Safari 2.0

Wie schon in früheren Posts erwähnt, gehören Südafrika und v.a. die verschiedenen National Parks (NP) zu unseren bevorzugten Reisezielen. Neben den immer wieder interessanten Tierbegegnungen, dem angenehmen Klima, und nicht zuletzt dem für uns attraktiven Wechselkurs ist es auch sehr schön, dass wir dort jeweils auch Familie und Bekannte wiedersehen dürfen. So war der diesjährige Reiseplan relativ schnell zusammengestellt. Neben dem schon fast obligaten Besuch im Kruger NP wollten wir dieses Mal noch zwei weitere Parks erkunden. Die geplante Reiseroute:

  • Zürich – (Paris) – Johannesburg (A-380 – Air France)
  • Johannesburg – Pilanesberg NP and Game Reserve (Mietauto)
  • Pilanesberg – Marakele NP  (Mietauto)
  • Marakele – Kruger NP  (Mietauto)
  • Kruger – Johannesburg (South African Airways)
  • Johannesburg – (Paris) – Zürich (A-380 – Air France)

 

Pilanesberg NP

Bis zur Ankunft in der Bakubung Bush Lodge im Pilanesberg NP lässt sich eigentlich gar nicht viel erzählen. Der Flug mit Air France (und das Essen) war ok, aber auch nicht wirklich mehr als das. Inzwischen haben wir auch schon eine Art ‚Stamm-Flughafenhotel‘, das ehemalige Protea-Airport Hotel – nun ein Marriot, in dem wir jeweils nach Ankunft und vor der Abreise noch eine Übernachtung einlegen und gerne ein feines Znacht geniessen. Auch die Übernahme des Mietwägelchens und die Fahrt zum Pilanesberg NP klappte ohne Probleme (Navi sei Dank). So trafen wir am nächsten Tag gegen Mittag bereits in der Bakubung Lodge ein, von wo wir während den nächsten drei Tagen den Park erkunden wollten. Vom eher kleinen und in einem abgelegen Hoteltrakt gelegenen Zimmer waren wir nicht  so begeistert, da wir uns angesichts des doch stattlichen Preises eine etwas stimmungsvollere Lodge-Unterkunft vorgestellt hatten. Nachdem uns irgendein lästiges Generatorengeräusch oder so was Ähnliches die ganze Nacht genervt hatte, baten wir am nächsten Morgen darum, das Zimmer wechseln zu können. War soweit eigentlich kein Problem – und voilà, für die restlichen zwei Tage konnten wir in ein sehr viel schöneres Zimmer mit Sitzplatz und Blick auf das – zwar nicht allzu belebte – Wasserloch umziehen.

Aber das wirklich Coole am Pilanesberg NP ist natürlich der Park selber. Er ist nicht allzu gross und kann auf der Hauptverbindung und einzigen asphaltierten Strasse in ca. zwei Stunden durchquert werden. Auch die Anzahl der verschiedenen ‚Loops‘ – also der von der Hauptverbindung abgehenden Schotterstrassen, hält sich in Grenzen. Allerdings ist der Park landschaftlich sehr attraktiv und mehrere kleinere und grössere (Stau)Seen sorgen dafür, dass man sicher immer Tiere beobachten kann. Bei einer Übernachtung in der Bakubung Lodge ist jeweils auch ein geführter Game Drive enthalten. Diesen kann man entweder für einen Morning-Drive (Start um 6:00 Uhr) oder Evening-Drive (Start 16:00) buchen. Also buchten wir bei unserer Ankunft gleich einen ersten Evening-Drive für den gleichen Tag. Als wir um vier dann zum Besammlungspunkt kamen, traf uns fast der Schlag, als dort sechs grosse ‚Safari-Lastwagen‘ mit jeweils rund 30 Plätzen standen. Eigentlich wollten wir ja nur einen gemütlichen Game-Drive machen, und nicht an einer gross angelegten Umsiedelungsaktion teilnehmen. Janu, probieren wir das mal aus … Obwohl wir dann ziemlich viele Tiere zu sehen bekamen, war uns das Rumgekarre mit diesem Monstertruck viel zu hektisch. Das Ärgerliche an diesen geführten Drives ist oft, dass die Guides – die ja alle miteinander per Funk kommunizieren – jeweils zu den publikumsträchtigsten ‚Sightings‘ rasen, sobald sie davon erfahren. So gibt es dann dort chaotische ‚Traffic-Jams‘, auch wenn es vielleicht nur das Schwanzende eines Gepards zu sehen gibt. Jedenfalls blieb es für uns dann bei diesem einen organisierten Game-Drive und wir erkundeten für den Rest der Zeit den Park auf eigene Faust.

Zusammenfassend würden wir sagen: Der Pilanesberg NP ist ein wirklich schöner Nationalpark, in dem auch viele Tiere beobachtet werden können. Leider ist er aber auch ziemlich touristisch und die Lodges entsprechend teuer.

Die Goldene Stunde
Rhino-Begegnung
Typisch Afrika
Muddy Waters
Nix da Zebrastreifen
Gut getarnt
Sundowner Moments

Marakele NP

Unsere nächste Etappe war der ca. zwei Autostunden entfernte Marakele NP. Dieser gehört, wie auch der Kruger NP zu den staatlich betriebenen South African National Parks (Sanparks). Im Gegensatz zu den privaten Parks sind dort die Camps oft nicht ganz so luxuriös, dafür entsprechend auch etwas günstiger. Als wir beim Parkeingang dann jedoch erfuhren, dass innerhalb des Parks ausser den drei Camps keinerlei Infrastruktur vorhanden war, also auch keine Möglichkeit, sich Lebensmittel zu besorgen, waren wir doch ein wenig überrascht. Ein kleines Detail, das wir bei der Planung übersehen hatten. Da wir die nächsten vier Tage innerhalb des Parks verbringen würden, machten wir also gleich wieder kehrt und fuhren in das nächste, ca. zehn Kilometer entfernte Städtchen zurück. Dort gab es zum Glück einen grossen Supermarkt, wo wir uns mit Vorräten für die kommenden Tage im Busch eindeckten.

Die ersten zwei Nächte verbrachten wir in einem ‚Tented Camp‘ in der Nähe des Parkeingangs. Das waren einfache Safari-Zelte mit einem Blechdach, angebautem Badezimmer und einer wie immer gut vor Affen und anderen grösseren und kleineren Tierchen geschützten Outdoor-Küche. Der Marakele NP ist in zwei Sektionen geteilt. Der vordere Teil, in dem sich auch der Campingplatz und unsere Safari-Zelte befanden, beherbergt keine der berühmten ‚Big Five‘ (also Elefant, Büffel, Nashorn, Löwe, Leopard), sondern lediglich ‚ungefährliche‘ Tiere wie Zebras, Affen, Strausse, Gnus, Gazellen usw.). Um in den hinteren Teil zu gelangen, wo auch die ‚Big Five‘ anzutreffen sind, muss man per Knopfdruck ein massives automatisches Schiebetor öffnen – Jurassic Park lässt grüssen. Leider hat es im Marakele NP ca. zwei Wochen vor unserer Ankunft ein grosses Buschfeuer gegeben, so dass weite Teile davon verbrannt und etwas trist aussahen. Das war wohl auch der Grund, warum nicht allzu viele Tiere zu sehen waren. Während den ersten 30 Minuten auf einer recht holprigen Naturstrasse begegnete uns rein gar nichts. Bereits ein wenig enttäuscht und unaufmerksam geworden, merkten wir gar nicht, dass wir plötzlich mitten in einer  ziemlich grossen Elefantenherde steckten, die im steilen Gelände die Strasse überqueren wollte. Uiui, voller Stop und gaanz langsam rückwärts. So befanden wir uns nicht mehr direkt im Weg der Herde und konnten einigermassen beruhigt zusehen, wie die Kolosse auf der einen Strassenseite krachend aus dem Unterholz hervorkamen, um dann mühelos auf der anderen Seite den Hang hinaufzustampfen. Anschliessend warteten wir noch einige Minuten, um auch sicher zu sein, dass nicht noch irgendwelche Nachzügler unterwegs waren. Das war wie erwähnt eine der eher seltenen Tierbegegnungen im Marakele NP. Im vorderen, sagen wir mal etwas harmloseren Teil, kam man allerdings ein wenig mehr auf Tuchfühlung mit den ständigen Parkbewohnern. Abgesehen von den allgegenwärtigen fingerdicken Tausendfüsslern, oder den zwar unsichtbaren aber dafür gut hörbaren Mäusen im Dach, besuchte uns z.B. auch jeweils ein Strauss auf seinem Rundgang direkt bei unserem Bush-Zelt, oder wir mussten Türen und Fenster geschlossen halten, damit uns die ‚Hornbills‘ nicht ins Haus flatterten.

Verbrannte Erde
Hornbills auf Futtersuche

 

Als wir im hinteren Teil unterwegs waren, kamen wir auch am zweiten Camp im Park vorbei. Wow, das sah sehr Cool aus. Ein kleiner See, an dessen einem Ufer zehn Safari-Zelte standen, jedes mit einem separaten Küchenzelt, das Ganze dann jeweils auf Holzstelzen und mit Veranda und Grillplatz. Im Vergleich zu unserem kleinen Zelthüttchen, in dem wir die erste Nacht verbracht hatten, sah das deutlich besser aus. Eine Umbuchung war aber nach Rückfrage leider nicht möglich. Janu, so freuten wir uns jedenfalls darauf, die letzten zwei Nächte dann hier verbringen zu können. Als Alternative zum etwas unbefriedigenden Game-Driving fuhren wir am nächsten Tag auf einen ganz hinten im Park auf einer Bergspitze gelegenen Aussichtspunkt. Tatsächlich war das bezüglich Nervenkitzel auch nicht zu verachten. Die Strasse, war sehr eng und fiel auf einer Seite steil mehrere hundert Meter ab – das natürlich ohne irgendwelche Abschrankungen. Allfälliger Gegenverkehr – der zum Glück mehr oder weniger ausblieb – wäre da echt unangenehm geworden. Die Aussicht hielt sich jedoch in Grenzen. Dafür konnten wir ein paar Adler und ein Pärchen der seltenen ‚Klipspringer‘-Antilopen beobachten.

Restcamp am See
Auf dem Berggipfel
Klipspringer

Die letzten zwei Tage im Park waren relaxed, da wir v.a. unser Camp am See genossen und nur noch einzelne, kurze Game-Drives unternahmen. So ging die Zeit in diesem für uns neuen NP wieder schnell vorbei. Abgesehen von der leider etwas verkohlten Landschaft, der dadurch nicht so präsenten Tierwelt und auch trotz der zwischenzeitlich kräftigen Regengüssen, hat uns der Park sehr gut gefallen. Jedenfalls packten wir am letzten Tag nur ungern unsere Sachen, um die letzte grosse Inland-Reiseetappe zum Kruger NP in Angriff zu nehmen. Laut Google Maps betrug die Strecke rund 450 km und sollte in rund 5 Stunden zu bewältigen sein. Das ein wenig ungemütliche an dieser Etappe war, dass wir spätestens um 17:00 beim Phalaborwa-Gate des Kruger Parks sein mussten, damit wir es überhaupt vor Torschluss zum Letaba-Restcamp schaffen konnten, wo wir unsere erste Übernachtung gebucht hatten. Obwohl wir um ca. 10:00 guten Mutes unser Camp am See verliessen, wurde es bis zum Schluss trotzdem sehr eng. Was wir nicht wirklich in unserer Berechnung eingeplant hatten, war die Strecke vom Camp bis zum Parkausgang. Das nahm inklusive ‚Checkout‘ locker schon fast eine Stunde in Anspruch. Aber wenn alles gut lief, hatten wir ja immer noch rund eine Stunde als Puffer. Tja, wie heisst es so schön? Wenn das Wörtchen ‚wenn‘ nicht wär … Prompt erwischten wir auf der N1 Richtung Norden eine falsche Ausfahrt und mussten rund eine Viertelstunde wieder zurückfahren. Oops, schon wieder eine halbe Stunde dahin. Angespornt von dem Gedanken, dass wir uns sonst notfallmässig ausserhalb des Parks eine Unterkunft suchen müssten, wurde nun das Letzte aus unserem Wägelchen herausgeholt, so dass wir die eigentlich sehr pittoreske Gegend zwischen Polokwane und Phalaborwa leider gar nicht gebührend würdigen konnten. Trotz eines Tankstellenstops und baustellenbedingten Orientierungsschwierigkeiten bei der Autobahnausfahrt in Polokwane, erreichten wir das Parkgate noch einige Minuten vor 17:00. So blieb genügend Zeit, um ins Letaba-Restcamp zu gelangen, wo wir dann ziemlich erschöpft rund eine Viertelstunde vor Torschluss eintrafen.

Das ‚Häuschen‘ am See

 

Kruger NP

Im Kruger NP fühlen wir uns inzwischen schon ein wenig Zuhause – immerhin ist es bereits unser vierter Besuch im grössten ganz in Südafrika liegenden Nationalpark. Während diesen Besuchen konnten wir alle Parkabschnitte und auch die meisten Restcamps erkunden und ausprobieren. Trotzdem ist es v.a. durch die immer wieder ganz unterschiedlichen Tierbegegnungen von Neuem interessant und ein Vergnügen (dieses Mal hat es übrigens auch geklappt, alle der ‚Big Five‘ beobachten zu können – hat uns sehr gefreut.) Wir geniessen aber auch die Abende in den Camps, wo wir bei einem gemütlichen Braai und feinen Glässchen südafrikanischem Wein den Tag ausklingen lassen. Aber ohne hier weiter ins Detail gehen zu wollen, verweisen wir gerne auf einen unserer früheren Blog-Einträge über den Kruger NP: Of Beasts, Bushcamps and Braais

Ein weiteres Highlight des Kruger ist, dass wir dort jeweils Familienanschluss haben und wenn immer möglich T’s Schwester und Schwager treffen, die im angrenzenden Sabiepark ein schönes Bush-Ferienhaus besitzen. Auch dieses Jahr durften wir wieder ihre herzliche Gastfreundschaft in Anspruch nehmen und mit ihnen fünf unvergessliche Tage im ‚Bush‘ verbringen.

Hausbesuch im Satara Restcamp
Abendstimmung im Camp
Roadside Sighting
Close Encounters
Bush Feeling im Sabiepark

Zurück nach Johannesburg ging es dann direkt vom kleinen aber feinen Flugplatz beim Skukuza-Restcamp, wo wir auch unser Mietauto retournieren konnten – sehr praktisch. Am nächsten Tag brachte uns wiederum ein A-380 der Air France zurück in die Schweiz.

Check-In beim Skukuza Airport

Es war ein toller Südafrika-Aufenthalt, bei dem wir von der bequemen Buffet-/Touristen-/Hotelsuite-Variante direkt zum Safarizelt-/Selbstversorger-Erlebnis wechselten. Es hat wohl beides seine Vor- und Nachteile. Wir ziehen jedoch eindeutig die etwas einfachere Version vor und freuen uns auf weitere Bush-Erlebnisse in diesem Stil.

 

 

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