Im Nebelwald

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Santa Elena – Monteverde, 28. – 30. August 2007

Um 8 Uhr morgens kam der hombre von der Autovermietung das Auto abholen. Er meinte, wir hätten zu wenig Benzin aufgefüllt, da auf seinem Checkblatt mehr stand, als am Anfang wirklich drin gwesen war. Wir einigten uns auf ein Missverständnis und er liess es dabei bleiben.

Eine halbe Stunde später holte uns ein Shuttle ab – wir hatten nämlich die „Jeep-Boat-Jeep-Variante“ von La Fortuna nach Santa Elena reserviert. Dabei fährt man von La Fortuna zum Arenalsee, von dort mit dem Boot über den Arenalsee und dann mit dem Jeep über die absolute Holperstrasse nach Monteverde und Santa Elena. Die Fahrt ist sehr empfehlenswert, man sieht nochmal den Vulkan Arenal, durchquert den ganzen Arenalsee und fährt kreuz und quer über grüne Hügel und durch grünen Dschungel nach Santa Elena. Kurz nach dem Arenalsee sahen wir von der Strasse aus noch zwei Howlermonkeys in den Bäumen rumturnen.

In Santa Elena kamen wir um ca. 12.00 Uhr an. Santa Elena ist ein kleiner Streifen Zivilisation zwischen zwei Nationalpärken, dem Monteverde Nationalpark und dem Santa Elena Nationalpark. Das sind beides Nebelwälder. Warum es die gibt, bzw. warum die Nebelwälder heissen, haben wir schon in einem früheren Eintrag (s „Turtle Territory“) beschrieben. Nebelwälder heisst also auch sehr viel Nebel und immer wieder, v.a. Nachmittags auch Regen. Dafür ist die Pflanzenwelt einzigartig und in den Parks (und auch ausserhalb) findet man Monkeys, Faultiere, verschiedene grössere und kleinere Nager und viele Vogelarten, unter anderem auch den seltenen Quetzal.

Speziell an der Monteverderegion ist zusätzlich, dass sich hier eine Quäkergemeinschaft niedergelassen hat. 1949 wurden vier Quäker in den USA (Alabama) verhaftet, weil sie sich geweigert hatten, im Koreakrieg mitzukämpfen. Die Religion der Quäker verbietet jegliche Art von Kampf. Das sahen auch die Gerichte in den USA ein und entliessen die vier Quäker bald wieder. Für einige Quäker war dieser Vorfall jedoch der Anlass, sich nach einem neuen Domizil umzusehen. Sie fanden es in Monteverde, Costa Rica, einerseits weil Costa Rica vor kurzem das Militär abgeschafft hatte (das Militärgeld floss anschliessend in die Schulbildung), und andererseits weil das kühle, bergige Klima von Monteverde (grüner Berg) ideal war, um Viehwirtschaft zu betreiben.

Die Quäker vereinbarten damals mit den Behörden von Costa Rica, dass die von den Quäkern in Besitz genommene Region geschützt und nicht abgeholzt werden sollte. Mit der Zeit wurden die beiden Nebelwälder als einzigartige Ökosysteme mit einer hohen Biodiversität immer bekannter. 1983 erschien im „National Geographic“ ein Artikel über Monteverde und zusätzlich, dass dort der „Quetzal“ gesichtet worden sei..
Daraufhin setzte ein riesiger Touristenboom ein. Dies schockierte die Quäker total und sie konnten gemeinsam mit Umweltorganisationen erfolgreich verhindern, dass die Strassen rund um Monteverde gepflastert und gut zugänglich gemacht  wurden. Damit konnte der Touristenstrom einigermassen reguliert werden. Dafür sind die Strassen aber unglaublich holprig.

Der „Quetzal“ ist für die Mittelamerikaner ein sehr wichtiger Vogel. Schon die Mayas verwendeten die sehr langen Quetzalfedern für religös/rituelle Zwecke und stellten daraus eindrucksvollen Kopfschmuck und Umhänge für ihre Könige und Priester her.
Er ist auch der Nationalvogel von Guatemala (hat die Schweiz eigentlich auch einen Nationalvogel?) und soll, gemäss den „Ticos“, nur in Freiheit überleben können. Sorry, wenn wir zu diesem Gebiet etwas sehr ausführlich schreiben, aber wir finden die Geschichte dazu total interessant.

In Santa Elena fanden wir gleich unser auserwähltes Hostel mit Doppelzimmer und Bad und sogar Küchenbenutzung. Das wollten wir gleich nutzen und am Abend selber kochen. Das Zimmer müffelte zwar ein bisschen, aber die Veranda wirkte dafür sehr einladend. Zuerst gingen wir aber was essen und unsere Weiterreise organisieren. Im Reisebüro sass ein Schweiz-Tico, wir waren ganz überrascht, dass wir Schweizerdeutsch sprechen konnten..
Ein Shuttle nach Liberia kostet von Santa Elena 38 USD, dabei geht die Fahrt nur drei Stunden. Wir sagten, wir überlegen es uns noch und gingen vis-a-vis zur öffentlichen Busstation. Dort kauften wir ein Ticket nach Liberia für 5.40 USD. Wahnsinn, der Unterschied auch wenn ein Shuttle natürlich bequemer und schneller wäre.

Nach dieser Organisation liefen wir zum Santuario Ecologico, ein privater Ableger des Nationalparks Monteverde. Dort machten wir eine ca. 2-stündige Wanderung durch den Park. Wir sahen sogar einen grossen Nager, der ein bisschen aussah wie ein übergrosses Eichhörnchen ohne Schwanz. Die Wanderung durch diesen Nebelwald war sehr schön, doch leider fing es nach der Hälfte stark zu regnen an. Trotz Regenhosen, Wanderschuhe, Regenjacke und Regenschirm wurden wir ziemlich nass. Aber damit muss man hier jederzeit rechnen.

Zurück von dieser Wanderung gingen wir die Zutaten für’s Abendessen einkaufen: Frische Ananas, Orangen, Äpfel und Bananen, ein Yoghurt und Vollkornbrot. Wir wollten uns zur Abwechslung wieder mal was richtig Gesundes einverleiben – was auch ausgezeichnet schmeckte. Bloss beim Abwaschen entstand auf dem Küchenboden ein grösserer See. Die Hostelmutter erklärte uns, das wir jetzt nicht abwaschen sollten. Ok, dann halt am Morgen. Allerdings hatte es am nächsten Morgen wieder einen See, da schliesslich jeder bei Küchenbenutzung nachher auch abwaschen will.
Schien also ein gängiges Problem zu sein, das auch niemanden wirklich beunruhigte – dann wischt man halt wieder auf, bis der nächste Gringo wieder (zuviel) Wasser braucht für den Abwasch ;-)

Im Hostel trafen wir ein Schweizer Pärchen, Anita und Daniel, die ungefähr das gleiche wie wir machen, einfach in umgekehrter Richtung. Sie starteten im März in Nepal, kamen über Australien nach Costa Rica und werden nach Ecuador weiterfliegen. Wir unterhielten uns über, guess what, Reisen, und der Abend ging sehr schnell vorbei.

Das Zimmer wirkte etwas kalt und R hoffte, sie würde nicht frieren ohne Schlafsack. Den Schlafsack hatten wir mit ein paar anderen Sachen in San José deponiert. Aber das ging ganz gut, doch irgendwann bekamen wir unerwünschten Besuch.

T hörte plötzlich ein Rascheln aus der Tüte mit unseren Esswaren drin. Als er ein bisschen schüttelte, rannte eine kleine Maus davon. Leider nicht aus dem Zimmer, sondern unter R’s Rucksack. Nach einigem Hin und Her schlüpfte sie wieder unter der Türe durch, aus dem Zimmer. Wir stopften sämtliche undichten Ritzen zu, löschten das Licht und wollten weiterschlafen.
Doch schon wieder hörten wir ein Rascheln. Als wir das Licht anzündeten, war da noch eine Maus. Die wäre wohl auch gerne raus, doch nun konnte sie nicht mehr, nachdem wir alles abgedichtet hatten. Sie rannte in den Schrank, den wir gleich verschlossen, doch sie kam durch irgendwelche Ritzen wieder raus, raschelte wieder und wir konnten kein Auge zu tun. Wir machten die Ritzen wieder ein wenig auf, liessen das Licht brennen, verhielten uns ganz ruhig und nach einer Weile suchte auch „Minnie“ das Weite und floh zu ihrem „Micky“. Daraufhin verschlossen wir wieder alle Ritzen und hofften, das Mausepärchen würde keinen Durchgang mehr finden.

Rascheln hörten wir’s zwar immer noch, aber wir waren ziemlich sicher, dass wir alles abgedichtet hatten. Am Morgen war ein Plastiksack, den wir unter die Türe gestopft hatten, ziemlich abgenagt, aber durchgekommen war keine Maus mehr. Es schien, als ob dieses Zimmer ihr Zuhause ist. Am morgigen Abend werden wir von vornherein alles so gut wie möglich zustopfen und hoffen, dass noch keine Maus im Zimmer ist. :-)

Um 6.30 Uhr fuhren wir mit einem kleinen Bus zum Santa Elena Nationalpark. Wir wählten bewusst den weniger bekannten Park, da der Monteverde Nationalpark ziemlich überlaufen ist. Und es hat sich gelohnt. Wir konnten in aller Ruhe durch den Park wandern, die schönen Pflanzen, Bäume und Farne bewundern und sahen ein Eichhörnchen, ein Wildschwein (scheint aber das Hausschwein der Rangers zu sein, es war sehr zutraulich), und viele Vögel. Ausserdem steht im Park ein Turm, auf den man über die Baumwipfel klettern kann. Von dort sieht man bis zum Vulkan Arenal und bis ans Meer hinunter. Eine fantastische Aussicht!

Am Eingang des Parks befindet sich ein Kolibripark. Die Ranger hängen dort Futtertröge für die kleinen Vögelchen auf und es ist ein ständiges Kommen und Gehen, respektive Fliegen. Total friedlich zum Zuschauen!

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Nach 3 Stunden rumwandern waren wir ziemlich geschafft. Auch wenn es nicht heiß ist, so ist es doch sehr feucht und der Schweiss läuft runter.
Zurück im Dorf Santa Elena gingen wir mittagessen, schliesslich hatten wir noch nicht mal gefrühstückt. Wir gingen ins „Treehouse“, das ist ein Restaurant im ersten Stock, das rund um einen Baum gebaut ist. Um zu den Tischen zu gelangen, muss man über Äste steigen und unten durch kriechen. Den Baum pflanzte der Grossvater des Besitzers. Mit dem Menu gab’s noch einen Gutschein für eine halbe Stunde Internet, den wir gleich einlösten.

Danach kauften wir noch was fürs morgige Frühstück ein, da wir um sechs Uhr auf den Bus müssen. Zurück im Hostel duschten wir erstmal (und fanden sogar den Warmwasserknopf) und genossen danach die schöne Veranda bei Lesen, Schreiben und Fotos sortieren. Rundherum ein lautes Konzert von Vögeln und zwischendurch rannten die kleinen Kinder der Hostelbesitzer herum. Sind ziemlich schüchtern, die beiden.

Tom
Tom

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