Ein Königreich in der Südsee

The Kingdom of Tonga, 26. bis 31. Oktober 2007

An unserem letzten Tag in Christchurch besuchten wir nochmals Ivana im „Backpackers World“-Reisebüro, um bereits ein Mietauto in Australien zu organisieren – über das Reisebüro bekommen wir günstigere Tarife, als wenn wir dies vor Ort organisieren würden. Ivana stammt aus Tschechien und lebt seit acht Jahren in Neuseeland. Sie möchte aber gerne wieder heim, da ihre ganze Familie dort wohnt. Sie hatte wohl etwas Heimweh, da sie uns ganz viel über ihre Familie und Freunde in Tschechien erzählte. Wir fragten sie auch aus, wie sie denn Neuseeland so erlebt und verabschiedeten uns sehr herzlich.

In diesem Reisebüro stiess T vor ein paar Tagen auf einen Fotowettbewerb in einem Reisemagazin (Offenbar das grösste unabhängige Reisemagazin in NZ). Wir wählten ein Foto aus und schickten es gleich ein. Und siehe da, fast umgehend kam die Antwort zurück, dass das Foto in der nächsten Ausgabe gedruckt werde und T solle doch noch ein Föteli von sich schicken und einen Interviewbogen ausfüllen! Wir waren ziemlich überrascht und natürlich auch höchst erfreut. Nun sind wir gespannt, was weiter passiert.

Um 20.00 Uhr abends flogen wir über Auckland nach Nuku’Alofa, der Haupstadt des Königreichs Tonga, auf der Hauptinsel Tongatapu.

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Obwohl wir inzwischen ziemlich geübt sind, was Einchecken, Zollformalitäten und Security-Check anbetrifft, hatte R in Auckland eine kurze Schrecksekunde, als der Zollbeamte auf dem Bildschirm des Röntgengerätes ein Swiss Army Knife in ihrem Handgepäck entdeckte. Er meinte zu R, sie solle doch mal das Sackmesser auspacken und ihm zeigen. R glaubte schon, sie müsse sich wieder einmal von einem Sackmesser verabschieden. Doch der Zollbeamte schaute das Messer an, klappte eine Klinge auf, sagte „cool“ und gab es R wieder zurück. Wir waren sehr erstaunt und liefen schnell weiter, bevor der gute Mann noch auf andere Gedanken kam!

In Auckland mussten wir auf ein verspätetes Flugzeug aus Sydney warten, bevor wir weiterfliegen konnten. Nach ca. drei Stunden Flug kamen wir um 3 Uhr morgens in Tonga an, wo uns über dem Zollschalter schon ein grosses Schild mit „Welcome in the Kingdom of Tonga“ begrüsste. Die einheimischen Passagiere deckten sich alle noch im Dutyfree-Shop mit Alkohol ein, da dieser in Tonga sehr teuer ist.

Eine halbe Stunde später war das 30-tägige Touristvisa in unseren Pass gestempelt und draussen wartete bereits ein Shuttle, das uns zu unserer Unterkunft bringen sollte. Bequemerweise gab’s sogar einen Geldautomaten am Flughafen, sodass wir uns bereits mit Cash versorgen konnten.

Um ca. 4.00 Uhr morgens kamen wir in der Waterfront Lodge an, einem netten kleinen Hotel direkt am Hafen. Jedoch direkt an einer verkehrsreichen Strasse, sodass wir grad die Ohrstöpsel montierten, um gleich einschlafen zu können. Eigentlich hätten wir während unseres ganzen Aufenthaltes in der Waterfront Lodge bleiben wollen, doch dieses Wochenende fand gerade ein Treffen der pazifischen Insel-Oberhäupter statt. Deshalb war die Lodge voll für den Rest unserer Zeit auf Tonga und wir mussten noch am selben Tag um 10.00 Uhr wieder auschecken und in die Lagoon Lodge wechseln.

Nach dem Frühstück spazierten wir noch ziemlich müde dem Hafen und dem Meer entlang und weiter ins Stadtzentrum. Überall hatte es kleine Märkte, die Gemüse und Früchte, vorallem haufenweise Tapioka, Tomaten, Bananen und Melonen verkauften. Die Früchte waren meistens in Türmen aufgebaut oder lagen in sorgfältig geflechteten Palmblätterkörben. Die kleinen Kinder starrten uns ungeniert an, sahen wohl nicht so viele Touristen. Die Erwachsenen sind eher etwas zurückhaltend, sobald man aber zu plaudern anfängt, sind sie dabei und lachen viel und herzlich. Die Männer tragen häufig die traditionellen Röcke, die bis ca unter die Knie oder bis zum Knöchel reichen. Auch die Schuluniformen der Jungs bestehen meistens aus Rock und Hemd und sogar die Polizeibeamten tragen Röcke. Wirklich faszinierend. Manchmal sieht man über den Röcken noch einmal einen Bastrock, aber sehr schön vernäht, sieht richtig elegant aus. Dies wird offenbar zu formellen Anlässen getragen. Die Röcke sehen für uns ungewohnt, aber dennoch sehr hübsch und elegant aus.

Wir deckten uns in einem Supermarkt mit Frühstücks-Zutaten für die nächsten Tage ein, da die Lagoon Lodge ein Appartmenthotel ist, wo man selber kochen kann. Wir vermissten schon den Käse, das Vollkorntoastbrot und Yoghurt, die in Neuseeland jeweils auf unserem Frühstücks-, bzw. Campertisch standen. Wie vieles anderes, wird aber auch die Milch aus Neuseeland importiert und es gibt hier sogar das neuseeländische „tiptop-Glacé“!
Anschliessend fuhren wir mit einem Taxi zur Lagoon Lodge. Das Appartment war tiptop, zweistöckig und mit mehr Zimmern, als wir brauchten, mit einem schönen Garten und Sicht direkt auf die Lagune.

Leider war die Lodge aber sehr weit entfernt vom Stadtzentrum oder irgendwelchen Supermärkten, sodass wir jedesmal ein Taxi rufen mussten, wenn wir ins Stadtzentrum oder einkaufen gehen wollten. Man gewöhnt sich aber daran, ausser dass wir einmal vergessen hatten, den Fahrpreis zum Voraus auszuhandeln und prompt mehr bezahlen sollten. Wir fragten, warum der Preis nun plötzlich höher war als am Vortag, da wir schon einmal mit diesem Taxifahrer gefahren waren. Er meinte ganz logisch, am Sonntag koste es eben mehr!!!:-)))

Erst mal schliefen wir noch eine Runde und fuhren gegen Abend an die Waterfront, wo wir in einem Pub einen ausgezeichneten Fisch (Red Snapper) assen und das einheimische Bier Ikale probierten (jaja, Tonga hat eine königliche Brauerei:-)). Das Pub war ein Volltreffer für Samstagabend. Mit der Zeit kamen immer mehr Einheimische und es war total interessant zuzuschauen, wie sie den Samstagabend genossen. Wir machten Bekanntschaft mit unserem Nachbartisch, doch ganz soviel haben wir nicht verstanden. Einer unserer Nachbarn war eine „Fakaleiti“, ein Transvestit, der total Freude hatte, sich mit uns fotografieren zu lassen. Die „Fakaleiti“ sind eine in der eigentlich tiefchristlichen tonganischen Gemeinschaft akzeptierte Gruppe von tonganischen Männern, die sich als Frauen verkleiden und sich wie Frauen benehmen. Es gibt sogar jedes Jahr ein „Fakaleiti“-Festival.

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Da am nächsten Tag Sonntag war, der heilige Sabbat für die Tonganesen, machte das Pub schon um 24.00 Uhr zu. Wir gingen schon etwas früher, da es hiess, dass es nach dem Ausgang manchmal etwas ruppig zu und her gehe und es regelmässig zu Schlägereien komme. Dem wollten wir aus dem Weg gehen.

Am Sonntag war T’s Geburtstag. Wir taten, was die Tonganesen am Sonntag auch tun. Wir verbrachten den Tag mit süssem Nichtstun und gingen am Abend fein essen. Ratet mal was: Fisch:-)) Die Restaurants sind nicht billig, aber Seafood ist so frisch und gut gekocht hier, dass wir später wieder beim Essen sparen werden….

Am Montag gingen wir auf eine Inseltour. Um 10.00 Uhr wurden wir von einem netten Guide abgeholt. (R war etwas enttäuscht, weil er normale Jeans und keinen Rock trug.) Tongatapu lässt sich in einem Tag besichtigen. Zuerst hielten wir an einem Supermarkt, wo der Guide meinte, wir sollten Lunch kaufen, da es unterwegs keine Restaurants gäbe. Allerdings gab es da nicht allzu viel , das sich als Lunch geeignet hätte:-)) Wir kauften deshalb eine Flasche Wasser und eine Art Kuchen, das musste reichen…

R fragte im Supermarkt, ob es da irgendwo eine Toilette gäbe. Die beiden Mädels sagten erst nein, meinen dann aber, es hätte schon einen „bathroom“ hinter dem Haus, aber da habe es ein paar Hunde, die beissen würden. ..es war dann nicht mehr so dringend ;-o Es schien, als wäre diese eigentlich unbefriedigende Antwort für die tonganischen Girls eher akzeptabel als ein striktes Nein. Das ist eine Eigenheit (nicht nur…) der Tonganesen. Sie können nicht Nein sagen, das wäre sehr unhöflich. Darum sagen sie eher etwas Halbwahres und man muss sich dementsprechend verhalten und besser zweimal auf verschiedene Arten nachfragen.

Anschliessend besichtigten wir:

„Captain Cook’s Landing Site“: Hier landete James Cook während seiner letzten Pazifikreise

mehrere Schulen, Colleges und die südpazifische Universität:

„Mu’a & the Lapaha Archaeological Site“: Eine Art Pyramiden mit Gräbern, vorallem natürlich königliche

„Fishing Pigs“: Leider war gerade Flut, deshalb sahen wir keine fischenden Schweine. Bei Ebbe kommen die Schweine und graben im Sand nach Krustentieren. Wir stellens uns etwa so vor wie die Trüffelschweine und hätten die fishing pigs seeehr gerne gesehen.

„Ha’amonga’a Maui Trilithon“: Eines der eindrücklichsten Monumente von ganz Polynesien, auch „Stonehenge des Pazifiks“ genannt. Die Legende besagt, dass der Gott Maui diese Steinformation nach Tonga trug. Effektiv liess sie aber ein König ca. im 12. Jahrhundert erbauen.

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„’Anahulu Cave & Haveluliku“: eine Höhle mit einem unterirdischen Frischwasserpool. Das Rumlaufen in der Höhle war ein ziemliches Abenteuer und wir hätten gerne unsere Taschenlampen dabei gehabt. Nur der Guide hatte eine Taschenlampe und gab uns Kerzen, mit denen wir nicht sehr viel sahen. Einer der vier Kiwis, die mit uns auf der Tour waren, liess plötzlich einen Schrei los. Beim Sich-durch-die-Höhle-Tasten zwickte ihn plötzlich eine Krabbe in den Finger! Der Guide konnte sich kaum halten vor Lachen und schleppte die Krabbe nachher die ganze Zeit mit.

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An der Decke hatten sich ganz kleine Schwalben eingenistet, die sich wie Fledermäuse via Echolot in der Dunkelheit orientieren. So hörten wir die ganze Zeit ein Summen und Zwitschern von der Decke.

Schliesslich kamen wir nach einer abenteuerlichen Wanderung durch die Dunkelheit zu einem ziemlich grossen Frischwasserpool, in dem wir sogar hätten schwimmen können. Doch da der Pool in dieser Dunkelheit eher, wie ein bodenloses schwarzes Loch aussah, machte uns das nicht so an. Und plötzlich, als der Guide nochmals mit seiner Lampe aufs Wasser zündete, schwamm ganz langsam sowas wie ein grosser Aal vorbei! Also ehrlich, und da hätten wir reinspringen sollen! Der Guide behauptete aber, dass sei eine Art von Thunfisch und er hätte den auch zum ersten Mal gesehen. Aber die Kiwis und wir glaubten das nicht so ganz, es sah wirklich eher nach einem Süsswasseraal aus, wie der da so rumschlängelte.

Ausserhalb der Höhle war gleich der Beach und dazwischen ein Friedhof. Die Friedhöfe sind sehr speziell hier, die Gräber jeweils aus Sand aufgeschüttet und bunt geschmückt mit Plastikblumen und -girlanden..

„Royal Estate“: eine königliche Residenz, sehr schön gelegen mit natürlich unverbauter Sicht aufs Meer.

„Blow holes“: Sensationell! Über fünf Kilometer weit sieht man über terrassierte Klippen hunderte von Blow Holes, durch die das Meerwasser bei starker Brandung bis zu 30 Metern in die Luft schiesst. Das Wasser hat eine ganz blaue Farbe, ähnlich einem Gletschersee. Die Blow Holes auf Tonga gehören offenbar zu den eindrücklichsten im ganzen südpazifischen Raum – ein wirklich packendes Naturschauspiel.

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„Flying Foxes“: Im pazifischen Raum häufig vorkommende Flughunde (waren allerdings auch mal vom Aussterben bedroht). Die hingen da einfach in den Bäumen neben der Strasse, machten einen Riesenkrach und flogen kreuz und quer herum.

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Wieder zurück in Nuku’alofa besichtigten wir noch den königlichen Palast und die königlichen Gräber, aber nur von aussen. Der Palast sieht eher aus wie ein grösseres Kolonialstilhaus.

An diesem Abend toppten wir das Essen von gestern grad noch und dinierten im feinen Lunarossa gleich neben der Lagoon Lodge. Zur Vorspeise gab’s ein Süppchen, gefolgt von Shrimp Cocktail und Austern nach Lunarossa Art, abschliessend als Hauptgang „Fish of the Day“, T einen „Mahimahi“ und R einen „Red Snapper“. Mmm – lecker! Als kulturelle Zugabe erzählte uns die sehr gesprächige Servicedame ein wenig über die Esskultur und Lieblingsspeisen der Einheimischen.

Da am nächsten Tag immer noch ein heftiger Wind blies und es zwischendurch auch regnete, liessen wir das Schnorcheln sein und gingen stattdessen nochmals ins Stadtzentrum, um ein bisschen rumzubummeln.Wenn es regnet, gibt es auf Tonga nicht sehr viel zu tun, darum war es auch okay, dass wir am nächsten Tag bereits wieder weiter nach Sydney flogen.

Um einen tieferen Eindruck zu gewinnen, war unsere Zeit in Tonga natürlich zu kurz. Wir fanden es trotzdem sehr interessant, ein Königreich in der Südsee mit ca. 100’000 Einwohnern zu besuchen und werden sicher noch mehr darüber lesen.
Der Tourismus ist nicht sehr weit entwickelt, obwohl die Inseln ein richtiges Südseeparadies wie Fidji oder Cook Island sind. Die Lagoon Lodge war sicher eine der besseren Unterkünfte, von anderen hörten wir, dass vorallem die Toiletten und Duschen ganz schön dreckig seien. Bei uns tauchte nur einmal eine Kakerlake auf:-).
Dennoch war unser erster Eindruck sehr gut und wir haben uns wohl gefühlt. Die Einheimischen sind sehr freundlich, winken und grüssen schon von Weitem. Letztes Jahr starb der König, der über 40 Jahre regiert hat. Zur Zeit regiert sein Sohn, der schon 61 Jahre alt und immer noch Single ist. Nun sind wohl einige gespannt, wie es weiter geht.
Ein grosses Problem in Tonga ist Übergewicht. Neun von zehn Erwachsenen sind übergewichtig. Die königliche Familie hat das Problem erkannt und geht heute etwas häufiger ins Fitnesstudio, um mit gutem Beispiel voranzugehen.

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An unserem letzten Tag gegen Mittag flogen wir über Auckland nach Sydney. Nun sind wir in der Zeitzone Europa wieder zwei Stunden näher gerückt. In Neuseeland und Tonga warens noch genau 12 Stunden Zeitunterschied, in Sydney nur noch 10 Stunden. Nach den gestrengen Zollformalitäten der Aussies, australische Dollar abheben, Zimmer suchen über die Telefonzentrale am Flughafen und mit dem Shuttle in die Stadt fahren sassen wir schon bald in Kings Cross (da kommen bei R auch wieder ein paar Erinnerungen auf) in einem hübschen Gartenbeizli bei sehr viel wärmeren Temperaturen als in Neuseeland.

2 thoughts on “Ein Königreich in der Südsee

  1. hey thomas

    hesch du geburi gha vor es paar tag? han sowas ghört munkle, deshalb
    HERZLICHI GRATULATION!!!!
    hesch mit de beide ladies uf em bild gfiiret?

    ich wünsche eu no en super ziit!
    bis bald
    markus

    ps: mer hend grad s’TMT redesigned. du hetsch also freud, wenn das würdsch gseh :D

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