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Archive for Ladakh

Ladakh

Ladakh-Fotogalerie!

Delhi, 7.07.05/8.07.05

Am Morgen um 4.00 Uhr holte uns die Mama von Thomi ab. Beim Einchecken meinte die KLM-Dame, dass wir auf dem Flug Amsterdam - Delhi nicht zusammen sitzen könnten und dass Thomi auch keinen Sitz mit mehr Platz für die Beine erhalte. Etwas verblüfft liessen wir das mit uns geschehen.

In Amsterdam waren wir pünktlich und mussten drei Stunden warten. Es hatte unendlich viele Leute, vermutlich wegen der Ferienzeit. Wir deckten uns mit Büchern ein und gingen zum KLM-Desk, um noch mal wegen der Sitzplätze nachzuhaken. Und siehe da, es schien sehr einfach zu sein und wir bekamen zwei sehr gute Plätze mit viel Platz. Nimmt uns wunder, was in Zürich schief ging.

Der Flug ging schnell vorbei. Nach acht Stunden und mit 3 ½ Stunden Zeitunterschied landeten wir um 23.00 Uhr in Delhi. Nach dem Zoll wechselten wir Geld in Rupies und fanden trotz der riesigen Menschenmenge und tausend Begrüssungsschildern schnell unseren Guide.

Wir warteten draussen auf unser Taxi und bekamen den ersten Eindruck von Delhi. Schwülheiss, viel Verkehr, grosses Chaos, grün-gelbe Tuktuks (die hier Autos heissen) und heilige Kühe.

Die Fahrt ins Hotel Broadway dauerte ca. ½ Stunde. Dort bezogen wir unser Zimmer und gingen schlafen. Frühstück gabs in einem sehr netten Restaurant, das zum Broadway gehört. Das Broadway ist ein sehr professionelles Hotel für locals und Touris mit Service rund um die Uhr.

Gegen Mittag holte uns ein Guide für die Sightseeing Tour New Delhi ab. Der Chauffeur fuhr uns mit einem Ambassador, einem typischen indischen Auto herum. Der Chauffeur war sehr stolz, dass er mit so einem Wagen rumfahren durfte. Was wir nicht so lustig fanden, als er ein Fahrrad anfuhr, der Junge sein Gleichgewicht nicht mehr halten konnte, und sein ganzer Korb mit lebenden Fischen und dazugehörigem Wasser mitten auf die Strasse leerte. Man muss sich das vorstellen, mitten auf einer seeehr belebten Strasse. Der arme Junge. Zum Glück haben ihm ein paar Leute geholfen. Unser Chauffeur fuhr völlig versnobt davon. Somit stimmt wohl dieses Gerücht: die Fussgänger haben gar nix zu sagen, dann kommen die Radfahrer, die Rikschas, die Autos, dann die Busse, und an absoluter Spitze seine Heiligkeit, die Kuh. Die darf jetzt aber gar keiner umnieten, sonst wird er auch umgenietet.

Die Kühe haben übrigens schon ein spezielles Charisma. Das sind nicht so dumpfbackige, in die Leere stierende Viecher, sondern echt elegante, cremefarbige, weisse oder dunkle Schönheiten mit einem eleganten Buckel auf dem Rücken und sehr viel grösser als unsere Kühe. Umso eleganter wirken sie natürlich, weil sie wirklich durch die ganze Gegend latschen, ohne Rücksicht auf irgendwelchen Verkehr, egal ob es sich um Riesenlaster handelt. Und wie die die Hitze aushalten?

It was hot!!! 35 Grad und 93 % Luftfeuchtigkeit. Da muss man sich schon erst mal daran gewöhnen. Wir sahen das India Gate, Delhi Gate, die Residenz des indischen Präsidenten, das Parlament, die Lordi-Gräber, Ferozshah Kotla und eine Gebetshalle in der Form einer Lotusblüte. Die Gebetshalle gefiel uns am besten. Schön kühl innen drin, ruhig und Leute aller Nationen kamen diese Halle besuchen. Die Tour war interessant. Aber ebenso interessant ist das Treiben auf den Strassen, das sich ziemlich stark von unseren wohlgeordneten Strassen unterscheidet.

Und schliesslich war da auch noch der unvermeidliche Besuch im Teppichladen. Das sind ja wirklich sehr schöne Teppiche, handgeknüpft. Das braucht sehr viel Zeit und darum sollen sie auch ruhig mehr kosten. Aber warum bloss wird man auch dahin geschleppt, wenn man gar nicht will? Man wird gar nicht befragt, wortlos wird man in die Räumlichkeiten gebeten, setzt sich, kriegt Tee und dann fängt die Show an.

Der Vorführer war ein sehr seriöser Mensch, der das Wort “carpet” sehr speziell aussprach. “caaapet”, “caaapet”. Wirklich sehr speziell und Thomi konnte sich nicht mehr halten vor lachen. Der Guide hat ziemlich schnell mitbekommen, dass wir wohl nicht an einem Teppichkauf interessiert waren und musste selber lachen. Das Wort “caaapet” gehört heute zu Thomis und meinem tagtäglichen Sprachgebrauch.

Am Abend assen wir im Restaurant Chor Izorre. Sehr gut und sehr scharf, wir brauchten schon ein Joghurt zum Neutralisieren. Wir entdeckten aber auch, dass Delhi und wohl ganz Indien nicht unbedingt Weinland ist. Nach einem Glas Wein in diesem Restaurant ahnten wir schon, dass wir für den Rest der Reise wohl auf Weingenuss verzichten würden.

Leh, Ladakh, 9.07.05

Am morgen standen wir um 3.00 Uhr auf, fuhren um 4.00 ab und sollten um 5.40 nach Leh abfliegen. Am Abend hatten wir noch an der Reception gefragt, ob wir wohl ein Frühstück erhalten würden. Um 3.00 gabs Tee und vier winzige Biskuits. Keine 10 Minuten später stand der Kellner wieder vor der Tür und wollte den Tee abholen. Warum denn die Eile?

Wir freuten uns schon auf Leh. Delhi ist im Sommer etwas zu heiss und dient eigentlich nur als Drehscheibe zum Weiterfliegen. Am Flughafen erlebten wir eine böse Überraschung, auf die uns aber Daniela per Telefon schon vorbereitet hatte. Die vorherigen Tage regnete es sehr stark in Leh. Da die Piloten nur auf Sicht fliegen, wurden alle Flüge abgesagt. Auf dem Flughafen warteten nun noch alle Leute, die zwei und einen Tag vorher hätten fliegen sollen. Und die erhielten nun natürlich die ersten Plätze. Unser Flug wurde um 5h Stunden verschoben.

So setzten wir uns halt auf den Boden, lasen und schauten dem Treiben zu. Immerhin erhielten wir schnell eine Boardingkarte für den Flug um 10.40, so wussten wir, dass unsere Sitze reserviert waren. Wir checkten das Gepäck ein, worauf die Dame sagte:”please go to Security Check and identify your baggage.” Grosses Fragezeichen. Als ich sie fragte, was das heisse, meinte sie, dass heisse eben, please identify your baggage. Ein nach dieser Antwort etwas hässiges Renatli ging durch den Security Check und ging das Gepäck identifizieren. Das ganze Gepäck lag auf dem Flughafenfeld rum und man musste sagen, welches einem gehört. Daraufhin wurde das Gepäck markiert und im Flugzeug auch mitgenommen. Warum einfach, wenn’s auch kompliziert geht. Manchmal kommt man schon in Versuchung, ein etwas effizienteres Vorgehen vorzuschlagen.

Das ganze Security Getue geht einem schon etwas auf die Nerven. Aber irgendwie ist es auch verständlich. Das Ladakh ist eine Pufferzone zwischen China, Indien und Pakistan; und Kashmir liegt auch noch gleich daneben. Im Ladakh sind etwa 30′000 Soldaten stationiert, fast soviel wie Ladakhis selber. In den Flughäfen darf man nicht fotografieren. Man darf noch vieles nicht und ich würde es auch gar nicht probieren, sonst entstehen heikle Situationen. Für uns Schweizer sind dies ungewohnte Regeln.

Endlich kam der Aufruf zum Boarden. Und wieder kamen Security Checks. Ich hatte vermeintlich den Security Check Zettel von vorhin verloren. Ohne den wollten sie mich nicht ins Flugi lassen. Leichte Panik kam bei mir auf, doch es stellte sich heraus, dass der Zettel einfach inwendig im Rucksack stecken geblieben war. Jedoch schleppten sie mich dann wieder hinter den Vorhang zum durchsuchen, ich glaube, diesmal nur aus Schikane. Thomi wartete draussen auf mich und so sassen wir als allerletzte und ganz alleine im Flughafenbus und dachten schon, die würden uns vergessen. Taten sie aber nicht und es gab sogar was Feines zu essen im Flugi.

Schon bald tauchten die ersten schneebedeckten Berge auf. Fünf- und Sechstausender. Ein grandioser Anblick! Wir hatten Glück und sassen auf der linken Seite des Flugzeuges. Über Leh kreiste das Flugzeug ziemlich lange, um ganz langsam an Höhe zu verlieren. So gewann man schon den ersten Eindruck von Leh.

Nach der Landung erwartete uns Daniela von Gesar Travel am Flughafen. Wir fuhren zu unserem Guest House Saiman Lodge, wo wir die nächsten Tage nächtigen würden. Die Lodge Lady war sehr, sehr nett, mit einem komplizierten Namen, den wir uns nicht merken konnten. Vom Zimmer waren wir ganz begeistert. Sehr gross, schöne Aussicht mit vielen Fenstern, Bad mit warmer Dusche, gut funktionierendes WC. Und für uns machte die Dame auch Frühstück. Erst aber gingen wir ein paar Stunden schlafen. Auf Befehl von Daniela und ihrem Mann Tashi, die uns auch noch mit Wasser versorgten und meinten, wir sollten viel trinken und aber nicht schlafen, sondern nur ausruhen. Das machten wir gerne, weil wir die Höhe 3500m sehr gut spürten. So tranken wir, ruhten wir und mussten alle halbe Stunde aufs WC.

Um 17.00 Uhr machten wir Sightseeing of Leh. Lernten den Markt, die Hauptstrasse kennen, die vielen grossen Gebetsmühlen, Stupas, Kloster. Den Dzomsa, wo man seine Flaschen hinbringen und wieder mit abgekochtem Wasser auffüllen kann und auch seine Wäsche abgeben kann. Dzomsa reinigt die Wäsche umweltschonend, was man nicht von allen Wäschereien in Leh sagen kann. Man sieht sehr häufig Leute, die in den Bächen mitten im Dorf ihre Wäsche waschen.

Am Abend assen wir auf der Dachterrasse eines Restaurants. Nicht unbedingt indisch, eher gemischt mit italienisch. Bald einmal gingen wir schlafen und machten mit der Lodge Lady aus, dass wir um 7.15 Uhr frühstücken wollten. Am Abend ist es ziemlich dunkel in Leh. Man nimmt mit Vorteil eine Taschenlampe mit, weil die Elektrizität in der Nacht ausgeht. Auch im Zimmer muss man mit Taschenlampe hantieren, hat aber manchmal auch Glück.

Leh, 10.07.05

Wir konnten sogar warm duschen, was wir wirklich nicht erwartet hatten. WC-Papier muss man immer selber organisieren. Die meisten Guest Houses haben auch keine Frotteewäsche, aber unseres ist eben ganz modern. Frühstücken konnten wir bereits draussen im netten Garten. Es war schon genug warm, trotz Höhe 3500m und 7.00 Uhr morgens.

Es gab Tee, feine Tandoori- und andere selbstgebackene Brote, Omelette und selbstgemachtes Yoghurt. Sehr fein! Frisch gestärkt gingen wir auf Sightseeing Tour. Um 8.00 Uhr ging’s los. Ca. 1 Stunde fuhren wir bis zum Kloster Hemis. Das schauten wir uns gründlich an. Erst waren die Tempel aber noch geschlossen und es hiess, die Mönche nähmen gerade an einem Seminar teil. Wir durften dann auch hineinsitzen und zuschauen. Da hatte es erwachsene und noch junge Mönche. Wir durften einfach hineinsitzen und sogar Föteli machen. Die kleinen sind so herzig mit ihren runden Gesichtern und den Glatzköpfen. Und die Mönche sind sehr, sehr freundlich, lachen einen an und man fühlt sich sehr wohl. So fällt es einem sehr leicht, einander zu respektieren.

Dann waren die Tempel offen, und wir schauten alles an. Die Tempel sind immer gleich oder zumindest ähnlich aufgebaut. Fotos machen ist meistens erlaubt. Dennoch sollte man sich respektvoll verhalten und sich zum Beispiel auch nicht vor betende Gläubige hinstellen. Wir fuhren dann weiter zum Kloster Tikseh. Das war jedoch geschlossen, weil die Mönche feierten. Das kommt offenbar sehr selten vor, unser Guide hatte das auch noch nie gesehen. Die Mönche feierten in einer grossen, auf eine Seite offenen Halle. So konnten alle zusehen, wie die anderen Mönche auf einen schwarzen Kreis Pfeile mit grossen Pfeilbogen schossen. Die Mönche hatten viel Spass dabei, hüpften herum, tanzten und genossen den Tag. Auch die Touristen waren eingeladen, ein paar Pfeile zu schiessen.

Der Chefmönch hatte einen schönen Thron. Dort durfte man vorbei, ihn begrüssen. Er legt als Geschenk einen Schal um den Hals, den man mitnehmen darf. Das nächste Mal gehe ich auch hin.

Nach diesem netten Spektakel gingen wir zum Lunch in ein sehr nettes Gartenbeizli. Das Essen war nicht besonders. Ich hatte Nudelsuppe (ladakhische Spezialität), aber die Nudeln waren nicht gesalzen. Thomi hatte Fried Rice, sah aber aus wie Risibisi. Die Toilette war eine quadratisches Steinhütte mit zwei Stockwerken. Man steigt auf einer Aussentreppe in den ersten Stock, der nicht gedeckt ist, und macht dort durch ein Loch in den unteren Stock sein Geschäft. Diese Toiletten sollten wir noch auf unserer ganzen Reise antreffen. Die Ladakhi brauchen die Exkremente im Herbst als Dünger für die Felder.

An dieser Stelle vielleicht auch noch etwas zu den Toilettensitten. Es ist nun mal so, dass es nicht einfach überall auf der Welt schöne, komplett hygienische Sitzklos mit automatischem Ringabputzer gibt. Trotzdem habe ich gar nichts gegen diese Plumpsklos. Man kauert sich hin, lässt es rieseln oder plumpsen, hat wohl zwischendurch den Krampf in den Beinen, dafür ist diese Methode gleich hygienisch wie der Ringabputzer.

Anschliessend besuchten wir den Shey-Palace. In der Übersetzung heisst dies Mirror Palace, weil sich früher der Palast im See gespiegelt hat. Diesen Palast besuchten früher die Königinnen, um ihre Kinder zu gebären. Der Palast ist sehenswert, auch mit der schönen Aussicht. Aber es war so heiss, dass wir nachher sehr gerne ins Guest House zurück gingen, um ein bisschen zu ruhen. Die Höhe und die Hitze sind nicht zu unterschätzen und bevor man auf ein Trekking geht, tut man gut daran, ein paar Tage zu akklimatisieren.

Danach brachten wir unsere Pässe zu Daniela für ein Permit. Dann gingen wir shoppen: Notizbuch, WC-Papier, Postkarten, Crackers, Brot, Cookies und Wasser. Und setzten uns daraufhin in den schönen kühlen Garten, wo wir lasen und schrieben, bis es zu kühl wurde. Anschliessend gingen wir essen. Chicken Tikka und Chicken Masala, not spicy. Das schmeckte sehr gut. Jedoch hatten wir zuerst Mushroom Tikkas und die waren saumässig scharf. Ich konnte es aber nicht lassen, sie zu essen, habs dann die ganze Nacht gemerkt, dementsprechend nicht gut geschlafen und am Morgen hatte ich Krämpfe.

Leh, 11.07.05

Wir assen wieder draussen Frühstück, was wir jeweils sehr genossen. Um 8.30 fuhren wir nach Sabu und liefen über einen kleinen Pass nach Leh zurück. Um neun Uhr war es schon SEHR heiss. Ich fragte mich, wie das wohl gehen sollte mit meinen Krämpfen, der Hitze und der Höhe. Der höchste Punkt war auf 3800. Aber es ging ganz gut, wir hatten schöne Aussicht auf Leh. Richtung Leh tauchten langsam Buddhistengräber auf. Das sind einfache, rechteckige Steingräber mit Steinen drauf. Dort werden die Toten verbrannt.

Auf dem Rückweg liefen wir durch ganz Leh und dann zum Castle hinauf. Das wird seit zig-Jahren restauriert, geht aber irgendwie nicht vorwärts. Der Tempel ist sehenswert und uralt. Ansonsten ausser Aussicht auf Leh nicht so besonders. Nachher waren wir so fertig, dass wir uns wieder ausruhen mussten. Am späteren Nachmittag liefen wir zur grossen Chanskah Stupa hinauf. Das sind mehr als 500 Treppenstufen, wir habens gut gemerkt. Die Aussicht oben ist fantastisch. Es hat leicht gewindet und war angenehm warm und total friedlich. Ein paar Inder aus Delhi wollten unbedingt Fotos mit uns machen. Das ist offenbar gang und gäbe.

Zurück im Guest House packten wir unsere dreckige Wäsche zusammen und brachten sie in die umweltfreundliche Wäscherei. 1.8 Kilo = 100 Rupien = CHF 3. Und daneben kann man gleich noch ein feines Lassee trinken.

Danach assen wir wieder auf einer Dachterrasse und genossen den Abend. Immer noch verzichteten wir freiwillig auf Alkohol. Wir waren immer noch am akklimatisieren und die Lust zu einem Apéröli fehlte. Jeweils um acht Uhr ging die Sonne unter. Zum heimlaufen brauchten wir die Taschenlampe. Wir gingen ziemlich früh ins Bett. Morgen fahren wir auf 5400 Meter, wird als “the highest motorable road” bezeichnet.

Leh, 12.07.05

Ich hatte kein Auge zugetan die ganze Nacht! Was für ein Krampf, welcher Frust! Doch nach dem Frühstück im Garten fühlte ich mich schon besser, mein Magen hatte sich schliesslich gründlich entleert.

Um 7.00 Uhr fuhren wir Richtung Kardong-La, dem offenbar “highest motorable highway of the world”. Das darf man nicht so ernst nehmen, aber bestaunenswert ist die Höhe allemal. Ca. zwei Stunden ging es holprig hinauf. Ich fragte mich schon, wie das der kleine herzige Bus schaffte. Offenbar war aber der Driver sehr talentiert.

Der Weg bis zum Pass ist schon ein Erlebnis. Erst noch ein bisschen grün rundherum, dann nur noch steinige Passstrasse. Plötzlich sahen wir ein Murmeltier! Ein hübsches, fettes, ganz helles Murmeltier. Zweimal kamen wir an einem Checkpoint vorbei. Für diesen Weg braucht man ein Permit, da der Weg über den Pass ins Nubra Valley führt, welches Sperrzone ist, weil sehr nahe an der Grenze zu China.

Wir überholten bestimmt 30 Militärlaster, die die Militärstationen im Nubra Valley versorgten. Unser Fahrer war immer schön vorsichtig mit den Militaristen. Er meinte, die könnten ganz schön aggressiv sein. So sahen sie auch aus. Auch die Laster tönten ganz aggressiv, und ich fühlte mich in einen dieser Kriegsfilme versetzt.

Unterwegs gabs Milktea für uns, sehr süsser Tee mit Milch drin. Unser Guide musste eine rauchen. Warum auch immer. Er war sonst sehr genügsam, sehr gläubig und ein ganz Netter. Aber vielleicht war er nervös wegen morgen, wegen dem Trek, auf dem er uns begleitete. Als wir am morgen mit dem Bus losfuhren, dachte ich erst, der Radio laufe, aber unser Guide verrichtete seine Gebete.

Auf dem Pass hatte es jede Menge Militaristen. Die schlafen auch auf dieser Höhe, 5600m! Und das ganze Jahr! Schon ein bisschen öde und kalt. Auf der ganzen Passstrasse hatte es Roadworkers, die gehören auch zum Militär. Die Roadworker sahen aber nicht besonders schnell oder motiviert aus.

Die Strasse ist offenbar bis auf eine Woche das ganze Jahr offen. Unglaublich! Aber es gibt offenbar auch viele Unfälle, wenn die Lawinen runterkommen.

Die Passhöhe an sich war nicht sehr spektakulär. Wir hatten auch etwas Pech mit der Sicht. Bei guter Sicht könnte man nämlich die Siebentausender im Nubra Valley sehen.

Beim Runterfahren mussten wir des öfteren weiteren Militärlastwagen ausweichen. Ich erzähle das nur so ausführlich, weil es eine ganz andere Welt ist als in der Schweiz. Und es ist leider kein Spiel, die Lastwagen fahren hier nicht zum Plausch rum. Die Inder verteidigen hier wirklich ihre Landesgrenzen und es gibt öfters mal Zusammenstösse, vorallem Richtung Kashmir.

Plötzlich hielt der Bus an und der Guide, Dorje, kam mit einem Mann zurück, der hinten einstieg. Dorje erklärte, dieser Mann schulde ihm noch Geld und sie würden jetzt im Camp das Geld holen. Er sei es ihm schon den ganzen Sommer schuldig. Doch der gute Mann konnte im Camp kein Geld finden, meinte aber, Dorje kriege es im nächsten Monat zurück. Worauf der Guide zufrieden war. Was einiges Kopfschütteln bei mir auslöste.

Etwas unterhalb des Checkpoints stiegen wir aus und wanderten den Rest bis nach Ganglas. War sehr friedlich, auch nicht zu heiss, weil es Wolken hatte. Deshalb sahen wir auf dem Pass auch nur die Sechs- und nicht die Siebentausender.

In Ganglas konnte ich endlich mal ein kleines Eseli fötelen. Von denen sieht man hier ganz viele, sind ganz wuschelige. Von Ganglas fuhren wir mit dem Bus zurück nach Leh. Wir hatten grossen Hunger, assen im Dreamland Restaurant was nicht besonders gutes, aber auch nicht besonders scharfes (das lag aber wohl eher an unserer Wahl und nicht am Restaurant) und kauften anschliessend noch einiges für das Trekking ein.

Im Travel Office klärten wir noch letzte Fragen. Das ganze Office war schon eifrig am vorbereiten für den nächsten Tag. Nur schon zwei Personen braucht ziemlich viel Organisation.

Danach setzten wir uns in den Garten, um den vorläufig letzten Nachmittag in einem Guest House zu geniessen. Doch bald kamen die ersten Tropfen und dann goss es wie aus Kübeln. Na toll, die ganze Zeit schön und wenn wir trekken gehen, fängt es an zu schiffen.

Machte auch nichts, so mussten wir uns endlich hinters Rucksack packen machen. Die richtigen Sachen in den richtigen Rucksack. Der grosse Rucksack wird auf ein Pferd gebunden und den ganzen Tag nicht mehr runtergeholt. Also muss alles, was man so während des Tages braucht, in den Tagesrucksack.

Gegen 18.00 Uhr kam die Sonne wieder und wir setzten uns nochmal in den Garten, bevor wir zum Summer Harvest Restaurant zum Abendessen gingen. Um 18.45 waren wir im Restaurant. Es sah noch etwas düster aus, in der Küche brannte nur eine Kerze. Doch das Restaurant gilt als eines der beliebtesten bei Touris und Indern. Um genau 19.00 Uhr wurde der Generator angeworfen und sogleich gingen die Lampen an, die Musik lief und das Restaurant sah ganz anders aus. Bloss der Generatorenlärm störte ein bisschen. Bald darauf ging der Generator wieder aus und dann wieder an.

Vor dem Essen trinkt der Inder so was ähnliches wie Lemon Juice, schmeckt aber ganz süss. Und zum Verdauen gibts etwas, das wie Bärendreck schmeckt. Greislig!

Das Essen war ausgezeichnet. Chinesisches Gemüse und Kartoffel mit Garlic-Sauce. Dazu Wasser und Pepsi, um den Magen zu stabilisieren. Erst noch eine spring roll. So mal ein Preisvergleich: alles für 258 Rupien gleich CHF 7.50. Es ist alles sehr, sehr billig. Wasser kann man hier für 7 Rupien, ungefähr 25 Rappen auffüllen.

Nach dem Essen holten wir die Wäsche und packten alles fertig ein. Die Wäsche war tiptop, 1.8kg für 3 Franken. Sie wird 8 km vor Leh gewaschen, ohne Phosphate etc. Ich trank noch eine Cola, um den Magen durchzuputzen. Krämpfe hatte ich inzwischen keine mehr, nur noch absoluter Dünnpfiff.

Thomi schien inzwischen schon das schweizerische Essen zu vermissen. “Ich träume schon von einem Salamibrot”, diesen Satz werde ich nie vergessen! Er stammt von einem fanatischen Salamihasser.

Jingchen, 13.7.05

6.30 Frühstück, Chai getrunken, alles zusammengepackt, uns bei der netten Guesthouse-Lady verabschiedet und um 7.15 gings los. Wir fuhren mit Dorje, unserem Guide, in einem Bussli nach Spitak. Dort warteten wir bei Chai, bis unsere Pferde kamen. Dann lernten wir unseren Koch, Helfer und Horseman kennen und erfuhren, dass wir mit fünf Packpferden unterwegs sein würden. Dorje, der Guide, arbeitet im Sommer drei Monate für seinen Bruder Tashi in der Travel Agency. Im Winter hat er im Nubra Valley ein Restaurant mit local food. Er ist 41 und hat zwei Kinder. Unterwegs singt er immer und ist immer guten Mutes und sehr fürsorglich.

Der Helfer ist der Ehemann von Dorjes Nichte auch aus dem Nubra Valley. Er ist 27, seit drei Jahren verheiratet und hat ein Kind. Er ist ein ganz netter Mensch, zum ersten mal als Helfer auf so einem Trek und hüpft die Hügel hinauf wie eine Berggeiss.

Dann liefen wir mit unseren Tagesrucksäcken los. Den Rest packten die anderen auf die Pferde. Zuerst ging der Weg dem Indus entlang. Es war bedeckt und nieselte zwischendurch, war aber sehr angenehm zum Laufen. Nach ca. drei Stunden verabschiedeten wir uns vom Indus und liefen in ein Tal hinein. Unterwegs entdeckte ich plötzlich zwei Blauschafe, die blökten wie verrückt. Bald darauf wussten wir auch den Grund. Unser Helfer kam mit einem winzigen Blauschäflein angelaufen, das kaum eine Stunde alt war. Aus irgendeinem Grund wurden Eltern und Kind getrennt. Dorje brachte es dann in die Nähe der Eltern und wir gingen leise davon, um die Familie nicht weiter zu stören. Der Guide war zuversichtlich. So ein herziges kleines Schäfchen! Da kriegt man fast Mitleid, das so eins in dieser wilden Natur aufwachsen muss.

Nach dem Lunchpäckliverzehr mussten wir noch durch einen Fluss und waren bald da. Fünf Minuten nach dem Dorf mit zwei Häusern sahen wir den Camping. Drei Parteien würden hier übernachten: zwei Australierinnen, vier Deutsche und wir. Sehr angenehm. Kaum waren wir auf dem Camping angekommen, schüttete es erst mal richtig feste. Wir konnten jedoch gemütlich unter einem Dach warten, bis es aufhörte. Wir mussten ziemlich lange warten, bis unsere Pferde kamen. Die haben es umso schwieriger, je mehr Wasser der Fluss führt. Als die Pferde kamen, luden unsere vier guten Geister alles ab und die Pferde wälzten sich erstmal vor Freude so richtig im Gras.

Dann wurden die Zelte aufgestellt. Wir hatten ein richtig schönes Zweierzelt mit viel Platz. Dann hatte es ein Küchenzelt, ein Stoffzelt für den Horseman (garantiert nicht wasserdicht) und ein ganz modernes für Dorje.

Nach dem Zelt aufstellen gab es Milktea und Chocolate und salzige und süsse Guetzli. Dann lasen wir, schauten herum, schwatzen und spielten Mensch ärgere dich nicht mit den anderen. Der totale Frieden. Die Deutschen sind aus München und Garmisch und 16 Tage unterwegs. Sie werden auch noch zwei Sechstausender besteigen.

Um 18.00 Uhr gab es vegetarisches Dinner (wir hatten vegetarisch gebucht). Superfein! Blumenkohl, Linsen, Paprika, Reis, Suppe, Gurken- und Tomatensalat und noch ein Dessert. Fruchtsalat aus der Büchse. Bis auf den Fruchtsalat alles frisch! Der Koch hat sein eigenes Plätzchen im Kochzelt. Dort sitzt er im Schneidersitz und lässt sich vom Helfer alle Zutaten reichen. Der Helfer serviert dann auch. Zwischendurch regnete es leider wieder, so assen wir im Kochzelt. Ansonsten werden wir jeweils draussen essen.

Die Tour war leicht, so ein richtiger Spaziergang. Im Moment also noch keine Spur von Ermüdung. Wir spielten noch mit den anderen, bis es zu dunkel wurde. Danach spielte ich mit Dorje “ankehäfälä”. Das war total witzig, er hatte noch nie im Leben Karten gespielt und man merkte es seinen ungelenken Fingern an. Am Schluss gewann er aber und hat sich sehr gefreut.

Dann wurde es so richtig dunkel und um halb neun kuschelten wir uns in den Schlafsack. Es war nicht richtig kalt und so war mein Schlafsack natürlich wieder mal zu heiss. Ich muss mir wirklich mal was überlegen mit dem. Minus 16 Comfort ist wohl etwas übertrieben für mich. Ich werde eh nirgends freiwillig hingehen, wo es so kalt ist. Trotzdem habe ich ausgezeichnet geschlafen. Thomi jedoch nicht. Diesmal hatte er es mit dem Magen. Für ein Trekking nicht die besten Voraussetzungen.

Ganda-La, 14.7.05 4600m

Dementsprechend zwäg war er dann am morgen. Erst erhielten wir ein Teeli quasi als wake-up-call ins Zelt serviert. Danach kam das washing water, auf das wir sauber geputzt zum Frühstück erscheinen würden. Danach packten wir alles zusammen und assen beim Frühstückstischchen. An diesem Morgen konnten wir nun draussen sitzen, war bereits angenehm.

Es wurde reichlich aufgetischt: peanutbutter, Honig, Vierfruchtkonfi, Cornflakes, Milch, Chai, Milktea, Omelette, Toast. Fein! Thomi konnte allerdings nicht so zuschlagen. Um 7.30 Uhr liefen wir los. Der Weg war wunderbar! Verschiedene Felsformationen und Farben. Wir sahen einen “mountain heir”, ein kleines herziges mäuseartiges Tierchen, bunte Vögel, eine ganze Herde Blue Sheep mit Babysheep. Dorje erwähnte des öfteren, dass der Fluss komisch hoch sei für diese Jahreszeit. Und wirklich, drei Brücken waren niedergerissen. Gegen Abend steigt der Fluss jeweils an und dann wirds gefährlich und fetzt auch die Brücken weg. Zweimal mussten wir die Schuhe ausziehen und mit den Sandalen über den Fluss. Zum Glück hatte es nette Guides, die alle einander halfen und mich auch rüberzogen. Ich hab die Kraft des Wassers auf jeden Fall gespürt und wäre nur ungern ohne Hilfe rüber.

Dorje hat nur Turnschuhe an und geht auch mit denen durchs Wasser. Er findet das am praktischsten. Das sei für ihn das bequemste. Der hat ganz schön Kraft, der Kleine. Er ist fast einen Kopf kleiner als ich.

Bald nach der Flussüberquerung ging’s Thomi gar nicht mehr gut. Wir machten eine zweistündige Pause, damit er sich etwas erholen konnte und auch etwas essen, weil’s nachher nur noch bergauf ging. Ich musste Thomi zwingen, wenigsten einen Teil von seinem Lunch zu essen. Das hat mir richtig leid getan. Thomi muss man sonst ganz sicher nie zum essen zwingen.

Er ruhte sich dann ein bisschen aus, Dorje und ich schwatzten miteinander und nach zwei Stunden gingen wir weiter. Von 3300 auf 4400 hinauf, also gute tausend Höhenmeter. Ich hatte grossen Respekt vor diesem Tag, aber mir ging’s blendend! Das fand ich unglaublich. Thomi hingegen musste leiden, hat aber die Zähne zusammengebissen. Ich lief ganz langsam zuvorderst und er hinter mir. Gestern hatte er mich noch überholt und gemeint, in meinem Tempo falle er ja um. Doch mein Tempo hatte mich ohne Probleme nach oben gebracht.

Kurz vor dem Ziel fing es an zu regnen. Aber wir waren ja gut ausgerüstet. Oben angekommen, stand unser Zelt bereits. Im “Hotelzelt” warteten all diejenigen, die noch zu einem weiteren Camp mussten. In unserem Kochzelt standen schon Tee und Guetzli bereit. Aaaah, das war schön, nach dem Regen ins warme Zelt zu kommen und Tee zu trinken.

So langsam hörte es auf zu regnen und Thomi legte sich ins Zelt, um seinen Magen auszukurieren. Ich schaute mich um, fotografierte, und wollte unbedingt noch ein Blue Sheep entdecken. Aber nix war. Die hielten sich versteckt. Und die komischen Hühner liefen auch immer vor mir weg. Dabei hatte ich immer noch Brotresten dabei, um sie zu füttern.

Auf diesem Camp waren wir die einzigen, alle anderen zogen noch ca. eine halbe Stunde weiter. Die Stimmung wurde mit versiegendem Regen total schön. Im Hotelzelt lief indische Musik, ich genoss den Blick auf die umliegenden Berge. Als es zu kalt wurde, kroch ich auch in meinen kuschligen Schlafsack, bis das Abendessen bereit war. Thomi gings schon ein bisschen besser, er plagte mich schon wieder. Später würde er ein Immodium nehmen, dann sollte er auch schlafen können und morgen wieder fit sein.

Schon bald ass er wieder Schokolade. Fürs Abendessen hatte er aber was leichtverdauliches bestellt.
Beim Abendessen musste er allerdings schon etwas schwer schlucken. Er bekam so was ähnliches wie Milchreis - furchtbar schleimig. Und ich ass nebendran Pommes frites, Nudeln und lecker gewürztes Gemüse, mmmhmm. Aber er ass tapfer sein schleimiges Süppchen. Ausser ein paar Chips, das konnte er nicht lassen.

Bald darauf gingen wir schlafen. Ich genoss noch die schöne Abendatmosphäre, total ruhig und friedlich. Die Pferde weideten ganz weit oben. Eines musste dableiben, weil es vor kurzem Mama wurde. Es wurde angebunden, damit es nicht sein Töchterchen suchte. Es wieherte immer zu den anderen, das arme, und fühlte sich einsam.

Die komischen Hühnchen wollten sich immer noch nicht füttern lassen. Und dann wurde es etwas kühl und auch ich kroch in den Schlafsack.

Skiu, 15.7.05

Wir schliefen beide gut und fingen um 5.00 Uhr zusammen zu packen. Frühstück war wieder draussen, weils schon genug warm war. Um 7.00 Uhr gingen wir los, damit wir frühzeitig auf dem Pass sein würden. Das könnte noch anstrengend werden. Nun hiess es auf 4900m hochzulaufen. Unterwegs sahen wir Murmeltiere, die miteinander spielten und kämpften. Sooo witzig. Und snowcocks hörten wir zuerst und sahen sie dann schliesslich auch.

Thomi hatte ein wenig zu beissen beim hinaufgehen, sicher noch Nachwehen von gestern. Meine Strategie ging auf. Langsam, aber stetig in die Höhe. So kam ich auch gut auf dem Pass an und machte Föteli von Thomi, als er eintraf. Ich meinte zu Dorje, es sei eben sehr ungewöhnlich für Thomi, dass ich vor ihm auf einem Pass ankomme. Dorje schaute Thomi nachdenklich an und meinte dann ganz trocken zu ihm: “such is life!”. Ich habe gebrüllt vor Lachen!

Oben hatte es etwa 10 Yaks. Endlich die echten! Es gibt ja ganz viele Querzüchtungen von den Yaks.
Alle freuten sich, als sie oben eintrafen: Belgier, Amis, Deutsche, Ladakhis, Franzosen, Engländer. Dann ging’s wieder runter, weit, weit, weit, nicht sechs, sondern acht Stunden waren’s dann insgesamt. Es war sehr heiss, was mir dieses Mal sehr zusetzte. Ich bekam starke Kopfschmerzen, die auch mit zwei Tabletten nicht richtig weggingen.

Bald kamen wir in eine wunderschöne Schlucht. Es war zwar sehr heiss zum laufen, aber schön anzuschauen. Endlich kamen wir beim Camping an, zum Glück auf einem schönen, ruhigen Platz. Die anderen Campings waren schon sehr voll. Hier kam unsere Route mit einer anderen Trekkingroute zusammen.

Und dann gingen wir baden! In einem schönen, klaren Bach. Dort sassen wir in die Pfützen rein, wuschen uns und auch ein paar Kleider. Das Wasser war genau richtig. Dort sassen wir eine ganze Weile und erholten uns von den Strapazen. Die nassen Sachen hängten wir nachher über dem Zelt auf. Erfrischt, aber noch nicht kopfwehfrei, lasen und schrieben wir und warteten aufs Nachtessen.

Zum Essen gab es Momos, eine ladakhische und vorallem tibetanische Spezialität. Fritiert und boiled. Sehr fein, bloss viel zu viel. Dazu Tofuwürfel, fein gewürzt und Peperoni. Mmmhmm.

Nachher besuchten wir die klitzekleine Gompa von Skiu. Absolut sehenswert, auch wenn sie nur winzig ist. Sehr speziell, sie war früher offenbar grösser, jetzt ist nur noch ein Tempel zu sehen mit einer Buddhastatue, die aus dem 11. Jahrhundert stammt. Aber sehr gut erhalten.

Die Stimmung war sehr schön an diesem Abend. Weit und breit kein Regen. Sehr warm, die ganze Nacht. Thomi gings nun wieder gut. Morgen gibts den längsten Tag. Wir schliefen sehr gut, bloss einmal in der Nacht auf die ladakhische Toilette.

Markha, 16.7.05

Vor heute hatte ich Respekt. 8 Stunden hiess es. Gestern hiess es 6 Stunden, es waren aber mehr und es war anstrengend. Doch heute lief es hervorragend und unspektakulär. Um 7.00 Uhr marschierten wir los, um 15.00 waren wir im Camping. Mit einigen wenigen Stops, Lunchbreak, ansonsten liefen wir sehr zügig. Es ging auch immer mehr oder weniger geradeaus. Der ganze Tag lief sehr gut und wir fühlten uns in Topform. Eine halbe Stunde vor dem Camp mussten wir einen Fluss durchqueren. Dorje erklärte uns ganz genau, was wir machen müssten und unter Umständen bräuchten wir ein Seil, um uns festzuhalten. Zum Glück war der Fluss aber sehr niedrig, es gab nur einige wenige Passagen, die gefährlich hätten werden können.

Man spürt die Kraft des Wasser jeweils sehr gut und in diesen Momenten bin ich sehr froh, dass wir einen Guide dabei haben.

Die Pferde brauchten heute länger und holten uns erst ein, als wir den Fluss überquert hatten und dort noch eine Pause machten. Und die Rosse liefen unermüdlich und schleppten den ganzen Krempel. Zwischendurch sieht man ganze Karawanen von Ladakhis mit ihren Pferden und Eseln, weil diese Wege natürlich nicht nur für uns Trekker gemacht wurden, sondern wichtige Wegverbindungen für die Ladakhis.

Am Fluss war es ganz friedlich und angenehm kühl. Um den Mittag rum war es schon ziemlich heiss. Doch was solls nun sein, Regen oder Sonne? Bei Regen ist es kühl, bei Sonne halt eben heiss. Ich entscheide mich trotzdem lieber für die Sonne, auch wenn es 35 Grad wird.

Auf dem Camping hatten wir ein schönes Plätzchen. Wir durften dort bleiben. Die Besitzerin wedelte ein paar andere fort, weil offenbar noch eine ganze Gruppe kommen sollte. Eine riesige, wie es schien, die Träger hörten gar nicht mehr auf mit Zelten aufstellen und Ware rein zu schleppen.

Gegen Abend waren wir in einem ladakhischen Haus eingeladen, die Küche zu besichtigen. Das ist nicht gerade european standard. Eigentlich sah es wie in einem Museum aus. Dorje sagte aber, es sei keines, die ganzen Tassen, Teller, Schüsseln aus Zinn seien Tradition, uralt und von Generation zu Generation vererbte Stücke.

Wir kriegten ein Teelein, durften die Damen fötelen (sie meinten zwar, sie seien grad nicht so schön angezogen, aber sie hatten trotzdem Freude an den Bildern) und blieben ein Weilchen auf den dafür vorgesehenen Bodenteppichen sitzen. Dorje ist der richtige Unterhalter. Er sitzt und redet furchtbar gerne mit seinen Leuten und geht auch auf alle zu. Er ist wirklich ein ganz netter Mensch.

Auf dem Campingplatz hatte es einen ganz jungen Hund, ganz herzig. Doch als ich ihn endlich hergelockt hatte und streicheln wollte, sah ich, dass das ganze Fell voll von Läusen und anderem Krabbelgetier war! Iiih, ich hoffte einfach, dass nichts rübergesprungen war! Gejuckt hat es schon eine Weile, aber ich glaube, das war blosse Einbildung. Das arme Hundchen hat gar nicht verstanden, warum ich ihn erst herlocke und dann doch wieder verjage. Die Hunde werden im Ladakh halt schon eher als Wach- und nicht als Schosshunde gehalten, darum sind sie leider auch nicht besonders gepflegt. Aber so ein Bad zwischendurch könnten sie dem kleinen Hundchen schon gönnen, er kann sich ja nicht mal überall kratzen.

Dann gab es Abendessen, heute draussen und etwas sehr scharf für Thomis Geschmack, für meinen grad richtig. Süppchen, Tofuballs, Salat, Bohnen und Nudeln. Der Salat ist immer Gurken und Tomaten mit geschnetzeltem Kohl und ein paar Limonenscheiben zum darüber spritzen. Mmmmh. Und der krönende Abschluss: eine Vanillecreme!

Dann war Bettzeit, Zähneputzen und Klogang. Das Klo war wegen der Gruppe häufig besetzt, war wohl doch keine so gute Idee mit diesem Zeltplatz.

Die 20köpfige Gruppe hatte zwei Kinder dabei. Sie wollen einen 11-Täger machen, waren den 2. Tag unterwegs und sahen ziemlich erschöpft aus.
Dann schauten wir noch ein bisschen aus dem Zelt raus, plauderten und legten uns in die Schlafsäcke.

Am Morgen wollten wir früh aufstehen, damit wir das WC für uns hatten.

Thachungtse, 17.7.05

Wir erwachten durch lautes Zeltstangengerüttel. Blick auf die Uhr: 5.00 Uhr. Blick nach draussen: die 20köpfige Gruppe hatte bereits zusammengepackt und ass Frühstück. Um 6.00 Uhr waren sie weg. Wir nahmen’s gemütlich und liefen etwa um 7.15 weg. Es war ziemlich kalt, bis die Sonne kam. Der Koch begleitete uns heute, um uns zusammen mit Dorje sicher über den Fluss zu bringen, den wir heute zweimal überqueren mussten.

Nach ca. einer Stunde kamen wir an den Fluss. Slipper anziehen, Hosen unzippen. Der Koch nahm meinen Rucksack und die Wanderschuhe. Die erste Strecke ging ziemlich einfach. Dorje packte mich und brachte mich sicher rüber. Thomi hatte bei seiner Grösse sowieso keine Mühe, wurde nicht einmal nass.

Die zweite Überquerung sah gefährlicher aus. Der Koch ging mit Thomi rüber, ich weiss aber nicht, wer wen mehr hielt. Dorje lief mit mir rüber, mich putzte es fast weg, Dorje hatte vermutlich fast ein Härzchriesi. In der Mitte kam aber auch der Koch noch von der anderen Seite und zog mich auch noch rüber. Am sicheren Ufer tätschelten mir beide auf die Schultern, riefen thank you und julee und waren megaerleichtert, dass wir drüben waren. Dorje meinte, nun gehe es ihm wieder gut, aber diese Stelle mache ihm jedes Mal Sorgen. Vor einer Woche ist ein Local beim Flussüberqueren umgekommen. Das River Crossing ist wirklich nicht zu unterschätzen.

Am Ufer zogen wir in aller Ruhe wieder die Wanderschuhe an und schauten den anderen zu, wie sie rüberkamen. Zum laufen war es wieder sehr warm und wir brauchten viel Sonnencreme. Wir liefen immer schön hinter Dorje und dem Koch her in zügigem Tempo. Es war ziemlich flach zum laufen, ging alles dem Flussbett entlang. Thomi und ich mussten bei diesem Tempo immer ein bisschen schnaufen. Die zwei anderen unterhielten sich wie alte Freunde, liefen ganz nahe beieinander, legten sich zwischendurch die Arme auf die Schultern und hatten totalen Spass, da zusammen zu laufen. Zwischendurch warteten sie wieder auf uns, wenn wir Bisel- oder Fotopause machten.

Zwischendurch gabs Pause im Teezelt und um 12.00 Lunchbreak. Leider nicht im Schatten, aber auf einer schönen Blumenwiese. Gegen halb zwei kamen wir auf dem Camp an. Wie versprochen auf einem schönen Plätzchen, heute mit eigenem Toilettenzelt. Man gräbt ein Loch und baut ein Zelt drum herum. Am Morgen kommt das Zelt wieder mit und das Loch wird zugebuddelt. Die sauberste Art für die Umwelt. Weil es im Ladakh so trocken ist, verwandelt sich Kot nicht in Humus, sondern trocknet aus und bleibt einfach liegen.

Unterwegs zeigte uns Dorje noch eine Wassermühle. Eine Wasserrinne treibt ein Mühlrad in einer kleinen Steinhütte an, dort wird “barley”, ein Getreide, gemahlen.

Um 14.00 gabs was fein frittiertes, ich weiss aber nicht mehr, wie es heisst, aber es schmeckte ausgezeichnet. Hab grad ratzeputz alles gegessen. Dann Gesicht waschen, rumhängen, schlafen, lesen. Ich war heute sehr müde, hatte aber auch Halsweh. Letzte Nacht konnte ich kaum schlucken.

Den Füssen ging es immer noch sehr gut, auch nach dem 5. Tag. So langsam wurde alles Routine. Wir freuten uns immer aufs Abendessen. Am liebsten ass ich draussen. Heute war es zu kalt, da mussten wir im Küchenzelt essen.

Letztes Jahr wurde hier ein Schneeleopard gesehen. Er hatte ein Pferd gerissen und kam immer wieder zu dem Pferd, um weiter zu fressen. Er hatte keine Angst vor den Menschen. Aber das war Glück, einfach so kriegt man ihn nicht zu sehen. Ich meinte zu Dorje, wir könnten ja ein Pferd opfern. Das fand er sehr lustig. In der Nacht musste ich biseln gehen. Als ich mich umdrehte, sah ich einen riesigen Schatten und liess vor Schreck einen Schrei los. Schleicht sich der Thomi auch raus zum biseln und macht keinen Mucks! Ich bin fast gestorben!

Nymling, 18.7.05

Heute haben wir etwas länger geschlafen und liefen erst gegen 7.30 Uhr los. Mein Halsweh war fast verschwunden, worüber ich ziemlich froh war. Die Strecke war sehr schön und superkurz, nämlich drei Stunden. Unterwegs sahen wir einen kleinen See und wurden grad an die Schweizer Alpen erinnert. Und wieder ein Marmite, das gespielt hat und ein paar Yaks. Heute campten wir auf einem schön anzuschauenden Hochplateau. Rundum hatte es Berge und man sah den Gang Yatze sehr schön. Es hatte hier sehr viele Schafe, Yaks, Zos, Zomos usw. Und auch ganz schön viele Trekker. Der Camp ist auch Ausgangspunkt fürs Basecamp für die Gipfelbesteigung auf den Gang Yatze, 6′400 m.

Auf dem Camp hatte einer bereits seit 9 Tagen Verstopfung und starke Krämpfe. Per Zufall war eine Ärztin dabei. Sie fragte alle Anwesenden nach Medikamenten. Doch in Indien hat halt jeder Immodium dabei für die gegenteilige Krankheit. Für Verstopfung hatte niemand was dabei.

Heute halfen wir beim Zelt aufstellen. Bald darauf gabs Mittagessen. Das Wetter war ganz gut. Doch wenn die Sonne schien, brannte sie sehr heiss herunter, wenn sich eine Wolke vorschob, wurde es sofort kalt. Das Camp liegt auf 4′700. Gestern waren wir auf 4′200 m. Zum akklimatisieren ist das sehr gut, morgen gehen wir über einen Pass 5′100m, Kangri-La.

Wir hatten die Matten aus dem Zelt genommen, lagen unter freiem Himmel, dösten, schrieben, lasen und genossen den freien Nachmittag. Morgen sollte der letzte strenge Tag sein. Der Aufstieg auf den Kangri-La sei nicht so schlimm, aber der Abstieg gehe ganz schön in die Beine. Ich freute mich schon auf morgen Abend. Das war unser letzter Abend auf dem Trek, dann wollten wir ein kühles Bier trinken und ich eine Zigarette rauchen. Seit mehr als einer Woche lebten wir nun schon vegetarisch, alkohol- und nikotinfrei. Aber der Koch kochte so ausgezeichnete Menus, da kann man auf Fleisch problemlos verzichten. Thomi meinte zwar schon, er würde in Leh noch mal ein grosses Steak essen (was ich allerdings bezweifle, das Ladakh hat nicht gerade grosse Auswahl an Rindersteaks). Ich hätte eher grad Lust auf Pizza und Cola. Cola gibt’s auf der Strecke zwar auch, aber bisher war der Tee ganz fein.

Ich magTrekking im Ladakh. Die Aussicht ist cool, man hat genug Zeit zum wandern, picknickt unterwegs, die locals sind sagenhaft freundlich. Sie rufen “julee” und lachen einen an. Das Leben hier ist ganz sicher hart, vorallem im Winter. Die einen haben zwar schon Satellitenschüsseln.

Ich habe mich auf diesem Trek sehr wohl gefühlt. Und ich freue mich schon auf den nächsten. Ich hätte nie gedacht, dass wir den Trek so easy schaffen, ohne grosse Blessuren, nicht mal Muskelkater haben wir.

Thomi lief noch zum Fuss des Gang Yatze, dort hatte er Aussicht auf das ganze Markha Valley. Und er sah sogar vier kleine Wölflein. Dinner gabs heute im Zelt, weils recht kühl wurde. Nach dem Dinner zogen wir uns warm an und gingen die Hirten besuchen. Die tausende Schafe waren in runde Steingehege eingepfercht. Es sah sehr eng aus, aber es wärmt mehr und das macht Sinn, weil es sehr kalt wird in der Nacht. Die Frauen waren am Melken, sie kennen alle Schafe. Wir sahen auch ganz viele kleine Kühlein mit langen, verfotzelten Haaren. Die sahen aus wie Hunde. Und kleine Eselein hatte es auch. Die Kühlein habe ich ein bisschen gestreichelt, eins hat mir die Hand abgeschleckt. Sie sind nicht besonders sauber. Aber so herzig, die kleinen Wuschelkühlein. Und ein Mini-Yak war auch da, sah aus wie eine Miniaturausgabe von seinem Papa. Und der war ein Riese.

Die Frauen melken in den engen Koben die dichtgedrängten Ziegen. Das machen sie jeden Morgen und jeden Abend - und das bei dieser Kälte. Ziemlich hartes Leben. Die nächste Generation zieht’s darum auch eher in die grösseren Orte. Mit Tourismus ist mehr Geld zu verdienen.

Einen Tag vorher rissen Wölfe ein paar ausgerissene Schafe. Das war ein grosser Verlust für die Hirten und sie machten sich Sorgen. Die Überreste der Schafe hatten sie mit in ihr Lager gebracht. Natur pur.

Wir verbrachten eine sehr kalte Nacht, die wir aber einigermassen warm verbringen konnten dank Reni’s superwarmem Schlafsack. Weil es Wölfe hatte, hatte Thomi mich in der Nacht aufs WC begleitet. Dank sehr hellem Mondschein brauchten wir nicht mal Taschenlampen. Der Himmel sah wunderbar aus mit tausenden von Sternen. Zum greifen nah.

Am nächsten Morgen war dann auch das Zelt aussen ganz mit Reif überzogen und die Pfützen hatten eine ganz dünne Eisschicht.

Der Aufstieg auf den Konmar La Pass auf 5′100 schafften wir in ca. 1 ½ h ziemlich problemlos. Auf dem Pass war es windig und kühl, so dass wir schon bald den langen Abstieg in Angriff nahmen. Ein paar Trekker wurden mit den Pferden auf den Pass transportiert. Magengeschichten und Höhenkrankheit.

Unterwegs machten wir Lunchbreak. Zum Ausruhen legten wir uns auf die Steinbänke. Als ich wieder die Augen aufmachte, schauten mich zwei kleine runde Augen aus einem runden Köpfchen an. Eine Eidechse! Hatte es sich auf meinem Bauch gemütlich gemacht. Ich wollte eigentlich gar nicht schreien, weil ich ja wusste, dass es etwas harmloses ist. Aber ich schoss auf und das Viech ging gar nicht weg. Thomi meinte nachher, ich hätte mich nicht so schütteln brauchen, das Eidechslein sei in hohem Bogen weggeflogen.

Nach 6 Stunden bergab, teilweise in steinigen Flussbetten erreichten wir unseren letzten Campingplatz. Unterwegs hatten wir noch einmal ganze Herden Blue Sheeps gesehen, auch mit ganz jungen dabei. Unterwegs hatten wir auch den berühmten gesalzenen Buttertee probiert. Der ist schon gewöhnungsbedürftig, aber auch nicht so schlecht.

Zur Feier des Tages genehmigten wir uns dann das wohlverdiente Bierchen und schmissen auch gleich eine Runde für unsere Crew. Bloss das bestellte godfather beer, ein indisches, zeigte ein Ablaufdatum von vor zwei Jahren. Es war schon trinkbar, schmeckte aber etwas vergärt und nach Most.

Und eigentlich wollten wir den 8. Tag so richtig feiern. Wir hatten den Trek so einwandfrei überstanden, das fand ich unglaublich. Manchmal müde Beine, aber keinen Muskelkater, keine Blasen, nichts. Pures Wohlsein. Wir haben andere gesehen, die wirklich leiden mussten.

Leider hatte ich nun aber wirklich eine Erkältung erwischt, die mich nicht so bierlustig machte. Die Nase tropfte nur so, wahrscheinlich hatte ich auch Fieber, sodass wir nicht mehr gross feierten. Doch das holen wir nach!

Das letzte WC war leider auch das übelste. Ich ging gar nicht gerne dahin. Männer können immer überall hinbiseln, aber ich musste ja dahin. Nach dem Godfather Bier sowieso.

Leh, 20.07.05

Am letzten Tag ging es dann nur noch rund zwei Stunden lang auf einer Jeep-Road zum Tal hinaus. Wie wir am Ziel ankamen, sassen da schon Koch und Helfer und grinsten über alle Backen. Sie hatten nämlich den Bus genommen.

Wir mussten dann aber noch fast zwei Stunden warten, bis der Horseman und die Pferde ankamen. Ein Jeep brachte uns und die Crew dann zurück nach Leh. Wir verabschiedeten uns von allen, verteilten Trinkgelder und Sackmesser. Der Koch strahlte, die anderen beiden auch, aber der Koch kann das Sackmesser sicher am meisten gebrauchen, hatte er doch immer mit einem Messer die Büchsen aufgemacht.

Wir gingen gleich Mittagessen, mmmhmm. Am Nachmittag faulenzten wir im Garten unseres Guesthouses und legten die Füsse hoch und ich liess meine Nase tropfen. Tja, das Wetter im Ladakh ist nicht zu unterschätzen. Es ist zwar heiss den Tag durch. Wir gingen zweimal uns am Fluss waschen. Und vermutlich hatte ich mich mit nassen Haaren erkältet.

Alchi, 21.07.05

Mit Tablette einigermassen gut geschlafen, gefrühstückt, uns wieder von der netten Lady verabschiedet und um 8.00 gings los mit Sharma, einem anderen Guide. Ca 2h dauerte die Fahrt bis Alchi mit dem Jeep. Auf dem Highway nach Srinagar. Für unsere Verhältnisse ist das eine schlechtere Passstrasse mit sehr viel Verkehr, vielen bunten Lastwagen, die von Kashmir ins Ladakh mit allen möglichen Gütern fahren. Die einen sehr langsam, die anderen etwas schneller und viele mit schmutzigen Dieselwolken.

In Alchi angekommen besichtigten wir ein Guest House, das hatte aber so schmutzige WC-Böden, dass es uns nicht besonders gut gefiel. Der Guide meinte aber auch gleich, wir könnten ein anderes aussuchen. Das fanden wir etwas komisch, weil wir dachten, es sei für uns reserviert. Wir fanden aber ein sehr nettes Guest House gleich im Zentrum, auch wenn die Böden hier nicht einwandfrei aussahen. Aber vermutlich müssen wir hier unsere Erwartungen an Guest Houses etwas zurückschrauben.

Der Guide meinte, wir sollten uns etwas ausruhen und am Nachmittag würden wir das berühmte Kloster von Alchi anschauen. Ich fragte dann, was mit Lunch sei. Er brachte uns das Menu und wir bestellten schon mal für 12 Uhr. Es schmeckte ausgezeichnet. Um 13.00 Uhr gingen wir ins Kloster. Sehr interessant, aber irgendwie brachte der Guide nicht besonders viel. Zudem hätten wir den Eintritt ins Kloster selber bezahlen müssen. Wir klärten ihn dann auf, dass wir ein Pauschalarrangement mit der Travel Agency getroffen hatten, in dem alles inclusive war. Er meinte, das hätte er nicht gewusst. Er hätte einen gewissen Betrag von der Travel Agency erhalten, der für die drei Tage reichen müsste. Er bezahle nun einfach, bis er nichts mehr habe. Irgendwie fanden wir das schon megaseltsam, und Thomi und ich meinten im Spass zueinander, dass wir am nächsten Tag sicher das beste Hotel am Platz nehmen würden, dann habe er schnell nichts mehr im Portemonnaie.

Das Kloster ist sehr interessant, 990 Jahre alt, mit Woodcarvings und uralten Buddhas. Wir zündeten zwei Butterlämpchen an und gaben eine Donation. Nach dem Sightseeing begleitete uns unser Guide wieder zum Guest House und setzte sich zu einem Tee. Wir klärten ihn dann auf, dass wir den Abend alleine verbringen wollten. Das überraschte ihn offensichtlich, war aber okay.

Wir packten unsere Bücher, setzten uns in ein Gartencafé (viel Auswahl gibt’s nicht in AlchiJ), tranken Tee, wechselten dann für einen Apéro das Lokal. Der Kellner war zum Schiessen. So was langsames und unmotiviertes gibt’s gar nicht. Der Typ überarbeitet sich ganz bestimmt nicht.

Nach einem Starter gingen wir kurz ins Guest House zurück und machten uns frischJ und auf die Suche nach einem Restaurant für den Abend. In Ermangelung an vielen Möglichkeiten landeten wir schlussendlich wieder im gleichen Lokal. Das hatte eine schöne Gartenterrasse, die sich langsam mit Touristen füllte. Somit hatte der Kellner schon etwas mehr zu tun und war etwas aufgestellter. Wir hatten ein feines Abendessen und sogar ein Dessert. Frittierte Bananen mit Schokolade und Banana Pancake. Die Stimmung war absolut friedlich in Alchi, auch etwas wärmer am Abend als in Leh. Und bald gingen wir schlafen.

Lamayuru, 22.07.05

Wir haben sehr gut geschlafen. Die Betten sind weicher als in Leh. Duschen war nicht ganz so angesagt bei mir, weil nur kaltes Wasser kam und nur ein Wasserhahn auf Bauchhöhe. Dann assen wir das gestern schon bestellte Frühstück. Um 8.00 wollten wir los. Um 8.00 standen wir mit Gepäck vor dem Guest House. Da meinte der Guide, wir müssten noch warten, sie müssten noch frühstücken!!! Na, aber hallo? Der gute Junge bewegt sich auf gefährlichem Boden.

Dann fuhren wir endlich los und waren bald einmal in Ridzong. WUNDERBAR. Lohnt sich auf jeden Fall. Bei einem Tempel mussten wir warten. Da kommt ein wirklich schöner Mönch vorbei und lädt uns zum Tee in sein Zimmerchen ein. Aber sicher doch, gerne. Er hat ein ganz kleines Zimmerchen, aber gemütlich eingerichtet und ich habe natürlich prompt meinen Kopf beim Eintreten angeschlagen, weil ich so viel schauen musste.

Der Mönch ist seit seinem 10. Lebensjahr in diesem Kloster mit etwa 40 Mönchen. Jetzt ist er 70. Ich sagte, er sei aber noch sehr good looking, er meinte dann, er fühle sich schon etwas alt, aber strahlte. Nun gabs denn richtigen Buttertee aus der Thermoskanne. Wir mussten immer trinken und er wollte immer nachschenken. Wenn man nicht mehr will, hält man die rechte Hand über die Tasse, auch wenn man noch will, weil der Gastgeber insistiert, man solle noch nehmen, man sagt dann wieder nein und irgendwann dann ja. So hats auf jeden Fall der Guide gemacht. Es ist gar nicht so einfach zum nein sagen, aber so fest stehen wir auch nicht auf gesalzenen Buttertee, und der Mönch hat auch nur eine Kanne und trinkt sicher selber auch gerne. Die Mönche kriegen sowieso nur am Morgen und Mittag was zu essen und dann nichts mehr bis zum anderen Morgen. Ich fragte ihn, ob er denn gerne einen Schoggiriegel hätte. Er meinte aber, das wäre ihm jetzt nicht erlaubt.

Der Mönch hatte furchtbar gerne Besuch und erzählt von sich. Wir fühlten uns sehr willkommen und es war total gemütlich bei ihm. Wir schauten uns noch ein Fotoalbum an und er erzählte. Irgendwann schaute der Guide auf die Uhr und meinte, wir müssten weiter. Auch gut, so langsam schlafen die Füsse ein im Schneidersitz. Als ich die Schuhe anzog, flüstert mir der Guide zu, ich könnte dem Mönch ruhig die Schokolade geben, er freue sich sehr darüber. Was ich natürlich gerne machte und er freute sich wirklich von ganzem Herzen.

Vom Kloster Ridzong laufen wir in 20 Minuten zur Nunnerie runter. In der Nunnerie lebten 20 Nonnen, alte und ganz junge. Offenbar kriegen sie langsam einen erhöhten Status. Bis vor kurzem mussten die Nonnen hauptsächlich für die Mönche schuften, die erstens im viel schöneren Kloster lebten, zweitens viel weiter oben wohnen und drittens nichts tun ausser beten und meditieren. Die Nonnen hatten gar keine Zeit zum beten. Darum gabs Nachwuchsprobleme und als nur noch zwei Nonnen da lebten, wusste der Head of monks, dass er wohl etwas machen musste. Und es hat gewirkt. Jetzt leben da wieder 20 Nonnen, auch ganz junge, aufgestellte, die uns Tee offerierten, aber ganz verschämt waren, als ich sie fötelte (selbstverständlich mit ihrer Erlaubnis). Sooo herzig. Eine ältere Nonne wollte sich aber nicht fötelen lassen. Das musste ich respektieren.

Dann fuhren wir weiter nach Lamayuru. Unterwegs hielten wir für Lunch. Und sollten, gemäss Guide, in ein überfülltes Beizli sitzen, direkt an der Durchgangsstrasse von Srinagar nach Leh, wo all die stinkigen Trucks und Jeeps durchfahren und einen Riesenlärm veranstalten. NO WAY! Wir sagten dem Guide dann, wir hätten ein ganz schönes Beizli gesehen. Er meinte, das wäre zu teuer, da er ja nur 2000 Rupien von der Travel Agency für die drei Tage erhalten habe. Nach einer Diskussion gingen wir dann dahin. Wir bestellten für 180 Rupien zwei Menus (fast 6 Franken). Dafür kriegten wir sehr gute und anständige Portionen und Mineralwasser in einem lauschigen, ruhigen Gärtchen. Als die Rechnung kam, bezahlte der Guide 145 Rupien, hatte also 20% Ermässigung rausgehandelt. Billiger wäre er an der Strasse auch nicht gekommen.

Auf der Weiterfahrt kam eine Passkontrolle. Weil die Grenze zu Pakistan nur noch 74 Kilometer weg ist, werden die Strassen kontrolliert. Die Weiterfahrt war fantastisch. Ein Highway, der einer noch nicht geteerten Passstrasse gleicht. Und dann das Moon Valley, eine ganz bizarre Landschaft kurz vor Lamayuru. In L. angekommen, brachte uns der Guide in ein nettes Guesthouse mit sauberen Zimmern, aber ohne Bad. Zum Bad hätten wir um das ganze Haus rumlaufen müssen. Dort hatte es zwei Hüttchen, das eine das Plumpsklo, das andere zum Waschen. Ich weiss nicht, welches mehr stinkte!! Hier konnten wir nicht bleiben.

Ein Plumpsklo ist eigentlich völlig okay. Wir Schüsselgewohnte brauchen zwar ein bisschen Übung, aber es ist hygienisch und auf dem Trek oder mal auf einem Ausflug völlig in Ordnung. Doch nach diesem stinkenden Mief reichte es uns. Wir hatten genug Erfahrung auf Reisen gesammelt und können unsere Guest Häuser selber suchen. Weil wir in Indien nur wenig Zeit hatten, haben wir die Reise mit einer Travel Agency in Leh gebucht. Dann erwarten wir aber eine sehr gute Leistung, dass die Häuser sauber sind und wir nicht selber in der ganzen Ortschaft rumlatschen und selber eine akzeptable Unterkunft suchen müssen.

Es hiess, wir hätten Standardunterkunft mit Bad. Wenn es keines hat, und wir gehen ja davon aus, dass Indien nicht so top ausgerüstet ist, erwarten wir Kommunikation vorher. Dann ist es auch okay. Nun war s’Renatli aber ein bisschen in Rage und teilte das dem Guide so mit. Er fragte ein paar locals, die meinten, weiter oben hätte es ein neues mit Bad. Das war okay, bestimmt nicht der Hammer, aber das haben wir auch nicht erwartet. Aber immerhin mit Bad, sogar mit WC-Papier, Frotteewäsche, also vollkommen genügend.

Dann fing der Guide wieder mit der selben Leier an, es sei zu teuer und er hätte nicht soviel Geld dabei. Zu diesem Zeitpunkt sank das Vertrauen in diesen Guide. Ich sagte nochmal zu ihm, ich wolle jetzt nichts mehr hören über zu wenig Geld und wir sollten es jetzt machen wie besprochen. Nämlich, dass er bezahlen solle, bis er nichts mehr habe und wir dann den Rest bezahlen und bei unserer noch fälligen Schuld an die Travel Agency abziehen würde.

Dieser Vorschlag wirkte wunder und wir hörten während dem ganzen Ausflug keine Klagen mehr von seiten Guide. Und wir gingen auch davon aus, dass das Geld sehr gut gereicht hatte.

Das Moon Valley Guest House hatte eine wunderbare Aussicht. Bloss die Küchen Hütte war auf der falschen Seite der Aussichtsterrasse gebaut. So hatte man nicht ganz freien Blick auf das Kloster von Lamayuru. Das Kloster ist sehr hübsch und erhaben, wirkt wie ein Gemälde über dem Village.

Wir hatten Glück, gerade waren die Mönche am beten. So konnten wir reinsitzen, zuschauen und zuhören. Für uns tönten die Gebete wie ein ungeordneter Singsang. Die Mönche holen immer ein heiliges Buch hervor, aus dem sie singen. Ein Buch dauert ca. 15 Tage zum durchsingen, dann kommt das nächste. Das ganze hört dann ziemlich abrupt auf und die Mönche verschwinden wieder. Unser Guide durfte für die Mönche die Blätter einsammeln, das war eine Ehre für ihn.

Nach diesem Besuch spazierten wir langsam wieder zu unserem Guest House hinauf, wo wir in dem netten Garten ein godfather super strong beer tranken. Unser Guide wollte keines. Irgendwann kam die Diskussion auf Chang und er organisierte einen Liter in einer Mineralwasserflasche. Chang ist noch gewöhnungsbedürftiger als Buttertee und wir überliessen so ziemlich alles dem Guide, der Chang offensichtlich sehr gerne trinkt.

Dann kam unser Abendessen. Wir mussten also sagen, dass der Koch ausgezeichnet kochte. Den würde ich grad auch auf ein Trekking mitnehmen. Der jam pancake zum Nachtisch, yummie! Dann beschrieb unser Guide noch das ladakhische Alphabet und schon wars mehr als dunkel, als wir ins Bett gingen. Die Betten erwiesen sich als steinhart.

Leh, 23.07.05

Wir hatten erstaunlich gut auf diesen harten Betten geschlafen. Zum Frühstück gabs ein sehr gutes Omelette, Milchkaffee mit etwas viel Zucker. Um 8.00 Uhr fuhren wir los. Zwei Stunden bis Likir, ein sehr schönes Kloster, ABER VIEL ZUVIELE TOURISTEN. Ein ziemlicher Schock, nachdem wir in Lamayuru praktisch die einzigen gewesen waren. Wir gingen bald wieder. Likir hat einen ganz grossen Future Buddha. Diese Buddhas sitzen auf einer Bank und haben die Füsse auf den Boden gestellt, im Gegensatz zu anderen Buddhas, die im Schneidersitz sitzen.

Anschliessend schauten wir uns Basgo an, ein Castle kurz vor Leh. Das Castle ist eine Ruine, die derzeit restauriert wird. Deshalb gabs nicht soviel zu sehen. Der eine Tempel war trotzdem sehr schön, mit einem sehr auskunftsfreudigen Tempelwächter. Man spürte, dass es in restauriertem Zustand sehr sehenswert wäre, doch das kann noch eine ganze Weile dauern.

Dann gingen wir in Nimmo Mittagessen. Kaum abgesessen, fragte uns der Guide, was wir denn essen wollten. Ja, gibts denn eine Menukarte? Nein, die gibt es nicht. Ja, also wenn du grad so fragst, dann nehme ich zur Vorspeise einen Räucherlachs mit Zitrone und Toast und zum Hauptgang ein 180g-Kalbssteak mit zarten Butternüdeli. Den Witz hat der Guide aber überhaupt nicht verstanden. Dann haben wir gesehen, dass die Leute am Nebentisch Momos bestellten. So bestellten wir auch Momos. Der Guide bestellte für sich Muton Momos. Und es stellte sich heraus, dass das Restaurant sowieso ein Momo-Restaurant ist. Wieso fragt uns dann der Guide, was wir essen wollen und sagt uns nicht einfach, es gäbe einfach Momos?

Im nachhinein können wir natürlich darüber lachen, doch dieses Beispiel ist typisch für viele weitere Begebenheiten, wo unsere unterschiedlichen Denkweisen stark sichtbar wurden.

Da noch Zeit vorhanden war, bot er uns anschliessend an, noch das Spituk Kloster anzuschauen. Das wäre zwar verlockend gewesen, aber wir waren inzwischen etwas tempelmüde geworden. Vor unserem Guest House verabschiedeten wir uns, gaben noch unseren Tip, den wir schlussendlich doch nicht gekürzt hatten, weil wir dachten, die Jungs könnens schliesslich gebrauchen. Aber eine Meldung an die Travel Agency gibts ganz sicher.

Im Guest House begrüsste uns wieder die nette Lady. Wir haben nun zwar ein anderes Zimmer, es ist aber genau so schön wie das andere. Dort lasen wir noch ein bisschen und machten uns schön für die heutige Abendessen-Tour. Zuerst ins Highlife für Bananen Lassee und Bruschetta. Ausgezeichnet!

Dann ins Penguin. Für ein Bier und ein kleines Avocado Sandwich zum Appetit holen. Dann sind wir ein bisschen rumgelaufen, haben Schaufenster angeschaut, mal geschaut, obs im Tibetan Kitchen Platz hat (ist immer voll ausgebucht) und gingen schlussendlich wieder ins Highlife, weil der Garten schön ist. Das war ein friedlicher Abend.

Nachher holten wir bei Dzomsa noch Wasser und unsere saubere Wäsche. Dann verkaufte ich gleich noch mein Buch. Das Mädchen fragte, was ich dafür wolle. Ich sagte 100 Rupien, weil ich letzthin zugehört hatte, wie ein anderer das auch gesagt hatte und sie ihn dann auf 50 Rupien runterdrückte. Das wäre für mich auch okay gewesen. Aber sie hat dann komischerweise angefangen zu kichern und mir einfach 100 Rupien gegeben. Komisch, komisch, ich verstand nur Bahnhof. Ich war grad ein bisschen enttäuscht, weil wir nicht mal gehandelt haben. Naja, bring ich ihr halt morgen noch ein anderes.

Die Abende in den Gärten waren ganz friedlich und so richtig ferienmässig. Sobald man aber auf die Strasse kam, ging der Lärm und Gestank los. Das ist so schade. Leh, auf 3500m, könnte so saubere Luft haben. Aber die vielen Autos und vorallem Lastwagen stinken fürchterlich. Als Fussgänger muss man auch sehr aufpassen, dass man nicht angefahren wird.

Das macht Leh ungemütlich. Vielleicht sollten wir der Regierung vorschlagen, dass hier nur Elektromobile fahren sollten wie in Zermatt. Das würde das Bild sofort verändern. Leh hat jedoch auch ein echtes Problem mit dem Strom. Im Sommer mit dem Staub und im Winter frieren die Leitungen ein.

Wir waren auch total überrascht, wieviele Touristen es in Leh hat. Unglaublich viele Nationalitäten. Offenbar waren heute mehrere den ganzen Tag verzweifelt daran, ein freies Zimmer zu finden.

Leh, 24.7.05

Lange ausgeschlafen, das erste Mal in unseren Ferien. Heute wollten wir nicht viel machen. Bisschen spazieren, bisschen was essen, shoppen, vielleicht noch Geld wechseln. Je nachdem, was das shoppen bringen würde.

In der Agency bezahlten wir den Rest unserer Pauschale, holten die Tickets für Delhi ab und liessen uns den restlichen Ablauf erklären. Dann schlenderten wir durch die Strassen, tranken Tee, lernten den für uns etwas unhöflichen Typ kashmirischer Verkäufer kennen. Am Mittag assen wir im Nordlak Tibetan Restaurant Momos. Sehr empfehlenswert!

Dann kauften wir T-Shirt, Schals, Klangschale, CD. Nach getanem Shopping gab Lassee und noch eine Leserunde im Guest House. Gegen Abend gingen wir ins Mona Lisa Restaurant. Ein Restaurant mit schönem Garten und schöner Aussicht. Dort genossen wir unseren letzten Abend in Leh. Und bald einmal gingen wir nach Hause, um noch zu packen. Denn um 4.45 Uhr mussten wir aufstehen.

Delhi, 25.7.05

Tja, Montezuma hatte mich wieder, der Saucheib. Und so musste ich nun auch mal ein Immodium nehmen. Das mag ich gar nicht, ist mir aber in dieser Situation wirklich zu heikel, wenn ich morgen aufs Flugi muss.

Um 4.15 klingelte der Wecker, respektive piepste der Höhenmeter. Ich war noch grausam müde. Wir packten alles ein, tranken noch Teeli und assen Joghurt und verabschiedeten uns definitiv von der netten Lady. Punkt 6.00 holte uns der Typ von der Agency ab. Er sagte, er hätte gestern zwar gesagt, 6.30, aber seine Kollegen hätten ihm gesagt, Indian Airways sei nicht so reliable? Indian Airways? Wir fliegen aber mit Jet Airways. Gestern sagte er auch, wir müssten um 6.30 fliegen, doch heute morgen wars schon 7.30. Wir üben uns wieder mal in Geduld und sagen uns, andere Länder, andere Sitten.

Dann kam erster Security Check, Check-in, zweiter Security-Check, Baggage-Identification, dritter Security-Check mit dazugehörigem Body-Filzen und dann darf man ins Flugi einsteigen.

Ich glaube, die Touristen des Ladakh kann man in drei Gruppen einteilen: die Pauschaltouristen, die 2 Wochen Ladakh von zu Hause buchen und immer in Gruppen kommen. Sie schauen sich hauptsächlich die Tempel und Kloster an. Dann die Trekker: mit zweckmässigen Kleider und Wanderrucksäcken, die nur zum Trekken und Bergsteigen ins Ladakh kommen und noch die Travellers, die ganz komisch angezogen sind und sich äusserst komisch benehmen. Ich glaube, für diese Reisenden ist das Ladakh der letzte Inbegriff von Hippietum. Und dann gibt es auch noch Studiengruppen, oder auch Austauschgruppen. Vorallem viele englische Gruppen, zwischen 14 und 16 Jahre alt. Das hätte ich auch gerne gemacht in diesem Alter!

Für unseren Geschmack hatte es in Leh selber zu viele Touristen. Falls wir wieder mal ins Ladakh gehen würden, dann sicher eher im September. Oder wir würden Leh meiden und irgendwo anders akklimatisieren.

Ansonsten hat es uns im Ladakh sehr gut gefallen. Die Ladakhis müssen einfach aufpassen, dass sie ihr Land nicht versauen. Diese Dieselstinker und der ganze Verkehrslärm in Leh kann ja nicht die Zukunft sein.

In Delhi angekommen, traf uns fast der Schlag. 32 Grad und absolut feucht. Das Gepäck war schnell da und wir liefen erwartungsvoll raus, da uns ja eine Lady abholen sollte. Lange Gesichter von uns am Ende des riesigen Schildermeeres. Kein Thomas-Renate-Schild. Wir warteten schliesslich eine Stunde. Als ich endlich einen Prepaid-Taxischein holen wollte, sprach uns ein Flughafen Security Mann an, ob wir ins Hotel Broadway wollten. Der Mann von der Agency sei im Stau stecken geblieben und wir sollten mit ihm mitfahren.

Im Hotel angekommen, meinte der Driver, wir müssten ihm nun das Taxi bezahlen. Wir meinten ganz freundlich, dass würde die Agency übernehmen, was dann auch okay war für ihn.

Am Nachmittag sollten wir mit einem Guide auf eine Tour durch Old Delhi. Es kam aber nur ein Driver, der nicht besonders gut Englisch konnte. Wir fuhren zur alten Moschee. Thomi musste einen langen Jupe anziehen, ich ein ganz hässliches Kleid. Die Moschee war sehr gross und sehr schön anzusehen. Doch es war einfach fürchterlich heiss und uns lief der Schweiss nur so runter. Für Delhi ist ein Besuch im Sommer nicht so ideal. Das Red Fort war leider zu.

Diese Pauschalarrangements sind entweder nicht allen Beteiligten bekannt oder jeder versucht einfach, noch ein paar Extrabatzeli heraus zu schlagen. Solche Ausflüge wie heute nachmittag sind immer ein Seilziehen. Der Driver sagt, wir müssten das Parking bezahlen. Wir sagen, nein, das ist in der Pauschale drin. Der Driver sagt, die Fahrt zum Connaught Place müssten wir extra bezahlen. Wir sagen, nein, das ist in der Pauschale drin. Die ganze Zeit ging es so hin und her. Irgendwie ist es ja ganz witzig und manchmal auch nervig.

Am Connaught Place schlenderten wir in paar Stunden rum, kauften ein Buch und fanden, dass dieser Platz nicht das richtige Indien wiederspiegelt. Dieses riesige Einkaufsladengebilde rund um den Connaught Place ist ganz sicher nur für die Reicheren einen Plätzchen.

Hinter unserem Hotel war es viel interessanter. Dort liefen die Ziegen herum, es hatte eine öffentliche Waschanlage (die Inder waschen sich sehr gründlich), es hatte eine Moschee, wo die Gläubigen hinkamen, die einen zu Fuss, die anderen mit dem Motorrad, der andere mit der Rikscha. Und gegen Abend liess ganz Delhi auf den Dächern die Drachen steigen! Überall standen Kinder und Erwachsene auf den Dächern und liessen die Drachen fliegen.

Am Abend trafen wir im Restaurant zwei Belgier, die wir auf einem Pass getroffen hatten. Das war ein witziger Abend.

Agra, 26.07.05

Um 4.15 betete der Imam sein Morgengebet genau in unser Zimmer hinein. Um 5.30 kam der bestellte wake-up-call, um 5.35 der call, dass unser driver da sei. Häh? Nein, erst um 7 Uhr. Ja ist auch gut.

Um 7 Uhr schleppten wir unser Gepäck runter und fuhren mit dem sehr netten driver im Ambassador-Auto nach Agra. Ich durfte vorne sitzen, was ich sehr genossen habe. Gegen diese Strecke wirkt Old Delhi sehr geordnet. Heiss, die Foodstände voller Fliegen, dreckig und kaum zu beschreiben. Soviele Eindrücke! Kamele, die Karren mit riesigen Heufudern ziehen, Pferdewagen, Esel, heilige Kühe, Tanzbären (Tierquälerei! Die Viecher werden im ganzen Land rumgezerrt und müssen tanzen)

Und immer wieder einen Haufen Leute, Velos, Autos, Lastwagen, Rikschas, Tuktuks, überfüllt bis zum gehtnichtmehr. Die Fahrt von Delhi nach Agra dauerte zwar vier Stunden, aber es war total interessant. In Agra checkten wir im Hotel Howard Plaza ein, ein schönes Hotel mit grossen Zimmern und sogar Swimming Pool. Wir assen im Pizzahut und liessen uns von einem Tuktuk hinchauffieren. Die ärmsten haben im Moment ziemlich Flaute, weil Nebesaison ist. Und für zwei Rupien können wir uns schon rumchauffieren lassen.

Es regnete sehr stark, nicht unbedingt eine gute Voraussetzung für den Besuch des Taj Mahal. Und dann endlich, fuhren wir zum Taj Mahal. Wir waren riesig gespannt. Es regnete immer noch etwas, zum Fotorafieren nicht so ideal. Das Taj wirkte vom ersten Moment an. Majestätisch weiss und absolut cool zum anschauen. Es ist das Grabmal einer Kaiserin, die bei der Geburt des 14. Kindes mit 38 Jahren gestorben ist. So jemand hat schon ein solches Grabmal verdient. Beschreiben muss ich es sicher nicht, das hat wohl jeder schon mal gesehen. Absolut empfehlenswert! Als wir wieder aus dem Grabmal herauskamen, hatte es aufgehört zu regnen. Ausnahmsweise wirkte die Luft dadurch sehr frisch und abgekühlt. Ideal, um um das Gebäude zu flanieren. Es war einfach wunderbar, hier barfuss herumzulaufen auf dem warmen Marmorboden und zu schauen. Das hat sich auf jeden Fall gelohnt!

Anschliessend schauten wir das Agra Fort an, dort hatte die Kaiserin gewohnt. Ein riesiges Gelände und Gebäude, aber für uns dann doch eher Beigemüse.

Delhi, 27.07.05

Mit wake-up-call brach unser letzter Tag in Indien an. Wir genossen das ausnahmsweise sehr üppige Frühstücksbuffet. Um 8.00 Uhr war Aufbruch nach Fatehpur Sikri, mitten in die Rush Hour hinein. Das war für uns interessanter als das Fort selber, das dem von gestern sehr ähnelte. Ausserdem war es wieder sehr heiss, einfach nicht die richtige Zeit, um die Umgebung von Delhi zu erkunden. Der Guide redete auch wie ein Roboter. Spulte einfach sein Programm runter und wenn man ihn unterbrach, brachte ihn das völlig aus dem Konzept.

Die Fahrt Richtung Delhi war wieder sehr interessant. Zurück im Broadway erhielten wir einen Dayroom, wo wir nochmal duschen und ein bisschen umpacken konnten, da wir um 21.00 Uhr schon an den Flughafen mussten.

Um 20.30 Uhr wurde ich leicht nervös, weil wir noch nichts von der Agency gehört hatten. An der Reception meinten sie, sie hätten keine Nummer von der Agency. Ich meinte, sie hätten die Agency schon mindestens dreimal für uns angerufen, also sehr wohl die Nummer. Worauf sie die Nummer hatten und anriefen. Alles in Ordnung, um 21.00 Uhr werden wir abgeholt. Die Receptionistenmänner meinten dann, dann könne ich ja jetzt das Zimmer bezahlen. Worauf ich meinte, dass ich das nicht müsste, das sei in der Pauschale drin. Worauf sie meinten, das sei in Ordnung so. So langsam habe ich den Dreh raus.

Man muss Indien wahrscheinlich wirklich gut kennenlernen, um zu wissen, wie was läuft. All die Eindrücke sind interessant, aber auch verwirrend. Man muss aufpassen, dass man nicht über den Tisch gezogen wird. Man muss aber auch aufpassen, dass man es nicht übertreibt mit der Aufpasserei. Jeder muss hier sein Business machen und wenn er halt den Touris ein paar mehr Rupien abknöpfen kann, so what. Wir werden dadurch nicht arm und er hat dafür etwas mehr Luft. Die meisten sind wirklich nette Leute, und wenn mal klar ist, was Sache ist, dann kann man sich sehr gut unterhalten. Die Leute lachen viel schneller, sind viel schneller verlegen, aber auch herzlich und spontan. Man spürt die Gastfreundschaft (auch wenn wir nicht gerade viele geborene Kellner getroffen haben).

Wir mussten vier Stunden vor Abflug zum Flughafen. Security Check, Security Check, Security Check, und dann waren die vier Stunden um. Thomi hatte nicht mehr so Glück mit Platz für die Beine, aber es war nicht so schlimm. Der Flug war einwandfrei, keine Verspätung, kein Jetlag.

Um 11.00 Uhr waren wir zu Hause, wuschen Wäsche, fuhren am späteren Nachmittag in die Lenzerheide, und am anderen Tag mit dem Bike von Filisur auf den Albula. Da musste ich aber schon auf die Zähne beissen.

Wir genossen aber auch hier die freien Tage, mit wandern, fein essen und einem oder zwei feinen Tröpfchen Wein!