Mellow Madrid

Nachdem uns die letzten zwei Osterreisli in den hohen Norden führten (Kopenhagen, Sankt Petersburg) und wir uns vor allem im sehr schönen aber bitterkalten Dänemark Nasen, Ohren und Finger abgefroren hatten, stand für dieses Jahr eine südlichere Destination auf dem Programm. Das Zentrum von Spanien – Madrid. Es sollte ein gemütliches Wochenende werden ohne allzu viele „Todos“ (hier Englisch gemeint;-) auf der Aktivitätenliste. Feines Essen, Cafe con Leche oder bei einem feinen Rioja die Welt am Plaza Mayor an einem vorbeiziehen lassen. So ganz faul und untätig wie das nun klingt wollten wir den Ausflug natürlich auch nicht vorübergehen lassen. Schliesslich gibt es in Madrid verschiedene Sehenswürdigkeiten von Weltformat. Angefangen beim „Prado“, eines der bedeutendsten Kunstmuseen, über den Königspalast und die Kathedrale bis hin zur Altstadt mit dem ehrwürdigen Plaza Mayor. Daneben gibt es viele kleinere Highlights wie den „Rastro“, den „Retiro“, die Markthalle, das „Huerta“-Quartier oder das Caixa-Forum …

Am Gründonnerstag-Abend hoben wir mit Iberia bei nasskaltem Wetter in Zürich ab. Obwohl der Flug nur rund zwei Stunden dauert waren wir auch schon entspanner unterwegs. Iberia scheint zumindest für diese Strecken ziemlich gewinnoptimiert zu planen. Die Sitze sind überaus eng angeordnet und Essen und Trinken gibt’s nur gegen Bares – naja. Dafür empfing uns Madrid mit schönstem Wetter und frühlingshaften Temperaturen. Nachdem wir uns an einem der Ticketautomaten in der Metro ein 5-Tagespass für ca. 25 Euro besorgt hatten, brachte uns die etwas in die Jahre gekommene U-Bahn in ca. 30 Minuten und zweimaligem Umsteigen direkt ins Zentrum zum Plaza Sol – der nun eigentlich Vodafone Sol heisst (wahrscheinlich Sponsoring sei Dank). Nach weiteren 5 Minuten zu Fuss erreichten wir unser sehr zentral und doch ruhig gelegenes Hotel Liabeni – sehr zu empfehlen. Allerdings können wir nichts über das Essen bzw. das Frühstücksbuffet berichten, da wir in diesem Fall nur „Bed“ ohne „Breakfast“ hatten. Nach kurzem Frischmachen ging’s um ca. 22:00 raus ins Madrider Nachtleben, das um diese Zeit erst so richtig in die Gänge kam. Schon bald sassen wir in einem Seitengässchen beim Znacht und dem Eingags erwähnten Fläschen Rioja. Herrlich nach den ungemütlichen Wetterverhältnissen Zuhause gab es hier bereits vorgezogenen Frühling. Nach dem Essen schlenderten wir über den Plaza Sol und staunten über das sehr aktive Nachtleben und die interessanten und qualitativ hochstehenden Strassenkünstler.

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Street Action auf der Puerta del sol

Das Frühstück ist für die Spanier offenbar nicht wirklich eine grosse Angelegenheit und sieht auch ziemlich anders aus als bei uns – zumindest bei den Madrilenen müssen’s auf jeden Fall Churros – am besten – con Chocolate sein. Churros sind etwa 20 cm lange fritierte Würste aus Brandteig mit einem sternförmigem Querschnitt. Die bestellt man dann z.B. mit einem Cafe con leche und eben einer Tasse mit flüssiger Schokolade, worin die Churros nach Herzenslust getunkt werden können. Schon etwas gewöhnungsbedürftig und nicht unbedingt unsere bevorzugte Frühstückskost – aber zum Ausprobieren mal ganz fein.

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Nach diesem eher speziellen Karfreitags-Frühstück ging es dann mehr oder weniger gestärkt in den nahegelegenen Corte Ingles – ein sehr grosses und gut ausgestattetes Shoppingcenter. Ja, ein bisschen Shopping muss halt auch sein – v.a.wenn der aktuelle Euro-Kurs da auch noch mitspielt. Nach  ein paar Stunden Konsum hatten wir wieder Lust auf Kultur – oder zumindest mal auf Kaffee (con leche). So machten wir uns auf über den Plaza Sol Richtung Oper, Königspalast und Kathedrale. Unterwegs legten wir in einem Strassencafé am Plaza Oriente mit Blick auf den gewaltigen Königspalast einen gemütlichen Zwischenstopp ein. Der spanische Königspalast soll der grösste seiner Art in Europa sein und wird von der Königsfamilie, die sonst etwas ausserhalb residiert, nur für spezielle Anlässe benutzt. Gleich daneben befindet sich auch die erst 1993 fertiggestellte Almudena-Kathedrale. Wegen der Oster-Feierlichkeiten war eine Besichtigung allerdings gerade nicht möglich. Unsere Besichtigungstour brachte uns dafür ein paar hundert Meter weiter zur Markthalle San Miguel. An über 30 Ständen gibt es dort die verschiedensten Lebensmittel zu entdecken, kaufen und zu probieren. Da Madrid zu Ostern v.a. für Spanier ein sehr beliebtes Reiseziel zu sein schein, war auch die Markthalle ziemlich voll, so dass es nicht ganz einfach war, an einem der Stände ein freies Plätzchen zur Degustation zu finden. Schliesslich konnten wir aber doch noch eine kleines spontanes Gourmet-Zvieri mit frischen Austern, Crevetten und Muscheln begleitet von einem Glässchen Champagner geniessen.

 

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Almueda Kathedrale

 

 

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Markthalle

 

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Zu erwähnen sind an dieser Stelle auch die verschiedenen Osterprozessionen, die beim Besuch einer spanischen Stadt während der Semana Santa natürlich ein wichtiger Bestandteil sind. Offenbar ist das auch ein starkes Besuchermagnet für viele Spanier, so dass die Strassen und Plätze während dieser Umzüge extrem voll wurden. Verglichen mit den Prozessionen, die wir bei einer früheren Reise in Quito, Ecuador erleben konnten, läuft das in Madrid sehr gemässigt ab. Keine blutenden Büsser mit Geisseln oder echten Dornenkronen, die unter der Last von zentnerschweren Holzkreuzen leiden. Muss ja aber auch nicht unbedingt sein …

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Am Samstag flanierten wir zu Beginn durch die nur etwa fünf Gehminuten entfernte Gran Via, eine moderne und geschäftige Einkaufsstrasse – schnell fanden wir ein Café, das verschiedene Frühstücksvarianten anbot – neben dem obligaten Café con leche gab es Mini-Sandwiches mit Spiegelei, Speck, Tortilla oder etwa Jamòn Iberica .. und gaanz feine Croissants (die spanischen Backwaren haben übrigens überraschend gut geschmeckt.). Anschliessend erkundeten wir – jeder nach seinen Interessen – die zahlreichen Shops entlang der Gran Via. Als Kontrastprogramm zur eher hektischen Einkaufsmeile, reisten wir danach via Metro und Fussmarsch über den Placa Cibeles zum im Zentrum Madrids gelegenen Stadtpark Retiro. Er ist rund 1.4 km2 gross und hat seinen eigenen künstlichen See, auf dem die Madrilenen in kleinen blauen Ruderbötchen fröhlich rumgondeln. Hier kann man gemütlich rumspazieren, den zahlreichen Strassenkünstlern zusehen oder in eines der zahlreichen Cafés sitzen und das bunte Treiben beobachten. Wir konnten z.B. gleich mitverfolgen, wie eine Polizeistreife ein paar afrikanische Strassenhändler (die in der Regel illegal im Land sind) hochnehmen wollte. Da dies offenbar ziemlich alltäglich ist, sind die Händler auf das vorbereitet und können ihre Waren, die auf einem Tuch mit an den Ecken befestigten Seilen ausgebreitet sind, mit einer Handbewegung zusammenraffen und davonrennen. Unglücklicherweise sind dem Strassenhändler bei der Fluchtaktion ein paar Sonnenbrillen davongeflogen, die dann von umstehenden Passanten im Nu eingepackt wurden. Das Ganze scheint ein wenig sinnlos, da die Polizei einerseits kaum eine Chance hat, da wirksam einzugreifen und die illegalen Strassenverkäufer andererseits auch nur Handlanger sind und die ein Grossteil ihrer Einküfte eher an die Hintermänner geht.

 

Der Prado, das weltberühmte Kunstmuseum und eine der grossen Attraktionen Madrids kann von 18:00 – 20:00 jeweils kostenfrei besichtigt werden. Für uns, die wir zwar gerne ab und zu mal ein Museum besuchen, aber nicht wirklich grosse Kunstliebhaber und -kenner sind, eine gutes Angebot, von dem wir auch profitieren wollten. So spazierten wir nach dem gemütlichen Nachmittag im Park zum ganz in der Nähe gelegenen Museum. Auf dem Weg dahin besuchten wir das 2008 eröffnete CaixaForum. Ein von Herzog & de Meuron sehr speziell gestaltetes  Museum, Auditorium und Konferenzzentrum – inkl. einer dem Gebäude gegenüberliegenden senkrechten Wand mit 15’000 Planzen – die hängenden Gärten von Madrid.

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CaixaForum

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Um ca. 17:00 trafen wir beim Prado ein und merkten schon von Weitem, dass das Gratisangebot nicht nur bei uns Anklang findet. Entlang des grossen Gebäudes hatte sich bereits eine mehrere hundert Meter lange Warteschlange gebildet – und das teilweise noch in der immer noch heissen Abendsonne. No way! Also mal abwarten und in einem nahen Beizchen einen Cava bzw. ein Bierchen trinken. Um ca 18:30 schauten wir nochmals  vorbei und siehe da, die Schlange war schon erheblich kürzer geworden. Nach etwa 10-15 Minuten hatten wir es auch schon geschafft und konnten nach einem gründlichen Security-Check die zahlreichen Räume des Prado erkunden. Sinnvollerweise gab es am Eingang ein Flyer mit den bedeutendsten Meisterwerken und wo diese zu finden sind. So war es relativ einfach, das Beste aus der limitierten Zeit zu machen.

Der Rückweg zu unserem Hotel führte uns durch das Huertas-Viertel – ein malerisches Ausgehquartier für Touris wie auch Einheimische – mit kleinen Gässchen und zahlreichen kleinen, orginellen und gemütlichen Beizen.

Almueda Viertel
Almueda Viertel

Oje, Sonntag und trotzdem früh aufstehen – heute wollten wir den wöchentlich stattfindenden Flohmarkt, den Rastro besuchen. Und das, bevor die grossen Menschenmassen eintreffen. Also ging’s bereits um ca. 9:00 auf die U-Bahn und das ohne Frühstück. Aber gute Entscheidung. Wir waren zwar bei Weitem nicht die ersten, konnten den grossen Markt aber recht entspannt erkunden. Allerdings ist der Flohmarkt nur (ein eher kleiner) Teil des Ganzen. An vielen Ständen gab’s T-Shirts, Musik oder andere Souvenirs zu kaufen. V.a. im Flohmarkt-Bereich hatte es jedoch ein paar ungewöhnliche und interessante Verkaufsstände …

Rastro
Rastro

Nach dem verdienten späten Frühstück drängten wir uns zusammen mit Tausenden von anderen Besuchern Richtung Plaza Mayor, wo die Osterfeierlichkeiten mit den Trocadéros, einer grossen traditionellen Trommlergruppe, ein fulminantes Ende finden. Das klingt ziemlich gewaltig und eindrücklich – leider war es bezüglich Menschenmasse ein wenig zu viel des Guten. So setzten wir uns in eines der zahlreichen Restaurants rund um den Plaza und genossen das Konzert bei einem Cafe con leche. Anschliessend spazierten wir Richtung Flussgegend. Am Fluss entlang bietet eine ehemalige, stillgelegte Autobahn ein ideales Erholungsgebiet für Spaziergänger, Jogger oder Biker. Zudem hat es dort noch einen weiteren künstlichen See, an dem wir ein feines Fisch-Zmittag genossen.

Plaza Mayor

 

 

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Ja, und das war es dann auch schon fast. Am Montagmorgen machten wir noch ein paar letzte Einkäufe und fuhren gegen Mittag mit der Metro zurück zum Flughafen. Abgesehen von den teilweise doch sehr überwältigenden Menschenmassen ist Madrid eine gemütliche Stadt, die vielleicht nicht die grössten und zahlreichsten Sehenswürdigkeiten bietet, dafür jedoch viel spanischen Charme hat und jede Menge Gelegenheit bietet, viele einheimische Köstlichkeiten zu geniessen.

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