Eine Nacht in den Reisterrassen

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Longshen Reisterrassen, 29. Februar bis 1. Maerz 2008

Nach einem ausgiebigen Fruehstueck fuhren wir puenktlich um 9.30 ab. Unterwegs kaufte Owen fuer uns noch “Pomelots” –  allerdings waren diese fuer uns etwas gar trocken mit etwas gar vielen Kernen und etwas gar fad. Aber immerhin gibt es die hier in rauhen Mengen ;-)

Die Landschaft auf dem Weg nach “Longshen” war fuer uns bereits sehr interessant mit den vielen Reisfeldern, Ochsen, Farmern, Gaense- und Entenfarmen usw. So richtig interessant wurde es aber, als wir nach ca. vier Stunden in Longshen Town, dem Ausgangspunkt fuer die Longshen Reisterrassen einfuhren. Nachdem unser Guide die Eintritts-Tickets besorgt hatte,  fuhren wir noch ca. eine halbe Stunde auf einer schmalen, gewundenen Strasse den Berg hinauf. Unterwegs gabelten wir einen jungen Backpacker aus Schottland auf, der unten den letzten Bus verpasst hatte und nun den ganzen Weg hinaufmarschieren wollte. Das waere allerdings noch ganz schoen weit gewesen.

Am fruehen Morgen hatte es noch geregnet, doch nun war wunderbares Wetter mit blauem Himmel und angenehm warm. So genossen wir den kurzen Aufstieg vom Ende der Strasse bis hinauf nach “Ping’an”, einem kleinen Doerfchen mitten in den Reisterrassen. Die Longshenregion beherbergt u.a. eine der 56 Minoritaeten Chinas, die “Yao”. Wenn in den Reisterrassen nicht gerade Pflanz- oder Erntezeit ist, suchen sie Arbeit im Tourismus. So ueberliessen wir unsere grossen Rucksaecke zwei aelteren Muetterchen, die diese in einen Chratten stellten und wie zwei Berggemsen davonwieselten. Man haette sich auch per Saenfte hinauf- oder hinuntertragen lassen koennen, doch das liessen wir bleiben.

Ping’an erinnerte uns ziemlich stark an ein Bergdorf irgendwo im Berner Oberland – eine Handvoll Holzhaeuser mit Schindeldaechern (hier sind die Schindeln allerdings aus Baumrinde), die sich eng aneinander an den Berg schmiegen. Auf uns wirkte das sehr ansprechend und heimelig. Unsere Unterkunft, das “View Place Inn”, lag ganz zuoberst und von unserem Zimmer hatten wir eine fantastische Aussicht ueber die ganzen Reisterrassen. Wunderbar!

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Anschliessend machten wir eine kleine Wanderung durch die Reisterrassen. Es war angenehm warm und die Landschaft einmalig! Obwohl nicht Reis-Saison, waren einige Stufen mit Wasser geflutet, so dass sie im Nachmittagslicht hell glitzerten. Rundherum hatte es unzaehlige weitere Terrassen in den verschiedensten gruen-, gelb- oder braun-Toenen. Das Ganze wirkte fast unwirklich, als ob man die Gegend Schicht fuer Schicht aufgebaut haette – wir konnten uns gar nicht sattsehen.. Gemaess unserem Guide brauchte es 700 Jahre, um all die Reisterrassen so anzulegen.

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Die Idylle wurde allerdings immer ein wenig gestoert durch die ziemlich aufdringlichen Yao-Frauen, die sich als Fotosujet anbieten wollten. Wenn sie wie gesagt grad nicht mit der Landwirtschaft beschaeftigt sind, marschieren diese Damen jeden Tag rund 2 Stunden von ihrem Dorf hierhin und wieder zurueck, um vom zunehmenden Tourismus zu profitieren. So ca. sechs Frauchen liefen uns sicher einen Kilometer hinterher, um uns entsprechend bearbeiten zu koennen. Auf der entgegengesetzten Seite des Weges sahen wir bereits von weitem den schottischen Backpacker, der  ebenfalls vier der Yao-Frauen im Schlepptau hatte. Das sah megawitzig aus, wie er zuegigen Schrittes marschierte und ihm die kleinen Frauchen nacheilten :-)

Die Yao-Frauen sind beruehmt dafuer, dass sie ihre Haare nur einmal im Leben schneiden und diese deshalb sehr lang werden. Wir hatten das Gefuehl, das dies vor 10-15 Jahren, als die ersten Touristen hierherkamen, sicher eine Riesenattraktion war – so zehn Eingeborenen-Frauen mit heruntergelassenen Haaren in einer Reihe foetelen zu koennen. (die damals wahrscheinlich noch gar nicht recht wussten, warum das eine Attraktion sein soll..) Heute wird die spezielle Haarpracht sehr aufdringlich als Fotosujet vermarktet. Wir haben das dann sein lassen und probiert, auf etwas andere Weise mit den Frauen zu kommunizieren. Das war aber kaum moeglich, da sie ziemlich darauf fixiert sind, ihre “Ware” an den Touri zu bringen..

Nach der Rundwanderung durch die Reisterrassen spazierten wir noch ein wenig durch das Doerfchen, das sehr eng, verschachtelt und ebenfalls in Stufen angelegt ist. Ein paar Maenner waren gerade daran, neue Wasserrohre zu verlegen, um der staendig herrschenden Brandgefahr besser begegnen zu koennen – beim chinesischen Neujahrsfest war offenbar ein Feuer ausgebrochen und weil alles aus Holz ist, konnte sich das Feuer leicht ausbreiten.

Zudem waren viele daran, ihre Daecher zu reparieren, da bis vor einer Woche im Sueden Chinas einer der schlimmsten Kaelteinbrueche herrschte und massenweise Schnee fiel. Auch unser Guesthouse musste fuer einen Monat schliessen, weil die Wasserrohre eingefroren waren. Doch seit einer Woche laeuft nun alles wieder mehr oder weniger normal.

Bei der oertlichen Primarschule stellten sich die Schulkinder auf dem Schulhof grade zum Abzaehlen vor der Lehrerin auf, bevor sie ins Wochenende entlassen wurden. Zurueck im Guesthouse genossen wir die wunderbare Aussicht von der Terrasse und sahen zu, wie die Schatten laenger wurden und die Sonne unterging. Ein fantastischer Anblick. Das Nachtessen genossen wir ebenfalls auf der grossen Terrasse – ganz alleine mit zwei winzigen Buesis, die zu unseren Fuessen miauten und auch gefuettert werden wollten.

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Wir waren die einzigen Gaeste in diesem Guesthouse. ueberhaupt schien es, dass – abgesehen von unserem schottischen Backpacker-Kollegen – keine Gaeste ueber Nacht im Dorf blieben. Viele kommen als Tagestouristen her und fahren dann wieder nach Guilin zurueck. Wir fanden es etwas einmaliges, in diesem Doerfchen ueber den Reisterrassen zu uebernachten.

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Tom
Tom

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