Entschleunigungskur

Der Kruger NP im Osten von Südafrika zieht uns immer wieder von neuem an. Die relativ einfache Erreichbarkeit (abgesehen von der doch sehr langen Flugreise), die Möglichkeit mit dem eigenen (Miet-)Auto auf Safari zu gehen, die zahlreichen Park-Camps, die eine gute und v.a. einiges günstigere Alternative zu den privaten Lodges bieten und natürlich die – zumindest meistens – zahlreich anzutreffenden vier-, sechs-, acht- oder gar tausendfüssigen Parkbewohner bilden für uns ein attraktives Gesamtpaket.

Für den diesjährigen Besuch hatten wir uns folgenden Reiseplan ausgedacht:

  • Flug von Zürich über London nach Johannesburg
  • Flug von Johannesburg zum Kruger Mpumalanga International Airport
  • Übernahme des Mietautos
  • Übernachtung im Casterbridge Hollow Boutique Hotel in White River (ca. 20 min vom Flughafen)
  • Eintritt in den Park durch „Numbi Gate“
  • 2 Übernachtungen im Camp „Berg en Daal“
  • 3 Übernachtungen im direkt benachbarten Sabie Park Nature Reserve (Besuch von T’s Schwester und ihrem Mann in ihrem Bush-Chalet)
  • 2 Übernachtungen im Camp „Lower Sabie“
  • 1 Übernachtung im Camp „Crocodile Bridge“
  • Abgabe Mietauto und Rückflug nach Johannesburg
  • Rückflug Johannesburg / London / Zürich

So, das soweit mal die „Facts and Figures“. Der Flug mit British Airways  verlief ohne grossen Zwischenfälle. Dank vorherigem Online-Check-In konnten wir uns für den Flug von London nach Johannesburg sogar zwei „Front-Row-Seats“ mit angenehm viel Beinfreiheit sichern. Als Sitznachbarn quartierten sich eine „Big African Mama“ mit ihren zwei Boys ein. Für die zwei Kleinen war es verständlicherweise nicht ganz einfach ständig ruhig zu sitzen, wodurch die Lady sich veranlasst sah, mit gefühlten 200 „Sit“ oder „Stop“ für Ordnung zu sorgen.  Das kam aber afrikamässig ziemlich gelassen rüber und schien zum gewohnten Drill zu gehören. Dank genügend Platz und gut sortiertem On-Board-Filmmaterial gingen die ca. 10 Stunden Flugzeit überraschend gut vorbei. Da es beim Hinflug irgendwie nicht möglich war unser Gepäck bis ganz zum Schluss durchzuchecken, mussten wir in Johannesburg nochmals einchecken. Der O. R. Tambo International Airport JNB ist ein Riesending und daher ist es nicht immer ganz einfach auf Anhieb den richtigen Weg durch die Terminals und Gates zu finden. Steht man aber auch nur einen kurzen Moment etwas ratlos in der Gegend herum, wird man auch schon von übereifrigen „Helfern“ in Beschlag genommen, die einen ziemlich aufdringlich – und natürlich mit anschliessenden Geldforderungen – herumlotsen möchten. Am Kruger Mpumalanga International Airport ging es dann wieder beschaulicher zu und her und nach ein paar kurzen Formalitäten waren wir auch schon mit unserem Toyota RAV  unterwegs zu unserer ersten Unterkunft in White River.

Da wir die Gegend von früheren Besuchen schon ein wenig kannten, fanden wir das Casterbridge Hollow Boutique Hotel ca. 4 km ausserhalb von White River mehr oder weniger problemlos. Wir waren angenehm überrascht als wir merkten, dass sich das Hotel innerhalb eines sogenannten „Crafts Village“ befand, also einer Art Mini-Dörfchen, in dem sich noch eine Reihe von hübschen Cafés, Restaurants und Kunstboutiquen befanden – für uns natürlich perfekt für ein feines Dinner und Souvenir-Shopping. Der Proviant für unsere anschliessende Safari im Krüger NP mussten wir uns allerdings in White River in einem Pick’N Pay besorgen. Nach kurzer Zeit hatten wir uns mit allem Nötigen eingedeckt und konnten so gut gerüstet ein feines Pub-Znacht ganz in der Nähe des Hotels geniessen. Leider nicht unter freiem Himmel, da es ziemlich kühl und regnerisch war. Das waren wir uns eigentlich gar nicht so gewöhnt vom südafrikanischen Herbst, und hofften für die kommenden Tage auf wärmeres Kurze-Hosen-Wetter. Abgesehen vom letzten Tag im Park, wurde unsere Hoffnung auch erfüllt , so dass Jacken und lange Hosen die meiste Zeit im Koffer blieben. Am nächsten Morgen konnten wir gut ausgeruht vom langen Flug dann auch schon wieder ein Frühstück im Freien geniessen – that’s more like it …

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Hotelpool – leider etwas zu kalt für ein angenehmes Bad
Zum „Numbi-Gate“, unser Eintrittsort zum Park, war es dann nur noch eine ca. 20-minütige Fahrt. Als wir dort ankamen, waren wir zuerst ein wenig verwirrt, da sich ca. 1 km vor dem eigentlichen Gate bereits eine kleine Autoschlange gebildet hatte. Aus irgendeinem Grund gab es dort eine Art „Vorkontrolle“ für den Eintritt in den Park. Als der gemütlich von einem Auto zum anderen schlendernde Park-Ranger dann anhand unserer Reservationsunterlagen merkte, dass wir keine Tagesbesucher sind, sondern für mehrere Tage im Park bleiben würden, konnten wir zu unserer Freude direkt an allen vorbei zum Gate weiterfahren. Nach ein paar kurzen Formalitäten am Gate waren wir also „offizell“ wieder auf Safari und platzierten als Erstes gleich Feldstecher und Kameras in Griffnähe. Wir hatten nun also mehr oder weniger den ganzen Tag Zeit, um unser erstes Camp „Berg-en-Daal“ im süd-westlichen Zipfel des Parks zu erreichen. Die Geschwindigkeit ist im ganzen Park  übrigens auf 50 kmh auf Asphaltstrassen und 40 kmh auf Schotterstrassen reduziert. Hier gilt also schon länger der Slogan: „Slow down – take it easy“. Die ganz grosse Überraschung an diesem ersten Tag war, dass wir über 10 Nashörner zu Gesicht bekamen. Und das nicht etwa nur als grauer „Felsen“ weit in der Ferne oder gut versteckt hinter einem Busch – nein, wir konnten die imposanten Dickhäuter in voller Grösse und teilweise so nahe am Strassenrand beobachten, dass uns fast schon ein wenig mulmig wurde. Bei früheren Besuchen, waren wir schon froh, überhaupt mal ein Rhino entdecken zu können und nun tauchten sie schon fast in Massen auf – was war den nun los …? Offenbar war dieser südliche Teil des Parks gerade ihr bevorzugter Aufenthaltsort – an der Tatsache, dass Wilderer nach wie vor die zwar im Vergleich zu früher wieder gewachsenen Bestände jedes Jahr stark reduzieren, hat sich leider noch nicht viel geändert. Wir genossen es jedenfalls gerade zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Bis zum Ende unseres Parkbesuches konnten wir rund 30 Nashorn-Sichtungen verzeichnen –  das war für uns wirklich aussergewöhnlich!

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Rhino in schönstem Abendlicht

 

Parental guidance
Parental guidance

 

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Close encounters

 

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Rush hour

 

Berg-en-Daal hinterliess bei uns ein etwas gemischtes Gefühl. Das Camp liegt in einer schönen Gegend mit interessanten Hügeln und Felsen. Zudem hat es einen kleinen Stausee auf und um den man Hippos, Rhinos, Störche, Wild etc. beobachten kann und ein kleiner „Wanderweg“ rund um das Camp ist ideal für einen kleinen Morgen- oder Abend-Spaziergang. Andererseits war unser Bush-Chalet eher dunkel, nicht so gemütlich und die Aussicht beschränkte sich auf ein paar Büsche und Bäume. Nichtsdestotrotz genossen wir unseren ersten Abend im Bush beim eigenen Braii und einem feinen südafrikanischen Tropfen. Was wir uns allerdings unbedingt noch besorgen mussten waren anständige Steakmesser. Ein stattliches T-Bone Steak mit den eher dürftigen Messerchen zu meistern, die zur Standardausrüstung der Chalets gehören, machte nicht allzu viel Freude.

Vor der Weiterreise Richtung Norden zum Paul Kruger Gate kontaktierten wir noch T’s Schwester, da wir ja die kommenden drei Nächte bei ihnen im Bush-Ferien-Chalet zu Gast sein durften. Wir vereinbarten, gegen Abend direkt bei ihnen vorbeizukommen. Am späteren Nachmittag erreichten wir „Skukuza“, das grösste und nicht weit vom Paul Kruger Gate entfernte Camp, für einen kurzen Glacé-Zwischenstopp. Und wieder mal schlug der Zufall auf kuriose Weise zu: Wen erspähten wir mit unseren, ja bereits auf Safari-Modus eingestellten Augen? Christine und Paul, die gerade andere Besucher aus der Schweiz in Skukuza auf den Flughafen gebracht hatten. Wie erwähnt ist Skukuza ja das grösste, weitläufigste und wohl geschäftigste Camp im Park und die Wahrscheinlichkeit, genau aufeinander zu treffen ist nicht gerade gross – aber das Wichtigste auf Safari ist eben am richtigen Moment am richtigen Ort zu sein … Auf jeden Fall freuten wir uns, die beiden wiederzusehen und dass das Treffen auch ungeplant so gut geklappt hatte. Nach einem feinen Glacé ging es dann im Zweier-Konvoi noch auf einen kürzeren Abend-Game-Drive und dann direkt in ihr Bush-Chalet im angrenzenden Sabie Park Nature Reserve.

Das Sabie Park Nature Reserve ist ein Privatpark mit über 300 Grundstücken bzw. individuellen Bush-Chalets. Die Tierwelt ist natürlich nicht so vielfältig wie im benachbarten Kruger NP, dafür kann man auf dem morgendlichen Spaziergang Giraffen, Zebras, Warzenschweinen oder verschiedenen Antilopen-Arten begegnen. Alerdings sollte beim Wandern durch den Park ein kräftiger Holzstock auch nicht fehlen, falls einer der tierischen „Residents“ (im Speziellen Paviane) zu aufdringlich werden sollte. Am Abend besuchten uns jeweils zwei putzige Bush Babies, sehr schöne Ginsterkatzen („Genet“) , Hyänen, Warzenschweine oder Water Bucks direkt an der Veranda – sehr interessant und unterhaltsam. So gingen die drei Tage, mit Game-Drives im Kuger NP, Märsche durch den Sabie Park, einem Shopping-Ausflug ins nahe gelegene Hazyview und gemütlichem Beisammensein bei feinem Essen wie im Flug vorbei.

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Roadblock im Sabie Park

 

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Afrikanischer Netzbetreiber

 

Eines der Haus-(Warzen-)Schweine
Eines der Haus-(Warzen-)Schweine

 

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Bush Babies zu Besuch

 

Junge Giraffe in der Nähe des Sabie Parks
Junge Giraffe in der Nähe des Sabie Parks

 

Für die nächsten drei Tage bis zum Ende unseres Aufenthalts in South Africa kehrten wir wieder in den Kruger NP zurück und übernachteten noch zweimal im „Lower Sabie“ Camp und zum Abschluss noch einmal im ganz im Süden gelegenen „Crocodile Bridge“. Lower Sabie hat uns sehr gut gefallen. Sicher nicht zuletzt wegen der Lage unseres Bush-Chalets, von dem aus wir einen herrlichen Ausblick auf den Sabie River hatten. Schon cool, wenn man am Morgen aufsteht und gleich Giraffen, Krokodile oder Büffel beobachten kann. Bei einem weiteren Besuch im Kruger NP würde Lower Sabie jedenfalls wieder ganz oben auf unserer Liste stehen. Beim etwas kleineren Camp Crocodile Bridge am südlichen Park-Ausgang sieht man bereits wieder über die Parkgrenze hinaus, wo rauchende Fabrikschlote oder Bananen- oder sonstige Plantagen, das Bush-Feeling wieder ein wenig verwässern. A propos verwässern; in diesem letzten Camp begann es an unserem Abreisetag tatsächlich noch zu regnen. Trotzdem machten wir am Morgen noch einen kurzen Game-Drive im Regen, der nochmals ganz neue Parkbewohner ins Sichtfeld rückte. Zum Beispiel kraxelten dann an verschiedenen Stellen schön gemusterte Schildkröten auf die Strasse, um mit Regenwasser ihren Durst zu stillen.

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Gähnender Velvet monkey

 

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Hey big guy

 

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Trouble in paradise – zwei Kudu-Bullen kreuzen die Hörner

 

Proud mama

 

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Luftiger Frühstücksraum – in Lower Sabie

 

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Room with a view – Aussicht auf den Sabie-River

 

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Storch mit Krokodil im Hintergrund

 

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Durstige Schildkröte

 

Nach dem Verlassen des Parks fuhren wir auf der N4, einer sehr guten, wenn auch kostenpflichtigen Schnellstrasse, Richtung Nelspruit zurück zum  Kruger Mpumalanga International Airport. Die Fahrt dauerte knapp zwei Stunden und führte durch eine attraktive Schluchtenlandschaft. Den langen Flug von Joburg nach London legten wir in einer modernen A380 zurück.  Einmal mehr genossen wir die unbeschwerte, entschleunigte und naturnahe Zeit im Kruger NP.  Für die „Big Five“ hat es dieses mal übrigens nicht ganz gereicht – der scheue Leopard wollte sich partout nicht zeigen. Die unzähligen „Big and smaller moments“ die wir trotzdem während dieser Zeit erleben durften, haben das jedoch mehr als wettgemacht.

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