Kerzenlicht im Klo

Trommeltürme und Windbrücken..
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Eine Zeitreise
March 12, 2008

Zhaoxing, 2. bis 3. Maerz 2008

Nach einer wiederum recht eigenwillig interpretierten Version eines ”Western Breakfast”, nach der wir uns entschieden, zukuenftig wohl eher wieder Nudelsuppe zu fruehstuecken, fuhren wir um 9.00 Uhr mit einer neuen Crew ab. Am Steuer des Vans Mr. Yung – der Kamikazefahrer von Guizhou – und daneben David, unser Guide fuer die naechsten sechs Tage. Heute wechselten wir von der Guangxi Provinz zur benachbarten Provinz, nach Guizhou.

Gemaess David besteht die Provinz Guizhou zu 97 % aus Huegeln und Bergen. Das bekamen wir gleich zu Beginn am eigenen Leib zu spueren, als wir ueber zwei Paesse mit holprigen und extrem kurvigen Strassen fetzten. Die Gegend erschien uns sehr, sehr abgelegen und immer und immer wieder sahen wir die idyllischen Reisterassen in den verschiedensten Farben, je nachdem was gerade auf den verschiedenen Stufen angepflanzt wird; z.B. leuchtend gelb bei einer Art Raps – sieht auf jeden Fall gelb aus. Das Kraut wird als Gemuese gebraucht und aus den Samen wird oel gewonnen. Unterwegs assen wir in einem kleinen Dong-Doerfchen in einem winzigen Restaurant am Strassenrand, das wir alleine wohl nicht als solches erkannt haetten. David bestellte bei der Dame des Hauses das Essen, worauf sie sich an ihrem Freiluft-Kochherd sofort an die Arbeit machte. In der Zwischenzeit erkundeten wir ein wenig die Nachbarschaft. Beim Blick in die verschiedenen, offenen Haeuschen hatte man das Gefuehl, um 50 Jahre zurueckversetzt zu sein: Uralte Geraetschaften wie etwa eine handbetriebene Naehmaschine mit riesigen Fadenspulen, in einer rauchigen Kueche hing Trockenfleisch in einer Ecke und in einem anderen Raum brannte ein offenes Feuer, um ein wenig Waerme zu verbreiten..

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Unterwegs besuchten wir ein weiteres kleines Dong-Dorf, mit einer beruehmten Wind- und Regenbruecke – sehr schoen verziert. Und dann kamen wir in ”Zhaoxing” an, der groessten Dong-Siedlung mit ungefaehr 4000 Einwohnern und 800 Familien. Unser Guesthouse mitten im Dorf war sehr heimelig, alles aus Holz und erinnerte uns ein wenig an eine, wenn auch eher moderne, SAC-Huette.

Auch hier gingen wir waehrend rund zwei Stunden im ganzen Dorf auf Erkundungstour. Da schoenes und angenehmes Wetter war, spielte sich ein Grossteil des Dorflebens im Freien ab: Die Frauen wuschen Waesche, ruesteten Gemuese oder webten Stoffe, die Kinder rannten rum, spielten und starrten die komischen Fremdlinge mit grossen Augen an und eine Gruppe Maenner reparierte ein Wasserrohr – ..und die uebrigen sassen vielleicht in einem der Drumtower um ein Feuerchen herum..;-) Ab und zu sah man Frauen, die mit einem Holzhammer kraeftig auf ein Stueck Stoff einschlugen – eine Dong-spezifische Methode, um die Kleider wasserdicht zu machen.

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Ebenso zum Dorfleben gehoeren die zahlreichen chinesischen Hunde, die hier ”Farmer Dog” genannt werden. Die sind sehr putzig, v.a. die ganz kleinen!, und werden als Haustiere und nicht etwa als Nutztiere gehalten. Dennoch sehen wir ab und zu Speisekarten, auf denen Hundefleisch in verschiedenen Varianten angeboten wird.

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Nach dem etwas umstaendlichen Ess-Erlebnis von gestern Abend schlossen wir uns fuer’s Nachtessen gerne dem Guide und dem Fahrer an. Mit Kennerblick schauten sie in die verschiedenen Toepfe und bestellten fuer uns ein feines Znacht. Sie selber machten sich genuesslich und lautstark hinter einen Hotpot mit viel Chili drin..

Um acht Uhr waere eine Auffuehrung mit traditionellen Taenzen und Musik geplant gewesen. Als um sechs Uhr aber im ganzen Dorf ploetzlich der Strom weg war, wurde das gestrichen. Dafuer kamen wir in den Genuss eines Dinners bei Kerzenlicht. Am Nachbartisch feierte ein Gruppe Einheimischer lautstark ihren Einstand als neue Dorfbewohner. Als zwei Dong-Damen in ihren Trachten sich dazugesellten und jedem in der Runde ein Liedchen traellerten, um ihm dann ein Glaeschen Schnaps in den Mund zu kippen, wurde es immer lustiger und lauter. ;-o
Unser Fahrer – ein ziemlich geselliger Mensch – kam auf die glorreiche Idee, uns diese Tradition auch naeher zu bringen und schickte die zwei Dong-Damen los, um auch uns ein Staendchen zu bringen und ein Schnaepschen einzufloessen – war aber lustig und gar nicht so schlecht ;-)

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Da der Strom die ganze Nacht und auch noch am naechsten Morgen weg war, bekamen wir von den Wirtsleuten zwei Kerzen, die wir strategisch optimal in Zimmer und Bad verteilten. ..war zwar etwas finster, aber sehr romantisch.

Tom
Tom

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