Von „Baba Nonyas“ und „Chittys“

Melaka, 27.  bis 29. November 2007

Nach nur wenigen Stunden Schlaf (schuld war die Klimaanlage, die die kalte Luft genau auf Rücken und Genick blies, und die wir deshalb immer wieder ein- und ausschalten mussten ;-()
besuchten wir am Morgen als Erstes das Information Center, um uns schlau zu machen, was es denn in Melaka so zu tun gäbe und kauften eine Broschüre für 3 Ringgit. Der Melaka Tourismus meinte es etwas gar gut mit den Touris. Die Broschüre war sehr ausführlich und beschreibt sozusagen jedes Haus in jeder Strasse, aber zum Mitschleppen ist sie viel zu gross – wir rissen schlussendlich einfach den Stadtplan heraus. Vor unserer Besichtigungstour wollten wir aber noch was frühstücken. Heute hatten wir ein bisschen Pech: das „Egg Sandwich“ war nicht die optimale Wahl – es lag uns auf jeden Fall ziemlich schwer im Magen.

Nach dem Frühstück besuchten wir gleich ein Shoppingcenter (jaja, die gibt’s nicht nur in Singapur), um noch einige Sachen wie etwa Zahnpasta zu kaufen. Auch hier weihnachtete es  mit üppiger Weihnachtsdekoration und einem lebensgrossen, singenden Nikolaus-Roboter wieder sehr – und das bei rund 30 Grad im Schatten :-o

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Die „Kota Lodge“, in der wir untergebracht sind, ist zwar nicht leicht zu finden (s. vorherigen Eintrag), aber trotzdem sehr gut gelegen – Chinatown und das historische Zentrum sind nur rund 10 Gehminuten entfernt. Melaka spielte in der Geschichte von Malaysien eine sehr wichtige Rolle. Hier kam im 15. Jahrhundert der erste Portugiese auf die Peninsula, später die Holländer und dann die Briten. Melaka war ein wichtiges Handelszentrum und Ausgangspunkt für die Verbreitung des Islam in ganz Malaysien. Als Handelsplatz zog Melaka Leute aus aller Welt an und die ethnische Durchmischung ist auch sehr gut sichtbar: Chinesen, Inder, Malaysier, Portugiesen, (oder deren Nachfahren), Baba Nonyas (Mischung Chinesen und Malaysier) und Chittys (Mischung Inder und Malaysier). Viele, zumindest die Frauen, tragen auch noch die traditionellen Kleider.

Wir besichtigten die „Porta De Santiago“, das Überbleibsel des portugiesischen Forts, das von den Briten zerstört wurde, die christliche „St. Paul’s Church“, die auf einem Hügel liegt und von der man auf die Stadt runtersieht, das holländische Viertel mit seinen speziellen rötlichen Häusern, das „Stadthuys“ (Gouverneursgebäude der Holländer) ..und zwischendurch setzten wir uns hin, um einfach den Leuten zuzusehen, von denen es ziemlich viel hat: Melaka ist als historische Stadt auch für die Malaysier interessant und deshalb ein beliebtes Ziel. Überall fuhren auch reich mit Blumen geschmückte Rikschas mit den Touristen herum.

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Am späteren Nachmittag kamen wir auf unserer Rundtour in Chinatown an und setzten uns gleich in ein chinesisches Restaurant. Der Kellner erzählte uns etwas, was wir nicht verstanden und fragte uns nach Getränken. Wir bestellten Tee und Kokosnussmilch und dachten, nachher komme dann die Speisekarte mit vielen Bildern. Doch kaum waren die Getränke da, kam auch schon das Essen, nämlich Chicken Rice Balls (Reiskugeln) und Chicken. Offenbar gibt es spezielle „Chicken Rice Balls“-Restaurants, die nichts Anderes servieren. Es schmeckte sehr gut und schlussendlich bezahlten wir 14 Ringgit, etwa 5 Franken.

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Wir wanderten noch ein wenig in Chinatown rum und mussten infolge Wassermangel gleich noch einen Fruchtsaft trinken. Die gibt’s frischgepresst und ohne Wasserzusatz, mmmh. Da heben wir den Flüssigkeitspegel gerne an. Heute waren wir so ausgiebig in der Hitze herumgewandert, dass wir in die Lodge zurückgingen, um ein wenig auszuruhen, zu lesen, und „diary“ zu schreiben und assen später Znacht in einem chinesischen Lokal gleich um die Ecke.

Am nächsten Morgen assen wir in einer Fruchtsaft-Bar in China Town ein Müesli mit Yoghurt. Das war doch schon viel besser als das Mayo-Ei-Sandwich vom vorherigen Morgen. Gestärkt besuchten wir eine islamische Moschee, einen buddhistischen und einen hinduistischen Tempel, alle in China Town. Dann besichtigten wir ein typisches Melaki Haus, das von „Baba Nonyas“ bewohnt wurde. Baba Nonya nennt man die Nachkommen von Chinesen und Malaysierinnen. Ein Nachkomme hat dieses Haus den Touristen als Museum zur Verfügung gestellt. Durchs Haus geführt hat uns allerdings eine asiatische Dame, die Tochter eines Portugiesen und einer Malaysierin. Da soll noch einer mitkommen.. :-)

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Das Haus war total interessant und es machte Spass, all die kleinen Details zu entdecken. Zum Beispiel liegt das Schlafgemach des Hausherrn immer gegen Westen und über dem Gästeeingang. Wenn jemand Einlass wollte, konnte der Hausherr in seinem Gemach ein kleines Deckelchen wegziehen und durch das Loch gucken, wer vor der Tür stand. Falls ihm der Besucher nicht passte, leerte er ihm seinen Nachttopf über den Kopf. Naja, wir sind nicht ganz sicher, ob das der Wahrheit entspricht, aber unsere Guidin hat es so erzählt.

Im Haus hatte es einige sehr schöne chinesische Stühle und andere Möbel, portugiesische und viktorianische Kachelböden, viktorianisches Porzellan., einige uralte Hennessey Cognacs, aus dem Jahre 1842 und verschiedene andere Ausstellungsstücke aus den verschiedenen Generationen von Baba Nonyas (übrigens „Baba“ für Mann und „Nonya“ für Frau), die dieses Herrschaftshaus bewohnt haben.

Nachher brachten wir eine weitere Photo-CD zur Post, um sie nach Hause zu schicken und besuchten das Museum im „Stadthuys“. Dieses zeigte u.a. die Traditionen der verschiedenen ethnischen Gruppen in Melaka,  sämtliche Präsidenten von Malaysien seit der Unabhängigkeit 1957, und die bewegte Geschichte von Melaka.

Danach reichte es wieder mit Sightseeing und wir planten via Internet unsere Weiterreise. Wir sind immer noch auf der Suche nach einem schönen Ort für Weihnachten. Am Abend nahmen wir am Flussufer wieder mal ein Apéröli. Inzwischen hatte es glücklicherweise etwas abgekühlt, da es vorher ziemlich heftrig geregnet hatte. Das letzte Abendessen in Melaka genossen wir in einem typischen Baba Nonya Restaurant: Die für Melaka typischen Satay (islamisch) und ein portugiesisches „Devil Curry“, ein megascharfes Huhn mit Kartoffeln. Aber geschmeckt hat es.

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