(V)ery (I)mportant (P)andas

Eine Zeitreise
March 12, 2008
Lage in Lhasa
March 15, 2008

Kaili, 4. bis 6. März 2008

Pünktlich um 9.00 Uhr ging es wieder weiter. Der Fahrer wartete bereits mit dem frisch gepützelten Van. Heute stand nochmals der Besuch vier kleiner Dörfer verschiedener Minderheiten-Volksgruppen auf dem Programm. Als Erstes fuhren wir auf einer holprigen Passstrasse zu einer kleinen abgelegenen ”Shui”-Siedlung namens ”Tushuizhu”. Das Dorf wirkte sehr verlassen und im Vergleich zu den vorher besuchten Dong-Orten, sehr ärmlich.

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Auf dem kleinen Pfad von der Strasse zum Dorf hinunter kam uns ein Mann mit dem Kopf und den Innereien einer frischgeschlachteten Sau entgegen und etwas weiter unten waren vier Männer daran, einen Sarg zu zimmern, bzw. aus einem Baumstamm zu schnitzen – hier ist es offenbar Brauch, seinen Eltern schon zu Lebzeiten einen Sarg zu schenken, als Zeichen guter Fürsorge!

Da der Weiler nur aus rund einem Dutzend kleiner Holzhäuser bestand, und eh die meisten Bewohner ausgeflogen zu sein schienen, fiel der Rundgang eher knapp aus. Wir konnten uns noch kurz in einer der Behausungen umsehen und später das Dorf-Gemeinschafts-WC-Hüttli ausprobieren – von da aber besser keine Details ;-o

In den übrigen drei Dörfern, ”Tidao”, ”Qiaotu” und ”Langde” waren jeweils ”Miao” Zuhause. Wir schlenderten wiederum zwischen den engen Gässchen herum, beobachteten das interessante Dorfleben und durften beim einen oder anderen Häuschen auch mal unsere Köpfe reinstrecken. Bei einem solchen kurzen Hausbesuch zog sich eines der Mädchen für uns die Festtags-Tracht an, damit wir den Schmuck und die Stickereien ausgiebig aus der Nähe bewundern konnten. Die Menschen in diesen Dörfern sind einfach, aber sehr freundlich und freuen sich auch sichtlich, so fremdartige Besucher zu haben..

Doch das Highlight wartete im letzten Dorf auf uns. Der Fahrer kündigte unsere Ankunft schon von weitem mit lautstarkem Hupen an. Als wir auf dem Schulplatz ausstiegen, kam auch schon ein älterer Mann in Tracht dahergelaufen. Wir erfuhren dann, dass die Reiseagentur als Überraschung eine Tanz- und Musikdarbietung für uns organisiert hatte.

Das Begrüssungskomittee in Form von sechs Frauen in ihren Trachten stand bereits parat, um uns ein Willkommensständchen zu bringen und uns dann ein, bzw. zwei Willkommens-Schnäpschen einzuflössen ;-).. Danach machten wir zuerst noch einen kleinen Dorfrundgang, während dem uns immer wieder trachtenbekleidete Frauen und Männer begegneten, die schnellen Schrittes Richtung Dorfmitte unterwegs waren.

Auf dem Dorfplatz angekommen, sahen wir dann doch etwas erstaunt, dass sich auf der einen Seite rund 50 Frauen, Männer und Kinder, alle in eindrücklichen Trachten versammelt hatten. Auf der gegenüberliegenden Seite waren mehrere kleine Taburettlis für die Gäste aufgestellt. Offenbar hatte man mit mehr als nur zwei Besuchern gerechnet. Zu Beginn war’s uns ja schon ein bisschen peinlich – der ganze Aufwand nur wegen uns beiden, kamen uns ein wenig wie VIPs vor (Very Important Pandas;-). Aber wir merkten bald, dass sie selber eine Riesengaudi hatten und die Gelegenheit nutzten, um gleich selber ein kleines Dorffestchen zu feiern.

Die Aufführung dauerte etwa 40 Minuten und beinhaltete verschiedene tradtionelle Tänze und Lieder, jeweils begleitet von den typischen Bambusflöten, den ”Lushen”. War für uns total lustig und spannend, dem Treiben zuschauen zu können ;-o Wir machten ausgiebig Fotos und Filmchen und versprachen, ihnen dann auch ein paar Gruppenfotos zu schicken. Die herzliche Verabschiedung verlief wieder im bekannten Stil – ja, richtig, mit einem Ständchen und mehreren Schnäpschen… Die Damen  machten sich einen Riesenspass daraus, uns möglichst viele Tässchen mit Likör einzuflössen, so dass wir fast fluchtartig zu unserem Van rennen mussten ;-) Das war ein lustiges und friedliches Erlebnis, diesen fröhlichen, zufriedenen Menschen so begegnen zu können…

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Als wir in ”Kaili”, einer Stadt mit ca. 600’000 Einwohnern eintrafen, war es bereits wieder Abend geworden. Nach den sehr abgelegenen Gegenden der letzten Tage hatten wir hier beinahe wieder das Gefühl, in einer Metropole zu sein – sah sogar auch wieder einigermassen bewohnbar aus.

Wir suchten ein Lokal fürs Abendessen und fanden (in der Nähe von einigen Strassenständen mit ”Ratte am Spiess”;-) eine Art Cafébar mit kuscheligen Sofas, offenbar ein beliebter Treffpunkt für junge Chinesen. Auch die Mitarbeiter waren sehr jung und etwas nervös, weil sie kein Englisch konnten. Nach etwa einer Viertelstunde hatten wir es geschafft, uns ein feines Nachtessen zu bestellen.

Zurück im Zimmer stellte T mit Schrecken fest, dass er sein Handy im Hotel in Rongjiang vergessen hatten. Das war ziemlich ungünstig, da wir ja schon wieder etliche Kilometer und Pässe weitergefahren waren. Am nächsten Morgen fragten wir David deshalb, ob er wohl im vorherigen Hotel anrufen könnte – und tatsächlich, sie hatten das Handy gefunden und würden es mit dem nächsten Bus nachschicken. Uff! nochmals Schwein gehabt. Wir waren sehr erleichtert – alleine hätten wir das nie geschafft. .

Zum Abschluss unserer Erkundungstour der Minderheiten-Volksgruppen in Südwest-China, kamen wir nochmals in den Genuss einer Privataufführung in einem kleinen Miao-Dorf. Um dorthin zu gelangen, mussten wir aber nochmals ca. 1 Stunde Knochenrüttel-Strasse erdulden. Bei den Miao angekommen, erwarteten uns bereits wieder die Trachtenfrauen mit dem bekannten Willkommens-Schnaps!

Die Show war wiederum sehr interessant, diesmal mit anderen Kostümen und leicht anderen Tänzen und Liedern. Die anschliessende, etwas aufdringliche Verkaufsattacke, trübte das schöne Erlebnis ein wenig. Mehrere Frauen breiteten blitzschnell ihre handgemachten und -verzierten Batiktücher, Schmuck und Stickereien auf dem Boden aus und wollten natürlich, dass wir von jeder was kaufen.

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Als wir beim Zurückfahren von der plötzlich sehr steil ansteigenden Schotterstrasse auf die Hauptstrasse einbiegen wollten,  drehten die Räder des Vans durch, und wir steckten fest!. Zu allem Übel kam der Wagen auch noch fürchterlich ins Rutschen und schlitterte gefährlich nahe an ein Betonmäuerchen heran – wir konnten nicht mal mehr die Schiebetüre öffnen und kletterten dann hinten raus.

Fahrer und v.a. Guide waren etwas unschlüssig, was nun zu tun ist. Gemeinsam schaufelten wir die Räder wieder frei, schoben den Van zurück und hofften das Beste, als Mister Yung nochmals mit Anlauf die Böschung hochraste – mit viel Spulen und Schlingern schaffte er es schliesslich zurück auf die Asphaltstrasse. Inzwischen haben wir ja auch schon ein wenig Erfahrung mit steckengebliebenen Bussen, Vans oder PWs…

Den freien Nachmittag nutzten wir, um wieder mal Föteli zu sortieren, DVD’s zu brennen und ins Internetcafe zu gehen.

Tom
Tom

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