bezahlten 15 Ringgit. Damit waren wir mehr als zufrieden und er sichtbar auch:-))

Danach war Essen angesagt. Die Auswahl in Kangsar war nicht so riesig, hauptsächlich Strassen- oder fast Strassenküchen. Wir assen „fried rice“ mit chicken und „mee goreng“ (mee heisst Nudeln) und dazu zwei Milkteas.

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Hier merkten wir noch einmal so richtig, dass in Kangsar sehr, sehr wenige westliche Touris hinkommen, wir wurden ziemlich angestarrt, von einigen schon fast etwas unverschämt, von anderen aber eher verschämt und mit einem schüchternen Lächeln. Dann lachen wir zurück, manchmal entsteht auch ein kurzes Gespräch, die erste Frage ist immer, von wo wir kommen. Die Schweiz kennt fast jeder und jeder findet es ein schönes und reiches Land und weiss, dass es dort im Moment ziemlich kalt ist.

Um 7.00 Uhr am nächsten Morgen fuhren wir zurück nach Ipoh, wo wir mit einem Shuttle vom  lokalen Busbahnhof zum „Ekspres“ Busbahnhof fuhren, von wo all die Überlandbusse abfahren. Wir konnten gleich ein Ticket für neun Uhr ergattern und hatten somit noch 5 Minuten, um zum Bus zu marschieren und uns noch ein Sandwich zu kaufen – ..unser verspätetes Frühstück

Nach dreieinhalb Stunden Autobahn-Fahrt kamen wir in „Alor Setar“ (Allostar) an. Der Busbahnhof liegt etwas ausserhalb der Stadt und ist ziemlich gross mit mehreren Motels, Restaurants und Shops rundherum. Da wir am nächsten Morgen gleich wieder auf das Shuttle zur Fähre nach Langkawi mussten, dachten wir, dass es wohl das beste sei, gleich hier beim Busbanhof zu bleiben, anstatt in die Stadt zu fahren. Das war wohl nicht die beste Entscheidung. Das einzige Hotel weit und breit war bereits voll. Wir gingen deshalb einfach ins nächste Motel und nahmen dort ein Zimmer – mit Badewanne, dafür ohne WC :-). Naja, das Zimmer war ja eigentlich akzeptabel – abgesehen davon, dass wir da lieber nicht barfuss rumgelaufen sind :-o. Die Toilette war etwa 30 Meter entfernt, am Ende eines ziemlich düsteren Flurs und beinhaltete gleich auch noch die Dusche (ein Schlauch mit Kaltwasser) für all jene, die keine Badewanne im Zimmer hatten. Für eine Nacht musste es das tun.

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Die zweite Schwierigkeit war, hier zu etwas Essbarem zu kommen. Nichts da mit „DimSum“ oder Noodle Soup etc… es hatte lediglich ein paar abenteuerlich aussehende „Restorans“ etwa mit dem Charme einer Tiefgarage mit Neonbeleuchtung;-) . Wir bestellten dann trotzdem ein „Nasi und Mee Goreng“ – war aber eher was zum Abgewöhnen…

Für den Rest des Nachmittags verzogen wir uns in ein Internetcafe (wo wir ebenfalls die Schuhe ausziehen mussten) und surften, recherchierten, mailten und buchten dort während den nächsten vier Stunden. Aber das hatte sich gelohnt! Nach vier Stunden hatten wir endlich eine ansprechende Unterkunft über Weihnachten, hatten unsere nächsten Reise-Schritte geplant und fanden einen günstigen Flug nach „Chiang Mai“ in Nordthailand. Eine solche ausgiebige „Online-Planungsphase“ war wieder mal nötig gewesen.

Weihnachten werden wir nun auf „Koh Lanta“ im Süden Thailands verbringen, in der „Fishermanscottage“. Wir sind schon total gespannt auf  „The Beach“. Es hat dort 11 ganz kleine und spezielle Bungalows, die so zwischen 30 – 40 Fr. kosten.. Danach werden wir nach Krabi fahren, von wo wir die aus „James Bond“ bekannten aus dem Wasser ragenden „limestone“-Felsinseln anschauen. 3 Tage später fliegen wir nach „Chiang Mai“ im Norden von Thailand, wo wir über Silvester bleiben werden.

Alor Setar ist offenbar das Zentrum des konservativen Islams in Malaysien. Wir sahen kaum Frauen ohne Kopftuch. Und von den 30 Millionen Touristen, die jährlich Malaysien besuchen, kommen wohl kaum welche hierher. Wir wurden noch viel mehr angestarrt als in Kuala Kangsar; und das nicht, weil wir etwa ungebührlich gekleidet gewesen wären, sondern die Leute waren wirklich überrascht, hier hellhäutige Menschen zu sehen. Zwischendurch ist das ja auch ganz witzig, vorallem mit Kindern. Die schauen mit grossen Augen und wenn man sie ein bisschen anlacht, getrauen sie sich fast nicht mehr, hinzuschauen, bis ihnen die Eltern Mut machen und sagen, sie sollen doch hallo sagen. So härzig:-))

2 thoughts on “Zu Besuch beim Sultan

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