Smørrebrød on the rocks

Für den schon fast traditionellen österlichen Städtetrip wäre angesichts der aktuellen winterlichen Verhältnisse eigentlich eine möglichst südliche Destination angesagt gewesen. Mangels passender Angebote und auch wegen der Tatsache, dass der Norden Europas für uns weitgehend noch ‚Terra Incognita‘ ist, fiel die Wahl schliesslich auf Kopenhagen.

Am Gründonnerstagabend war Take-Off mit der SWISS, die uns wohlbehalten nach rund anderthalb Stunden in der dänischen Hauptstadt absetzte. Am Flughafen besorgten wir uns an einem Ticketautomaten gleich mal zwei ’72-Stunden-Stadt-GAs‘, die uns zur freien Benutzung aller Busse und U-Bahnen berechtigte. Nun ja, ‚U-Bahnen‘ ist ja fast schon ein wenig übertrieben. Das Kopenhagener U-Bahn-Netz ist mit zwei Linien recht bescheiden. So führerlos und vollautomatisch, wie die Wagons durch die Tunnel gleiten, ist dieses Gefährt mit dem Flughafen-Shuttle in Kloten zu vergleichen. Für den Transfer zu unserem Hotel war das allerdings perfekt. Nach einer kurzen Fahrt zur Station ‚Kongens Nytorv‘ und einem 15-minütigen Marsch durch die menschenleere Shoppingmeile kamen wir auch schon in unserem Hotel ‚Twentyseven‘ an und konnten auch gleich unser Zimmer beziehen. Das Hotel war soweit ok. Vom Tripadvisor offenbar 2012 als trendigstes Hotel in Dänemark erkoren – wären wir jetzt einfach so glaube ich nicht drauf gekommen. Grundsätzlich aber voll in Ordnung: Personal nett und hilfreich, Zimmer eher etwas klein, Atmosphäre ‚geschäftiges Stadthotel‘. Ein riesiges Plus ist sicherlich die Lage. Mitten im Zentrum, gut erreichbar und trotzdem ziemlich ruhig in der Nacht. Das hat allerdings auch damit zu tun, dass die sich die Aussentemperatur jeweils so um den Gefrierpunkt bewegt hat und die Outdoor-Bar-Aktivitäten deshalb sicherlich nicht gerade ihren Höhepunkt hatten.

Den Anreisetag beschlossen wir mit einem kleinen Schlummertrunk in einer gemütlichen Bar gleich beim rund fünf Gehminuten entfernten Rathausplatz. Dass wir uns dabei eine der beliebtesten Gay-Bars ausgesucht hatte, erfuhren wir dann erst etwas später – angesichts des Verhaltens der vorwiegend männlichen Kundschaft hatten wir zwar schon so was Ähnliches vermutet.

Am Freitagmorgen starteten wir die Stadterkundung zuerst mal mit einem feinen Zmorgen in einem Restaurant/Bar/Café in der nahegelegenen Fussgängerzone. Im Gegensatz zu unserer letzten Städtereise in Brüssel, ist es in Kopenhagen recht einfach sich am Morgen zu verpflegen. Meistens ist irgendein fertiges Frühstück/Brunch auf der Karte oder es gibt gleich ein ausgewachsenes Frühstücksbuffet (v.a. am Wochenende), bei dem man sich zu moderaten Preisen den Bauch vollschlagen kann – das reicht dann auch schon beinahe für den Rest des Tages. Und wenn alle Stricke reissen gibt es ja noch die allgegenwärtigen ‚Pastries‘ oder dann das ‚Smørrebrød‘.

Gut gestärkt und dick eingepackt mit Wollmütze und Handschuhen starteten wir unsere Erkundungstour durch Kopenhagen. In der Nähe des Tivoli konnten wir einen Bus besteigen, der uns vom Zentrum raus Richtung ‚Lille Hayfrue‘ – zur Kleinen Meerjungfrau brachte. Bis wir schliesslich die berühmte kleine Bronzefigur bestaunen konnten, mussten wir noch einen kleineren Fussmarsch durch die klirrende Kälte hinter uns bringen. In Verbindung mit dem stetigen eisigen Wind wurde dabei vor allem das ‚Fötelen‘ zu einer Härteprobe für die armen Fingerchen. Die Meerjungfrau, die ihr Vorbild im gleichnamigen Märchen des dänischen Dichters Hans Christian Andersen hat, wird ihrem Namen gerecht und ist tatsächlich ziemlich klein. So dass man sich schon ein wenig fragt, warum das jährlich Millionen von Touristen anzieht. Die Hafengegend rund um die Kleine Meerjungfrau ist aber auch sehr sehenswert und interessant.

Velostadt Kopenhagen

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Malerische Seitenblicke auf dem Weg zur Meerjungfrau

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Den lille Hayfrue

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Treibeis im Hafen

Von da liefen wir wieder zurück Richtung Zentrum. Dabei kamen wir vorbei an ‚Amalienborg‘, der königlichen Residenz mit den blaubehosten königlichen Guards, deren Wachablösung um 12 Uhr jeweils eine grosse Touristenattraktion ist.

Gleich vis-à-vis kann man die imposante ‚Frederiks Church‘ (aka The Marble Church) mit der grössten Kuppel von ganz Skandinavien bestaunen.

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The Marble Church

Nach ein paar Kaffee- und Verpflegungsstopps (v.a. auch zum Aufwärmen) trafen wir am ‚Nyhaven‘ ein. Diese sehr pittoreske Hafengegend mit den farbigen Häuserzeilen war ursprünglich ein geschäftiger Handelshafen. Heute ist es eine sehr populäre und gut besuchte Ausgeh- und Touristenmeile, an der sich ein Restaurant/Bar ans andere reiht. Zur Zeit unseres Besuches war es auch schon recht voll, wohl aber nicht zu vergleichen mit dem, was da im Sommer abgeht.

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Am Nyhaven

Damit war das Programm für den ersten Tag eigentlich schon mehr oder weniger abgeschlossen. Hungrig von den nicht zu unterschätzenden Fussmärschen bei winterlichen Temperaturen, gönnten wir uns am Abend ein feines ‚Aftensmad‘-Buffet.

Am Samstag wollten wir die dänische Wirtschaft ein wenig ankurbeln und auf Shoppingtour gehen. Als erstes besuchten wir das traditionsreiche Kaufhaus ‚Illums Bolighus‘. Dänisches Design und viele schöne Dinge, von denen wir gerne ein paar mit nach Hause genommen hätten. Meistens scheiterte das entweder am physischen Umfang oder dann am Preis. Aber immerhin schön anzusehen war es.
In den weiteren europaweit vertretenen Mode- und sonstigen Läden konnten wir jedoch weitaus weniger Attraktives und Neues entdecken, so dass wir beschlossen, den Rest des Tages doch lieber mit dem Erkunden der Stadt zu verbringen.

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Im Illums Bolighus

Das war eine durchaus gute Entscheidung. Denn so kamen wir auch noch in den Genuss von ‚Christianshavn‘, einem ebenfalls sehr malerischen Hafenbezirk, der jedoch im Gegensatz zu ‚Nyhaven‘ viel weniger touristisch, dafür authentischer wirkt. In der gleichen Gegend findet man auch das sehr moderne und imposante Opernhaus. (das einen übrigens sehr ans KKL erinnert). Auf der Rückfahrt mit dem Bus ins Zentrum kamen wir mehr zufällig an ‚Christiania‘ vorbei. Da wir davon gelesen hatte und uns das interessierte, stiegen wir sofort aus, um uns diese Kopenhagener Kuriosität aus der Nähe anzusehen.

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Christianshavn

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Das Kopenhagener KKL

‚Christiania‘ nennt sich eine alternative Wohnsiedlung, die sich selber zu einer selbstverwalteten Freistadt ernannt hat. Gegründet 1971 ist das noch ein Übrigbleibsel aus der Hippie-Zeit. Anstelle des Hippie-Groove ist uns das Ganze als etwas heruntergekommen erschienen – mag auch daran liegen, dass man v.a. irgendwelche dubios wirkende Typen um Ölfässer-Feuer herumstanden sah und in einem etwas abgegrenzten Bereich mehr oder weniger öffentlich die verschiedensten Sorten von Cannabis-Harzen zum Kauf angeboten wurden. Es war uns nicht ganz klar, ob das nun eigentlich legal war oder eher nicht. Jedenfalls liessen wir davon ab, hier unsere Shopping-Aktivitäten wieder fortzusetzen.  ..aber der Café-Latte im gemütlichen Kommunen-Beizli war sehr fein.

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Christiania – eigentlich  ..no pictures please

Nach dem üppigen Znacht-Buffet vom Vortag hatten wir eher Lust auf einfacheres Abendmahl und verköstigten uns deshalb bei einem sehr traditionell eingerichteten Chinesen im zunehmend trendigen Stadtteil  ‚Vesterbro‘.

Was für eine Freude! Der Sonntagmorgen präsentierte sich mit einem strahlendblauen Himmel. So machte die weitere Stadterkundung natürlich doppelten Spass.  Das Frühstück genehmigten wir uns in einem der vielen Restaurants am Nyhaven. Wenn kulinarisch auch ein bisschen enttäuschend, genossen wir dafür den Hafen nochmals bei Sonnenschein. Das animierte uns dann auch noch zu einer Hafenrundfahrt auf einem der Touriboote. Obwohl temperaturmässig nur ganz knapp an der Grenze zum Draussen sitzen (aber für seriöses Fötelen natürlich unerlässlich), war das sehr interessant und eines der Highlights.

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Nyhaven bei Sonnenschein

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Die Bibliothek (aka Black Diamond)

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Brücken-Unterquerung

Leicht durchfroren legten wir dann gerade rechtzeitig wieder an, um noch den letzten Teil der Wachablösung an der ‚Amalienborg‘ mitzuverfolgen. Eigentlich passiert ja dabei nicht wirklich viel, aber es ist trotzdem noch witzig zu sehen, wie die lebensgrossen Zinnsoldaten ihr gut einstudiertes tägliches Ritual vollziehen.

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Aaachtung!

Nachdem wir uns mit einem seeehr feinen Smørrebrød und Bierchen nochmals gestärkt hatten, genossen wir das herrliche Wetter bei einem Spaziergang  vorbei am ‚Rosenborg Castle‘ zu den ‚Lakes‘ – ein paar quadratisch angeordneten Seen und beliebtes Naherholungsgebiet mitten in der Stadt.

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Rosenborg Castle

Am letzten Abend gönnten wir uns noch ein ausgezeichnetes Stück Fleisch in einem Steakhouse. Damit ging unsere kleine skandinavische Osterreise auch schon wieder zu Ende. Die Rückreise am frühen Montagmorgen – auch wieder bei wolkenlosem Himmel – verlief ohne grosse Zwischenfälle, so dass wir am frühen Nachmittag bereits wieder Zuhause ankamen – zwar mit weitgehend leeren Einkaufstüten dafür mit vielen neuen schönen Eindrücken. Kopenhagen hat uns sehr gut gefallen – gerne wieder  … aber dann vielleicht eher im Sommer ;-)

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